Union Berlin

Robin Knoche ist Union Berlins Tourguide für Europa

| Lesedauer: 5 Minuten
Nelis Heidemann
Robin Knoche (r.) brachte schon bei seinem Wechsel zu Union Berlin 2020 eine Menge internationale Erfahrung mit.

Robin Knoche (r.) brachte schon bei seinem Wechsel zu Union Berlin 2020 eine Menge internationale Erfahrung mit.

Foto: JOHN MACDOUGALL / AFP

Abwehrchef Robin Knoche ist auf Unions Berlins Dienstreise zur Conference League nach Helsinki eine Schlüsselfigur.

Berlin. Etwas schief blickte Robin Knoche beim Versuch drein, den letzten Knopf seines Hemdes zuzuknöpfen. Es ist Anzugzeit beim 1. FC Union und seinem Abwehrchef, das Abenteuer Europa beginnt. Die Köpenicker verbreiteten am Dienstag ein Video der Einkleidung im feinen Zwirn auf ihren Kanälen. Knoche ist das als einer von wenigen Spielern gewohnt: Nur Kapitän Christopher Trimmel sammelte im Union-Kader mehr internationale Erfahrung als der Abwehrchef.

Knoche machte im Europapokal 21 Spiele für den VfL Wolfsburg, 19 Mal Europa, zweimal Champions League. Dass er schon in seinem zweiten Jahr bei Union ins internationale Geschäft zurückkehrt, hätte der 29-Jährige wohl selbst nicht gedacht.

Sport1 übertragt Union Berlins Hinspiel in Finnland

Mit seiner Erfahrung wird er in den nun bevorstehenden Play-off-Spielen gegen Kuopion PS aus Finnland vorangehen müssen in der Mannschaft von Trainer Urs Fischer, die im Europapokal eben noch weitestgehend unerfahren ist. „Die Vorfreude ist natürlich riesengroß“, sagt Knoche im Vorfeld der Abreise nach Helsinki, wo am Donnerstag das Hinspiel ausgetragen wird (18 Uhr, Sport1).

Besonderen Reiz findet Unions Abwehrchef im K.o.-Modus, in Hin- und Rückspiel wird gegen den Zweiten der finnischen Liga innerhalb einer Woche über die Teilnahme an der Gruppenphase der neu geschaffenen Conference League entschieden. „Jeder, der schonmal international K.o.-Spiele gemacht hat, weiß, dass das nie leichte Spiele werden“, sagt Knoche, der mit dem VfL Wolfsburg den Reiz des direkten Ausscheidungsduelles unter anderem schon gegen Sporting Lissabon oder Inter Mailand in der Europa League erleben durfte.

Ex-Wolfsburger Knoche hat schon Champions League gespielt

„Gerade von der Nervosität her macht es für mich jetzt einen Unterschied, dass ich diese Erfahrung schon hatte“, sagt der Innenverteidiger. Dass es diesmal „nur“ die Conference League ist, während Knoche auch schon die beiden höherklassigen Wettbewerbe erlebt hat, stört ihn keineswegs: „Bei uns im Verein kannst du das gar nicht hoch genug hängen. Ich freue mich auf jedes Spiel, das international ist.“

Vor allem für die Spieler, die bisher noch nicht im Europapokal gespielt haben, sei die Reise nach Finnland jetzt natürlich etwas Besonderes. „Aber ich mache mir auch keine Sorgen, dass wir jetzt irgendwie verkrampfen“, sagt Knoche, der seinen Mitspielern mit dem einen oder anderen Tipp zur Seite stehen möchte. Doch die Mannschaft, das versicherte der Abwehrchef, wisse ohnehin, was auf sie zukomme.

Hinter Union Berlins Defensive steht ein Fragezeichen

Insbesondere die erste Halbzeit vom Bundesliga-Auftakt gegen Bayer Leverkusen (1:1) offenbarte noch so einige Schwachstellen bei Union, auch in der Dreierkette mit Knoche sowie Marvin Friedrich und Zugang Timo Baumgartl gab es einige Abstimmungsschwierigkeiten.

„Unser Zusammenspiel wächst noch, dass das nach einer Vorbereitung noch nicht so eingespielt sein kann, ist klar“, sagt Knoche. Der Abwehrchef ist aber trotz des etwas holprigen Starts optimistisch: „Ich sehe das sehr positiv, da wir viel kommunizieren und miteinander im Austausch sind.“

Knoche und Friedrich sind als eingespieltes Duo in der Vorsaison gesetzt, offen ist, in welcher Konstellation der Rest der Defensivreihe gegen Kuopion aufgestellt wird – Baumgartl wirkte beim Auftakt in Pokal und Liga zwar solide, aber keinesfalls unantastbar.

Union Berlin will die Favoritenrolle nicht

Vielleicht ergibt sich auch wegen möglicher Belastungssteuerung die Chance für einen der anderen Zugänge Paul Jaeckel oder Rick van Drongelen. Auch eine Umstellung auf Viererkette, die in der Vorbereitung das eine oder andere Mal ausgetestet wurde, scheint möglich.

Wie es auch kommt, Knoche und Co. sind gewarnt vor der Offensive der Finnen, die sich in der dritten Qualifikationsrunde mit einem spektakulären 4:3 gegen FK Astana überhaupt erst die Teilnahme am Play-off-Duell mit Union sicherten.

„Das, was wir vom Gegner gesehen haben, ist nicht so schlecht, wie es von vielen gemacht wird. Es gilt, vorsichtig zu sein und nicht überheblich zu wirken“, sagt Knoche, der sich intensiv darum bemühte, den Favoritenstatus abzulehnen. „Die Rollenverteilung ist mir völlig egal. Entscheidend ist, dass wir die beiden Spiele für uns entscheiden.“

Am Mittwoch ist Reisetag, am Abend steht das Abschlusstraining im Olympiastadion Helsinki auf dem Programm. Knoche kennt diesen Ablauf von den Europareisen gut, insbesondere nach dem Abgang von Führungsspieler Robert Andrich wird er auf der Dienstreise Helsinki als Anführer vorangehen müssen. Dann sicher auch mit korrekt geknöpftem Hemd – es ist schließlich Anzugzeit beim 1. FC Union.

Mehr über Union Berlin lesen Sie hier.