Kommentar

Berlins Nummer eins? Union hat Hertha abgelöst

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Michael Färber

Foto: Getty Images/FFS/Montage BM

Union hat den Derby-Sieg zwar verpasst, dem Lokalrivalen jedoch längst einiges voraus, meint Michael Färber.

Berlin. Das war es also, das vierte Derby in der Bundesliga zwischen Union Berlin und Hertha BSC. Was nach dem 1:1 vom Ostersonntag bleibt, ist die Erkenntnis, dass die Köpenicker gegen einen mutlosen Gegner wie den Lokalrivalen nicht gewinnen können. Doch die Frage nach der Nummer eins in Berlin in der Saison 2020/21 ist längst entschieden. Und der Sieger heißt: Union.

Das zweite Hauptstadt-Duell in dieser Spielzeit hat gezeigt, dass Union in der Lage ist, die personell besser besetzte Hertha-Elf in Schach zu halten. Die Mannschaft von Trainer Urs Fischer war einem Sieg näher. Dafür gibt es in der Bundesliga natürlich keine Extra-Punkte. Doch sportlich braucht sich Union nicht hinter Hertha zu verstecken. Von der Tabellensituation einmal abgesehen, die Union (Rang sieben, 39 Punkte) ohnehin als klaren Sieger gegenüber Hertha (14. Platz, 25 Zähler) ausweist.

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Union Berlin engagiert sich in der Coronavirus-Pandemie

Union hat sich am Ostersonntag einmal mehr als funktionierendes Team präsentiert. Davon war Hertha erneut weit entfernt. Während man sich aufseiten von Rot-Weiß gegenseitig unterstützte, erst recht nach Fehlern, war bei Blau-Weiß zu oft der Vorwurf in Richtung Mitspieler vorherrschend. Teamgeist entsteht schon im ersten Schritt: bei der Zusammenstellung des Kaders. In diesem Punkt hat Union trotz deutlich geringerer wirtschaftlicher Voraussetzungen Hertha klar den Rang abgelaufen.

Dann ist da der Umgang mit der Coronavirus-Pandemie. Union arbeitet seit Monaten aktiv daran mit, wieder Zuschauer in den Stadien oder auch bei anderen kulturellen Veranstaltungen zu ermöglichen. Mit dem vieldiskutierten Leitfaden für ein Hygienekonzept hatten die Köpenicker bereits im August vergangenen Jahres Denkanstöße gegeben. Auch war der Klub involviert, als es vor Kurzem um die Umsetzung der Pilotprojekte zur Zuschauerrückkehr in Berlin ging, sei es in der Max-Schmeling-Halle oder in der Philharmonie. Ein ähnliches Engagement hätte man sich auch von Hertha gewünscht.

Union Berlin ist größter Sportverein der Hauptstadt

Und auch in einer der Kennziffern, die die Größe eines Klubs definieren, hat Union Hertha schon hinter sich gelassen. 37.646 Menschen sind Mitglied bei den Köpenickern. Hertha kommt auf „nur“ 37.192 Mitglieder. Das sollte den Verantwortlichen in Westend zu denken geben.

Klar ist aber auch, dass Union noch gehörig Nachholbedarf hat. Das (noch zu bauende) neue Nachwuchsleistungszentrum ist hier zu nennen und damit auch die Ausbildung von Talenten für die eigene Profimannschaft. Von der Anzahl an Bundesliga-Jahren oder den finanziellen Möglichkeiten ganz zu schweigen. An der Tatsache, dass Union in der Saison 2020/21 Berlins Nummer eins ist, ändert dies jedoch nichts.

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