1. FC Union Berlin

Union Berlin: Großer Sport und starke Worte

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Marcel Stein
Union-Manager Oliver Ruhnert und Klub-Präsident Dirk Zingler sehen große Versämnisse bei DFB.

Union-Manager Oliver Ruhnert und Klub-Präsident Dirk Zingler sehen große Versämnisse bei DFB.

Foto: firo/Sebastian El-Saqqa / picture alliance / augenklick/firo Sportphoto

Während der 1. FC Union mit dem Punkt in München sein Ziel erreicht hat, zieht die Klubführung gegen den DFB ins Feld.

Berlin. Was Seltenheitswert besitzt, kann schnell geschichtliche Dimensionen annehmen. Einen Punkt zu holen beim großen FC Bayern, ist für fast alle Klubs in der Fußball-Bundesliga durchaus etwas Besonderes. Für einen eher kleinen Verein wie den 1. FC Union, der sich gerade im zweiten Jahr seiner Liga-Zugehörigkeit befindet, gilt dies umso mehr. „Das kann auch die nächsten 25 Jahre nicht mehr passieren“, sagte Klub-Manager Oliver Ruhnert in der Fußball-Talkrunde „Doppelpass“ nach dem 1:1 der Berliner in München und bezeichnete den Tag als einen, der „historisch“ werden könnte.

Keine 24 Stunden dauerte es allerdings, bis der sportliche Erfolg in seiner Langzeitwirkung eingeschränkt wurde und nurmehr wie eine Randnotiz der Geschichte daherkam. Denn parallel dazu positionierte sich der Klub auch auf politischer Ebene, und dies mit sehr drastischen Äußerungen in Richtung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und seiner Protagonisten. „Es ist aus meiner Sicht ein katastrophales, peinliches Bild. Der DFB ist an der Spitze hoffnungslos zerstritten und dadurch führungslos“, sagte Klub-Präsident Dirk Zingler in der „Bild am Sonntag.“

Union-Boss Zingler forder Rücktritt von Löw und Bierhoff

Allen voran nahm Zingler die Führungsetage der Nationalmannschaft aufs Korn. „Ich glaube, es braucht einen kompletten personellen Neuanfang, um wirkliche Veränderungen in Gang setzen zu können“, so der Klubchef der Köpenicker, der sich dafür ausspricht und den es freuen würde, wenn „Oliver Bierhoff und Jogi Löw noch vor der EM diesen Neuanfang ermöglichen würden. Das würde ihre unumstrittenen Verdienste der letzten Jahre nicht schmälern, sondern einen weiteren hinzufügen.“ Einen sofortigen Rücktritt des DFB-Direktors Nationalmannschaften und des Bundestrainers fordert der Berliner damit also unumwunden.

Die wenig diplomatischen Standpunkte beherrschten am Sonntag die Wahrnehmung der Berliner, zumal Ruhnert die Aussagen seines Präsidenten noch einmal bekräftigte und hauptsächlich die Rolle von Bierhoff extrem kritisch darstellte. „Aus den Vereinsvertretern heraus kann ich halt nur sagen, dass es nicht unbedingt so ist, dass Oliver Bierhoff da große Sympathiewerte bei allen hat“, so der Union-Manager, der dem früheren Nationalspieler die Kompetenz für seine Aufgaben teilweise absprach. Bierhoff ist federführend für die Reform der Nachwuchsarbeit verantwortlich, „hat davon überhaupt keine Ahnung, macht es aber“. Starker Tobak aus Köpenick.

Das Restprogramm von Union Berlin hat es in sich

In allen Belangen geben sich die Berliner freilich nicht ganz so forsch. Da speist sich das Selbstverständnis eher aus der noch sehr jungen Zugehörigkeit zur deutschen Elite. Selbst Platz sieben gebiete weiterhin Realismus. Normalerweise seien in der Bundesliga „fast die ersten sechs, sieben Plätze im Regelfall vergeben“, betonte Ruhnert: „Von daher ist das, was wir gerade spielen, die Meisterschaft der anderen Vereine.“ Auf dem Weg dahin können sich die Berliner nun allerdings damit arrangieren, das Thema Klassenerhalt als größtes Ziel der Saison abzuhaken. „Es sieht sehr gut aus, muss ich sagen: 40 Punkte, 28. Spieltag, tolle Leistung“, bekannte Trainer Urs Fischer. Ruhnert ließ sich derweil zum Klassenerhalt gratulieren.

Möglich erscheinen nun jedoch noch ganz andere Dinge. Die Europa League ist greifbar. Doch als neue Herausforderung mag Fischer diese zumindest öffentlich noch nicht bezeichnen. „Wenn jemand das nächste Ziel benennt, dann ist das der Verein“, sagt der Schweizer. Festlegen will sich jedoch auch Manager Ruhnert nicht. „Wir müssen nur nach oben gucken, gegen wen wir noch spielen.“ Vier der letzten sechs Gegner stehen vor Union, der VfB Stuttgart als nächster Kontrahent liegt nur einen Zähler und zwei Plätze hinter den Berlinern in der Tabelle. Es wird definitiv ebenso spannend wie schwierig.

Die Chance auf das internationale Geschäft ist da für Union

Die Partie bei den Bayern stärkt in jedem Fall das ohnehin reichlich vorhandene Selbstvertrauen. Obwohl Fischer sie alles andere als optimal fand. „Wir mussten viel aufwenden, dem Ball immer wieder nachlaufen. Das haben wir nicht gut gelöst, wir müssen im Spiel mit dem Ball einfach zulegen“, so der Coach, dessen Team selbst als Siebter am Ende für die neue Conference League qualifiziert sein könnte. Was Ruhnert als im Prinzip „unvorstellbar“ betrachtet.

Wo auch immer der Weg letztlich hinführen sollte, Fischer will sich jetzt nicht zurücklehnen und nur den Klassenerhalt genießen. „Wir stehen relativ gut in der Tabelle, und wir werden alles versuchen, so weit wie möglich oben zu bleiben“, so der 55-Jährige, der diesbezüglich Unterstützung vom Kapitän erfährt. „Ich kann versprechen, dass wir bis zum letzten Spiel alles geben werden“, beteuert Christopher Trimmel. Wenn dabei schließlich die Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb herausspringen sollte, würde die historische Ebene des sportlichen Erfolgs sicher länger nachwirken als das 1:1 bei den Bayern.

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