1. FC Union

Stuttgart bremst Union auf dem Weg in Richtung Europa

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Marcel Stein
Wahid Faghir vom VfB Stuttgart bei der Partie gegen den  1. FC Union

Wahid Faghir vom VfB Stuttgart bei der Partie gegen den 1. FC Union

Foto: Adam Pretty/Getty Images

Der VfB Stuttgart hat in Unterzahl den Sprung des 1. FC Union Berlin auf einen Champions-League-Platz verhindert.

Stuttgart/Berlin. Es war das allerletzte Aufbäumen, der allerletzte Versuch, überhaupt noch so etwas wie einen Angriff zustande zu bringen. Daniel Didavi kämpfte sich durch den Strafraum des 1. FC Union, passte gar nicht mal genau, aber irgendwie kam der Ball zu Wahid Faghir. Der stolperte zunächst, zog dann aber ab, und vom Bein von Timo Baumgartl abgefälscht landete der Ball schließlich im Tor der Berliner. 90 plus drei Minuten waren da gespielt, und bis dahin hatte Union alles im Griff gehabt.

Kopfschüttelnd und mit verkniffener Miene lief Trainer Urs Fischer kurz darauf über den Rasen. Union spielte souveränen Fußball beim VfB Stuttgart, hielt den Konkurrenten meist auf Abstand zum eigenen Tor. Die Berliner führten durch Taiwo Awoniyi (31.) und hatten nach der Gelb-Roten Karte von Atakan Karazor (57.) alles in der Hand. Doch kurz vor Schluss befiel die Köpenicker eine seltsame Nervosität. „Das fühlt sich an wie eine Niederlage. Bis auf zwei Chancen haben wir nichts zugelassen. Da müssen wir einfach die drei Punkte mitnehmen“, sagt Baumgartl nach dem 1:1 (1:0) bei den Schwaben.

Die unnötig verschenkten Zähler verhinderten am Ende, dass Union den vierten Sieg in Serie in der Bundesliga und damit einen Klubrekord feiern konnten. Auch blieb der Sprung auf Platz vier versagt. „Da haben wir uns dumm angestellt, wir waren nicht zielstrebig genug in Richtung Tor“, konstatierte Mittelfeldspieler Grischa Prömel.

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Nach dem 1:3 am Donnerstag in der Europa Conference League bei Feyenoord Rotterdam hatte Fischer lediglich drei Wechsel vorgenommen. Genki Haraguchi und Niko Gießelmann rotierten wieder in die erste Formation. Dazu durfte erstmals seit neun Monaten Sheraldo Becker von Beginn an auflaufen. Der Niederländer vertrat Max Kruse im Angriff neben Awoniyi. Für Kruse war es das erste Mal in dieser Saison, dass er in der Bundesliga nicht in der Startelf stand.

Für die Berliner ging es in Stuttgart nicht nur um drei Punkte, sondern man wollte vor allem wieder zurückfinden zur eigenen Identität, die in Rotterdam nicht zweifelsfrei erkennbar gewesen ist. Die Mannschaft sollte organisiert auftreten, kompakt, dem Gegner keine Räume anbieten. Das tat Union dann auch nicht. Beide Teams wollten nach vorn spielen, gingen aber wenig Risiko ein und trafen auf sichere Abwehrreihen. Aus dieser Neutralisation heraus ergaben sich wenig aufregenden Momente. Eine scharfe Hereingabe von Becker über links kam zu weit vor das Tor, als dass Christopher Trimmel sie hätte erreichen können (15.). Auf der anderen Seite brachte ein langer Ball der Stuttgarter den Japaner Wataru Endo in Schussposition, allerdings in keine gute, er verzog (17.).

Union agierte nicht so zaghaft wie in Rotterdam

Doch der VfB attackierte anschließend etwas früher, wollte die Berliner unter Druck setzten mit den schnellen Angreifern. Jedoch agierten die Köpenicker diesmal keineswegs so zaghaft in den Zweikämpfen wie noch in Rotterdam. So stoppte Rani Khedira den nach vorn drängenden Endo etwas unsanft, aber regelkonform. Während die Stuttgarter auf einen Pfiff warteten, schaltete Khedira sofort um und passte zu Becker, der auf der linken Seite antrat. Zwar rückte der VfB schnell auf, doch Becker fand in der Mitte Awoniyi frei an der Strafraumgrenze, wo der Torjäger mit links abzog und ins lange Eck traf.

Der Gegentreffer beschäftigte die Gastgeber, sie versuchten, vor das Berliner Tor zu kommen, doch die Defensive von Union offenbarte keine Lücken. Die mangelnden Ideen führten zu Verunsicherung beim Gegner, während Union gegen das junge Stuttgarter Team sehr routiniert spielte. Das führte in der zweiten Hälfte zu immer mehr Überlegenheit. Die Strafraumaktionen der Berliner häuften sich, wobei die ganz große Gefahr dabei nicht aufkam.

VfB drängte in der Schlussphase nach vorn

Weiter zu nahm die Dominanz von Fischers Team, nachdem Atakan Karazor binnen 35 Sekunden gleich zweimal zu hart einstieg und mit Gelb-Rot vom Platz musste. Jedoch drängten die Berliner keineswegs auf den zweiten Treffer, sondern kontrollierten die Partie. Die Laufbereitschaft, die Union dabei zeigte, ließ kaum erahnen, dass hinter der Mannschaft ein anstrengendes Europapokalspiel liegt. Ohne Probleme schlossen die Köpenicker die Räume.

In der Schlussphase jedoch drängte der VfB immer verzweifelter nach vorn, und die Berliner ließen sich davon überrumpeln. Sie hatten sich zu sehr in ihrer Führung eingerichtet und spürten plötzlich, dass dies gefährlich war. „Wir müssen konsequent auf das zweite Tor gehen“, sagte Baumgartl, fand die Leistung dennoch insgesamt ansprechend. „Es war eine Reaktion auf das Donnerstagsspiel. Wir haben gesehen, dass wir die Belastung wegstecken können.“ Für die nächste Aufgabe am Mittwoch in der zweiten DFB-Pokal-Runde beim Drittligisten Waldhof Mannheim ist das immerhin ein gutes Zeichen.

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