Union Berlin

Union ist bereit für den Showdown in Köpenick

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Michael Färber
Marvin Friedrich (l.), Verteidiger von Union Berlin, ist gegen Leipzigs Christopher Nkunku zur Stelle.

Marvin Friedrich (l.), Verteidiger von Union Berlin, ist gegen Leipzigs Christopher Nkunku zur Stelle.

Foto: Jan Woitas / pa / dpa

Union kann gegen Leipzig den Sprung in die Europa Conference League schaffen. Warum die Berliner optimistisch sein dürfen.

Berlin. In Deutschland wäre Union Berlin die Nummer eins. Der erste Klub, der sich auf dieses Novum einlässt und damit auch ein klein wenig Fußball-Geschichte schreiben würde. Was zu Saisonbeginn noch als undenkbar galt, ist nun zum Greifen nah. Und es wäre eine Premiere obendrein.

So kommt Union Berlin nach Europa

  • Mit einem Sieg gegen RB Leipzig ist Union Berlin sicher in der Europa Conference League.
  • Schafft Union Berlin nur ein Remis gegen RB Leipzig, darf Borussia Mönchengladbach nicht bei Werder Bremen gewinnen. Zudem darf der VfB Stuttgart höchstens mit zwei Toren Unterschied gegen Arminia Bielefeld siegen und der SC Freiburg höchstens mit drei Toren bei Eintracht Frankfurt.
  • Selbst eine Niederlage gegen RB Leipzig könnte für Union Berlin reichen, wenn auch Mönchengladbach in Bremen verliert und Stuttgart gegen Bielefeld sowie Freiburg in Frankfurt nur unentschieden spielen.

Ein Sieg fehlt, ein einziger Sieg am Sonnabend (15.30 Uhr, Sky) gegen RB Leipzig, und Union hätte den Sprung nach Europa geschafft. Als erster deutscher Teilnehmer würde Union Berlin in der neuen Europa Conference League spielen. Ein Ziel, das beflügeln kann in den letzten 90 Saisonminuten – oder auch die Sinne vernebeln für den letzten Kraftakt, den Union vor sich hat.

„Die Freude ist bei allen groß“, sagt Trainer Urs Fischer. Auch bei ihm selbst, der das Gefühl bei internationalen Auftritten kennt, als Spieler des FC Zürich, als Trainer des FC Thun, des FC Basel und der Züricher, in Champions und Europa League. „Wir spielen am 34. Spieltag ums internationale Geschäft, das hat so von uns keiner erwartet“, führt Fischer weiter aus.

Union Berlin will Heimserie fortsetzen

Doch schon stürzt jeder Anflug von Schwärmerei wieder auf den Boden der Tatsachen. Und Fischer weiß, was erforderlich ist, damit es keine Bruchlandung wird: „Wir dürfen uns nicht zu fest freuen, sondern müssen klar im Kopf bleiben und ähnlich wie in Leverkusen von der ersten Minute an im Spiel sein.“

Es ist ein Finale, das auf Union wartet. Am Ende einer Saison, die ihre ausgezeichnete Wertung durch den seit Wochen feststehenden Klassenerhalt längst erhalten hat. Ein Finale, wie es prestigeträchtiger kaum sein kann, wenn ein eingetragener Verein wie Union auf das von vielen als Kunstprodukt verteufelte RB Leipzig trifft. Wenn trotz der Coronavirus-Pandemie immerhin 2000 Zuschauer in der Alten Försterei dabei sein können, weil sie vollständig geimpft, genesen oder negativ getestet wurden.

Es wird ungewohnt gewohnt sein, was die Köpenicker erwartet. Weil von den vergangenen 15 Heimspielen, die nicht verloren wurden, 13 ohne Zuschauer stattfanden. Weil die aktive Fanszene zwar nicht im Stadion sein, jedoch „bei aller Schwierigkeit, sich zu organisieren, ihre Position zum Ausdruck bringen wird“, wie Christian Arbeit, Geschäftsführer Kommunikation von Union Berlin, glaubt.

Union Berlin trifft auf angeschlagenen Gegner

„Ungewohnt ist eigentlich eine gute Beschreibung“, sagt Fischer, der die Rückkehr von Geisterspielen zu Fan-Unterstützung als „einfachere Umstellung“ ansieht: „Aber auch das braucht eine gewisse Gewöhnungszeit. Nur wir können uns nicht allzu viel Zeit lassen, wir müssen von Beginn an im Spiel sein. Ich bin mir sicher, dass unsere Zuschauer uns antreiben werden.“

Gefühlt ist die Chance, gegen Leipzig endlich die ersten Bundesliga-Punkte zu holen, so groß wie nie. RB hat seit der Niederlage gegen den FC Bayern Anfang April diesen Rausch verloren, der das Team von Sieg zu Sieg trug. Niederlagen gegen Köln und Dortmund (in der Bundesliga und im DFB-Pokalfinale), Punktverluste gegen Hoffenheim und Wolfsburg – das passt so gar nicht zum gnadenlosen Erfolgsdenken des scheidenden Trainers Julian Nagelsmann.

Die Ausgangslage für Union Berlin im Rennen um Europa

  • 7. Union Berlin 48:42 Tore, 47 Punkte
  • 8. Borussia Mönchengladbach 60:54 Tore, 46 Punkte
  • 9. VfB Stuttgart 56:53 Tore, 45 Punkte
  • 10. SC Freiburg 51:49 Tore, 45 Punkte

Dann sind da die personellen Ausfälle. Torwart Peter Gulasci hat bereits Urlaub erhalten, bevor er sich mit Ungarn auf zur Europameisterschaft macht. Der 22-jährige Spanier Josep Martinez steht vor seiner Bundesliga-Premiere im Tor. Tyler Adams (Rückenprobleme) hat die Saison ebenfalls schon beenden müssen wie die angeschlagenen Dani Olmo und Angelino. Und der Einsatz von Nationalspieler Marcel Halstenberg ist fraglich.

Union Berlin ist mutiger geworden

Dennoch hat Unions Trainer Fischer „das Gefühl überhaupt nicht“, Leipzig mal zum richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Weil mit Robert Andrich (Sperre) und Joel Pohjanpalo (Beinverletzung) – der Finne schoss die letzten vier Tore von Union Berlin – ebenfalls zwei wichtige Spieler fehlen. Weil Leipzig trotzdem mit „viel Qualität, Geschwindigkeit, Wucht und Körperlichkeit“ auftreten wird, glaubt Fischer.

Sieht Christopher Trimmel, Unions Kapitän, genauso: „Kann schon sein, dass die Luft bei RB raus ist. Aber ich glaube schon, dass die Leipziger motiviert sein werden. Ich denke auch, dass sich Julian Nagelsmann mit einem positiven Erlebnis verabschieden möchte.“

Was es braucht, um gegen den Vizemeister zu bestehen? „Wenn du keinen Mut hast und nur versuchst, hinten zu stehen und zu verteidigen, hast du gegen solche Mannschaften keine Chance“, sagt Trimmel: „Leipzig hat sein Spiel nicht verändert. Doch wir sind jetzt mutiger, gehen nach vorn und vertrauen auf unsere Stärken.“ Wie das aussehen soll, erklärt er auch: „Wir müssen sie nerven in den Zweikämpfen und dem Gegner die Lust am Fußball nehmen. So sind wir eigentlich jedes Spiel gegen die Großen angegangen.“

Auch die Konkurrenz hat Union Berlin im Blick

Bei Union Berlin ist man bereit für den Showdown in Köpenick, in jeder Hinsicht. Schließlich braucht es nicht zwingend einen Sieg gegen Leipzig für den Europa-Traum – wenn die Konkurrenz aus Mönchengladbach (in Bremen), Stuttgart (gegen Bielefeld) und Freiburg (in Frankfurt) mitspielt.

„Wir werden auf dem Laufenden sein, das ist auch innerhalb des Trainerteams so besprochen. Das ist auch wichtig in so einem Spiel. Vielleicht musst du noch mal nachlegen, vielleicht absichern – da gilt es, bestmöglich informiert zu sein“, sagt Fischer. Schließlich will Union in Deutschland die Nummer eins sein. Und wenn es „nur“ in der Conference League ist.

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