Union Berlin

Auch Köln hat Union stärker gemacht

Union und Köln stiegen vor eineinhalb Jahren in die Bundesliga auf. Die Entwicklung, die die Klubs genommen haben, überrascht.

Durch Max Kruse (l.) ist das Spiel von Union Berlin variabler geworden.

Durch Max Kruse (l.) ist das Spiel von Union Berlin variabler geworden.

Foto: Maja Hitij / dpa

Berlin. Rund eineinhalb Jahre ist es her, da kannte der der Jubel in Berlin, vor allem im Südosten der Hauptstadt, und in Köln kaum Grenzen. Es gab auch einen guten Grund, um ausgiebig zu feiern. Der 1. FC Union war erstmals in die Fußball-Bundesliga aufgestiegen, dem 1. FC Köln war als Zweitliga-Meister die Rückkehr ins Oberhaus gelungen. Die Entwicklung, die beide Klubs seitdem genommen haben, überrascht dann aber doch.

Bei Union wird man nicht müde, darauf hinzuweisen, dass es kein Spiel gebe, in dem man der Favorit sei. Das soll natürlich auch für das Duell am Sonntagabend (18 Uhr, Sky) in der Domstadt gelten. Angeführt wird, dass man sich erst im zweiten Jahr in der Bundesliga befinde, während zum Beispiel die Kölner ihre 49. Saison in Liga eins absolvieren.

Die Erfahrung mit den Gegebenheiten in der höchsten deutschen Spielklasse spricht deshalb klar für die Rheinländer. Doch zur Wahrheit gehört auch, dass sich alles über den sportlichen Erfolg regelt. Und es waren eben nicht die Kölner, die seit jenem Mai 2019 eine kontinuierliche Entwicklung nach oben genommen haben, sondern die Berliner.

Union Berlin seit sechs Spielen ohne Niederlage

Dies wird nicht zuletzt in der noch jungen Spielzeit 2020/21 deutlich. Union hat sich vor diesem achten Spieltag auf Europa-League-Platz fünf vorgearbeitet, ist seit sechs Spielen ohne Niederlage. Köln wiederum steckt als Tabellen-16. nach sieben Spieltag schon wieder tief im Abstiegskampf und wartet seit acht Monaten auf einen Sieg.

„Die Mannschaft von Union hat sich verändert. Wir hatten eine gute Vorbereitung, fast mit dem kompletten Kader. Das sah bei Köln ein bisschen anders aus. Das hat uns sicher ein bisschen geholfen“, sagte Unions Trainer Urs Fischer. Es ist das Ergebnis einer durchaus schnellen, auf ablösefreien Spielern und Leihgeschäften basierenden Transferpolitik , die Union gelang, trotz der Schwierigkeiten, die dieses lange Transferfenster wegen der Corona-Krise mit sich brachte.

Der Weg, den Union mit Trainer Fischer und Manager Oliver Ruhnert seit 2018 eingeschlagen hat, folgt einer klaren Linie mit in den entscheidenden Gremien handelnden Personen, die darauf bedacht sind, nach außen stets ein ruhendes Bild abzugeben. Ein solches hat man in Köln zumindest nach dem Aufstieg vergeblich gesucht.

Große Herausforderung für Union Berlin

Anfang November vergangenen Jahres kam es erst zur Trennung von Sport-Geschäftsführer Armin Veh und kurz darauf auch von Trainer Achim Beierlorzer. Der erhoffte sportliche Erfolg sei damals ausgeblieben, lautete die offizielle Begründung der Kölner. Sportlicher Erfolg blieb zu Beginn auch bei Union aus. Doch in Köpenick behielt man die Ruhe.

Allein der Umstand, dass in diesen Tagen die Kritik an Beierlorzer-Nachfolger Markus Gisdol immer lauter wird und Veh-Nachfolger Horst Heldt dem Trainer zur Seite springen muss, zeigt den kurzen Geduldsfaden, den es beim ersten deutschen Bundesliga-Meister gibt.

So ließ Heldt unlängst wissen: „Wir müssen in Zukunft mehr denn je auf unsere Jugendspieler bauen. Dafür brauchst du einen Trainer, der bereit ist, mit jungen Spielern zu arbeiten. Es geht um die existenzielle Bedrohung dieses Klubs. Mit wenig Geld konkurrenzfähig zu sein und gleichzeitig dauerhaft in der Liga zu bleiben, das ist eine ganz große Herausforderung.“ Und sie gilt auch für Union.

Union Berlin setzt auf Leihverträge

Dabei nehmen die Köpenicker in Kauf, dass die aktuelle Kaderplanung wegen diverser Leihgeschäfte nicht die gewünschte Nachhaltigkeit hat, um die Mannschaft dauerhaft entwickeln zu können. „Das ist eine Sache, die du aber einplanen musst, denn wir haben nicht die Möglichkeit, die Spieler momentan zu verpflichten“, hat Union-Manager Ruhnert Anfang Oktober verdeutlicht.

Zugleich verwies er auch auf die immer größer werdende Wichtigkeit einer guten Nachwuchsabteilung: „Wir haben eben noch nicht den Nachwuchs, der uns wie zum Beispiel beim SC Freiburg jedes Jahr zwei, drei Spieler liefert, die du direkt reinwerfen kannst.“ Union sei dabei aber auf einem guten Weg.

Eine gewisse Pikanterie lässt sich zudem nicht von der Hand weisen, betrachtet man den Werdegang vor allem in den vergangenen Wochen. Denn es waren die Kölner, die maßgeblich mitgeholfen haben, Unions Spiel zu verbessern.

Union Berlin mit Siegesserie gegen Köln

Weil man sich die 15 Millionen Euro, die Unions Lokalrivale Hertha BSC für Stürmer Jhon Cordoba auf den Tisch gelegt hatte, nicht entgehen lassen wollte (oder konnte), musste Ersatz her. Köln fand ihn im wechselwilligen Union-Angreifer Sebastian Andersson (6,5 Millionen Euro Ablöse). Und die Spielweise der Köpenicker, aus einer sicheren Defensive zumeist mit langen Bällen auf Stürmer Andersson zu agieren, brauchte eine Auffrischung.

„In den ersten beiden Spielen hatten wir keine Sturmspitze zur Verfügung. Vielleicht hat uns das auch in unserer Spielweise geholfen“, sagte Fischer. Eine Spielweise, die Köln am Sonntag zu spüren bekommen soll. Noch dazu in einem Stadion, das seinen Schrecken für Union inzwischen verloren hat. In der vergangenen Saison war Köln die einzige Mannschaft, gegen die Union beide Spiele gewonnen hat (2:0, 2:1).

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