Kolumne Einwurf Union

Union beweist, wie wichtig Veränderungen sind

Union stieg vor eineinhalb Jahren in die Bundesliga auf. Von den Helden sind nur noch wenige übrig geblieben – aus einem guten Grund.

Berlin. Sie sind zurück. Und wie. Mit solch einer Energie, die man ihnen eigentlich gar nicht mehr zugetraut hatte. Weil sie es eben anders machen als viele andere in ihrer Branche – und sich im Vergleich zu den meisten Bands eben nicht ändern. Bei AC/DC weiß man, was man bekommt, auch beim 16. Album der Hardrock-Legenden aus Australien. „Power Up“ (einschalten) fordern uns Gitarrengott Angus Young und Co. unmissverständlich auf – ich habe es getan und wurde nicht enttäuscht.

In einer Zeit, in der sich vieles und noch dazu sehr rasant verändert, und wenn es nur durch die Herausforderungen in der Corona-Krise ist, beweisen uns zwölf Songs in gut 41 rockigen Spielminuten, dass alles ruhig so bleiben und man trotzdem Erfolg haben kann. Richtig? Falsch!

Ohne jetzt allzu philosophisch zu werden (das überlasse ich dann doch lieber den Experten), möchte ich dennoch festhalten: Leben bedeutet Entwicklung, und die setzt nun mal Veränderungen voraus. Wo, wenn nicht im Profifußball, ist das deutlich zu spüren, auch wenn dies nicht immer allen gefällt.

Union Berlin hat sich gut entwickelt

Doch in der ballkickenden Branche gilt wie in kaum einem anderen Bereich: Stillstand bedeutet Rückschritt (jetzt werde ich doch wieder philosophisch). Das mag mit Blick auf die deutsche Nationalmannschaft momentan schwer nachvollziehbar erscheinen, erst recht mit dem Sechserpack im Rucksack, den Bundestrainer Joachim Löw nun zu tragen hat. Und doch hat diese Entwicklung auch ihr Gutes: Man weiß nun, wie es nicht funktionieren wird.

Ein Blick in den Südosten der Stadt soll belegen, wie wichtig Entwicklung ist. Denn wenn man etwas in dieser Saison ruhigen Gewissens behaupten kann, dann, dass sich der 1. FC Union gut entwickelt hat. Weil er sich notwendigen Veränderungen gegenüber aufgeschlossen gezeigt hat, nicht nur im vergangenen Sommer. Dabei kommt es natürlich auf die richtige Fragestellung an.

Ich werde zum Beispiel immer wieder gefragt: Wie viel Aufstieg steckt denn nun, da der größte Vereinserfolg bereits eineinhalb Jahre her ist, noch in Union? Meine erste Reaktion ist immer ein Lächeln, weil ich bei dem einen oder anderen aus meinem Bekanntenkreis dann doch nicht diese fußballromantische Ader erwartet hätte. Und weil die Frage anders lauten muss: Wie viel Bundesliga steckt schon in Union?

Bei Union Berlin spielen nur noch neun Aufstiegshelden

Natürlich hat man den Aufstiegshelden von 2019 gewünscht, auch in der Bundesliga zeigen zu können, was sie drauf haben. Doch es obliegt auch der Verantwortung eines Vereins, die sportliche Qualität zu erhöhen, um das gerade Erreichte nicht ein Jahr später schon wieder zu verlieren. Oder zwei Jahre später.

Und die Veränderungen, für die die Köpenicker in ihrer Mannschaft in den vergangenen gut eineinhalb Jahren gesorgt haben, sind schon enorm. Von den 33 Spielern, die Union in der Aufstiegssaison 2018/19 unter Vertrag hatte, sind gerade noch neun Profis übrig geblieben: Christopher Trimmel, Marvin Friedrich, Christopher Lenz, Grischa Prömel, Florian Hübner, Akaki Gogia, Julian Ryerson, dazu kommen noch die Ersatztorhüter Jakob Busk und Lennart Moser.

24 Aufstiegshelden haben Union verlassen, viele sind in untere Ligen gewechselt, einige ins Ausland oder haben inzwischen ihre Karrieren sogar beendet. Mit Sebastian Andersson gibt es am Sonntag ein Wiedersehen , ein solches hat es mit Torwart Rafal Gikiewicz (Augsburg) und Marcel Hartel (Bielefeld) schon gegeben.

Union Berlin hat die Veränderung nicht geschadet

Geschadet haben Union diese Veränderungen nicht. Im Gegenteil: Die Frage, welcher Klub in der vergangenen und durch die Corona-Krise verrückten Transferperiode einen guten Job gemacht hat, kann zuweilen gar nicht mehr zu Ende gestellt werden, weil man die Antwort spätestens nach der Hälfte der Frage schon gnadenlos um die Ohren gehauen bekommt: Union.

Womit bewiesen ist, wie gut Veränderungen sein können, zumindest im Profifußball. Ansonsten gilt für alle anderen Bereiche des Lebens: Es bleibt alles anders. Außer bei AC/DC. Power Up.

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