Union Berlin

Alle Augen richten sich auf Union

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Michael Färber
Die Profis von Union Berlin wollen am Sonnabend mit ihren Fans den Sprung in den Europapokal feiern.

Die Profis von Union Berlin wollen am Sonnabend mit ihren Fans den Sprung in den Europapokal feiern.

Foto: nordphoto / Engler / pa / nordphoto

Union steht gegen Leipzig wegen des möglichen Sprungs in den Europacup im Fokus. Und wegen der Rückkehr von Fans in die Alte Försterei.

Berlin. Wenn sich der 1. FC Union in einer Rolle stets wohlgefühlt hat, dann in der Rolle des Außenseiters. Das wird sich am Sonnabend (15.30 Uhr, Sky) ein wenig ändern, wenn der Berliner Fußball-Bundesligist am letzten Spieltag dieser Corona-Saison RB Leipzig in der Alten Försterei empfängt. Union wird im Fokus stehen wie lange nicht, und das aus guten Gründen.

So kommen Sie zu Union Berlin ins Stadion

Da ist natürlich der noch zu vergebene Platz für das Play-off der neuen Europa Conference League, für den Union aus der Poleposition ins Rennen geht. Nicht zuletzt werden sich die Augen aber auf das Pilotprojekt richten, durch das 2000 Menschen die finale Partie gegen Leipzig im Stadion verfolgen können. Da die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Coronavirus-Infektionen seit einigen Tagen deutlich unter 100 liegt (aktueller Wert am Donnerstag: 56,3), ist die Umsetzung des Pilotprojekts wieder möglich.

Ursprünglich hatte es bereits Mitte März die Rückkehr von Fans geben sollen. Ein Spiel der BR Volleys in der Volleyball-Bundesliga fand ebenfalls vor Zuschauern statt wie Vorstellungen im Berliner Ensemble und der Philharmonie. Mit beiden Einrichtungen hatte Union im Vorfeld eng zusammengearbeitet. Doch der rasante Anstieg der Infektionen hat die Umsetzung in der Alten Försterei zunächst gestoppt.

Union Berlin nutzt eigenes Testzentrum

Nun blicken die Augen nicht nur der Sportwelt nach Köpenick. Die Tickets wurden unter den Vereinsmitgliedern verlost, die eine Dauerkarte für die Saison 2020/21 besitzen. Ins Stadion kommen jedoch ausschließlich vollständig Geimpfte, vom Coronavirus genesene Personen und jene, die einen negativen Schnell- oder PCR-Test vorweisen können. Die Tests dürfen nicht älter als 24 Stunden (Schnelltest) bzw. 48 Stunden (PCR) sein. Die Tickets auch auf den Stehplatzrängen sind platzbezogen.

So kommt Union Berlin nach Europa

  • Mit einem Sieg gegen RB Leipzig ist Union Berlin sicher in der Europa Conference League.
  • Schafft Union Berlin nur ein Remis gegen RB Leipzig, darf Borussia Mönchengladbach nicht bei Werder Bremen gewinnen. Zudem darf der VfB Stuttgart höchstens mit zwei Toren Unterschied gegen Arminia Bielefeld siegen und der SC Freiburg höchstens mit drei Toren bei Eintracht Frankfurt.
  • Selbst eine Niederlage gegen RB Leipzig könnte für Union Berlin reichen, wenn auch Mönchengladbach in Bremen verliert und Stuttgart gegen Bielefeld sowie Freiburg in Frankfurt nur unentschieden spielen.

Dass Union ein eigenes Testzentrum in Sichtweite des Stadions errichtet hat und bereits seit Wochen nutzt, kann der Sache nur dienlich sein. Am Spieltag hat das Zentrum bereits ab acht Uhr geöffnet, um größere Wartezeiten zu vermeiden, wird jedoch empfohlen, auch die Sonderöffnungszeiten am Freitag (17.30 bis 22 Uhr) zu nutzen.

Sollte am Spieltag selbst und auch danach alles reibungslos verlaufen, die Alte Försterei zum Beispiel nicht zum Hotspot für Corona-Infektionen werden, kann dies eine Signalwirkung nicht nur für den Sport haben, sondern für alle öffentlichen Veranstaltungen mit Zuschauern. Grundlage für das Pilotprojekt bildet die Zweite SARS-CoV-2-Infektionsschutzmaßnahmenverordnung, die unter Paragraf 9 eine mögliche Genehmigung von Pilotveranstaltungen zur Erprobung von Hygiene-, Schutz- oder Testkonzepten vorsieht. Die Senatsverwaltung für Inneres und Sport hatte am Montag einem entsprechenden Antrag Unions zugestimmt.

Union Berlin und der Gegenentwurf RB Leipzig

Die Tatsache, dass erstmals seit dem 24. Oktober 2020 (1:1 gegen den SC Freiburg) wieder ein Spiel vor Zuschauern in der Alten Försterei stattfindet, gibt diesem letzten Saisonspiel noch mal einen Extra-Kick. Denn abgesehen davon, dass Union gegen den Vizemeister jede Unterstützung gebrauchen kann – Union gegen RB Leipzig ist schon aufgrund der unterschiedlichen Klub-Philosophien nie ein ganz normales Fußballspiel.

Hier die Köpenicker, die das Vereinsleben fest in ihrer DNA verankert haben. Ein Verein, der seine Kraft nicht zuletzt aus den knapp 37.700 Mitgliedern zieht. Der sich nicht nur über (Profi-)Fußball definiert, auch wenn es der Daseinszweck des Vereins ist. Dort die Leipziger, die als künstlichen Konstrukt angesehen werden, das im Duktus vieler Fans nur der Vermarktung von Produkten eines Brauseherstellers dient. Das jedoch in Leipzig auch hervorragende Möglichkeiten geschaffen hat, um talentierte Fußballer auszubilden.

Die Protestaktionen der Union-Fans, seien es die schwarzen Müllsäcke als Form des Protests, oder die 15-Schweigeminuten, die zugleich auch Unions Start in die Bundesliga im August 2019 eingeleitet hatten, sind noch in bester Erinnerung. Am Sonnabend wird die Leipziger Protest mindestens in verbaler Form erwarten.

Auf Union Berlin wartet eine ungewohnt gewohnte Situation

In jedem Fall erwartet die Mannschaft von Trainer Urs Fischer ein ungewohnt gewohntes Szenario. Denn wenn Union in den vergangenen Monaten etwas gezeigt hat, dann ist es der Umstand, auch ohne Unterstützung von den Rängen das Leistungspotenzial abzurufen, das in der Mannschaft steckt.

Die Ausgangslage für Union Berlin im Rennen um Europa

  • 7. Union Berlin 48:42 Tore 47 Punkte
  • 8. Borussia Mönchengladbach 60:54 Tore 46 Punkte
  • 9. VfB Stuttgart 56:53 Tore 45 Punkte
  • 10. SC Freiburg 51:49 Tore 45 Punkte

Die große Frage wird sein, welche Auswirkungen die nun mögliche Unterstützung von den Rängen hat. Stärkt sie das Team in brenzligen Situationen, von denen es gegen Leipzig sicher einige geben wird? Oder wirkt sie derart beflügelnd, dass die Mannschaft gegen die schnellen Gäste ins offene Messer stürmt?

Die Ausgangslage ist jedenfalls klar. Gelingt Union ein Sieg, ist der Sprung in den Europapokal sicher. Es wären die ersten Punkte überhaupt gegen RB Leipzig in der Bundesliga. Bei einem Unentschieden oder einer Niederlage ist Union auf die Mithilfe der Konkurrenz aus Mönchengladbach (in Bremen), Stuttgart (gegen Bielefeld) und Freiburg (in Frankfurt) angewiesen.

Union Berlin hat nichts zu verlieren

Unions Vorteil liegt klar auf der Hand. Nachdem das erklärte Ziel Klassenerhalt schon seit Wochen erreicht ist, hat die Mannschaft nichts mehr zu verlieren. Zu verspielen hat sie jedoch einiges. Zum Beispiel die Chance, Union als ersten deutschen Verein in die Champions League des kleinen Mannes zu bringen. Und das in einem Spiel, bei dem sich ohnehin alle Augen auf Union richten werden.

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