Union Berlin

Loris Karius will bei Union Berlin nicht nur der Promi sein

Loris Karius will sich bei Union Berlin nicht auf seinem Promi-Status ausruhen und die Bundesliga mit Leistung überzeugen.

Loris Karius hat den FC Liverpool nicht verlassen, um auch bei Union Berlin nur zweite Wahl zu sein. Er will spielen

Loris Karius hat den FC Liverpool nicht verlassen, um auch bei Union Berlin nur zweite Wahl zu sein. Er will spielen

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Berlin.  Was ist im Vorfeld nicht alles geschrieben worden über diesen Wechsel. Instagram-Glamour, ein bisschen weite Welt und internationale Klasse. Als der 1. FC Union zum Ende der Transferperiode Torhüter Loris Karius für ein Jahr vom FC Liverpool auslieh, war die Erwartung groß, dass der 27-Jährige eine gehörige Portion Glanz mitbringen würde.

Davon war am Dienstag in der Alten Försterei allerdings wenig zu spüren. Im tristen Köpenicker Oktoberwetter, mit den Händen in den Taschen des weiten Mantels, stellte er sich bescheiden den Fragen der Medienvertreter. Antwortete zurückhaltend, meist mit leiser Stimme.

Jürgen Klopp riet Karius zum Wechsel zu Union Berlin

Und wem war es zu verdanken, dass der Keeper dort top gestylt vor der Haupttribüne stand? Sicherlich Unions Kaderplaner Oliver Ruhnert. Aber auch keinem geringeren als Jürgen Klopp, Englands Trainer des Jahres und Coach des FC Liverpool.

„Er hat gesagt, es ist ein guter Schritt, dass ich hier die Chance habe, mich auszuzeichnen, und allen zeigen kann, dass ich ein richtig guter Torwart bin“, erzählt Karius, der zuletzt an den türkischen Verein Fenerbahce Istanbul ausgeliehen war und seit 2016 bei den „Reds“ unter Vertrag steht.

Es war eines der wenigen Male, an dem der so ernste Karius sogar strahlt: „Er sagt dir immer, wie die Situation aussieht. Wir hatten immer ein gutes Verhältnis und nie ein Problem.“ Dank Klopp hat der einstige U-Nationalspieler nun den Schritt an die Spree gewagt. Mit einem Ziel: Deutschland soll sehen, dass Karius besser ist als sein Ruf.

Karius will nicht über Vergangenheit sprechen

„Einige meiner Einsätze wurden und werden zum Teil eindeutig zu negativ bewertet“, sagt der Blondschopf, der Anfang der 2010er immerhin mal als zukünftiger Manuel Neuer gehandelt wurde, „ich habe das Finale 2018 abgehakt, es ist schon zwei Jahre her. Seitdem habe ich über 60 Spiele absolviert.“ Das Finale 2018, das Endspiel der Champions League gegen Real Madrid, das vor allem wegen seiner zwei Patzer im Liverpool-Tor in Erinnerung bleibt.

Doch der 1,89 Meter große Torhüter hat noch ein anderes Ziel: „Wäre ich nicht zuversichtlich, dass wir den Klassenerhalt packen würden, wäre ich nicht hergekommen“, versichert Karius. Er will mit Leistung punkten, nicht mit seinem Promi-Status. Über den Medienrummel um seine Person mache er sich dabei keine Gedanken, er könne daran „ja sowieso nichts ändern.“

Im Kampf um die Nummer eins im Union-Tor

Nein, Karius ist nicht hier, um über seine Vergangenheit oder über Freundin Sophia Thomalla, Model, Moderatorin und Schauspielerin, zu sprechen. Bei seiner Rückkehr in die Bundesliga nach vier Jahren soll die Leistung im Fokus stehen: „Ich habe sehr viele Erfahrungen gesammelt in England und in der Türkei. In der Premier League spielst du alle drei Tage auf hohem Niveau. Ich bin im besten Alter. Ich war immer schon ein Torhüter, der Risiken eingegangen ist und der mutig war“, sagt Karius, der von 2011 bis 2016 91 Spiele für den FSV Mainz 05 machte.

In Köpenick ist nun der Kampf um die Nummer eins im Tor offiziell eröffnet. Zwar lobte Karius pflichtbewusst seinen Teamkollegen und Konkurrenten Andreas Luthe („Wir pushen uns gegenseitig im Training.“). Luthe war eigentlich im fliegenden Wechsel mit Rafal Gikiewicz aus Augsburg verpflichtet worden, um dessen Stammplatz zu übernehmen. Union aber sah nach dem zweiten Spieltag noch mal Handlungsbedarf.

Karius schon im Bundesliga-Spiel gegen Schalke?

Seinen Anspruch aber macht Karius trotzdem deutlich: „Ich habe in Liverpool einfach nicht mehr die Perspektive gesehen. Ich wollte einfach nicht mehr auf der Bank sitzen, sondern einen aktiven Beitrag leisten.“ Wären die Aussichten bei Union ähnlich, hätte sich Karius wohl kaum auf den Weg von der Insel in die Bundesliga gemacht. Im Kampf um den Stammplatz im Tor dürfte er die Nase vorn haben.

Beim 4:0-Sieg gegen Mainz hatte Luthe noch den Vorzug erhalten. Im Testspiel gegen Hannover 96 am vergangenen Donnerstag (4:1) aber durfte Karius seine ersten Pflichtspielminuten in der Försterei sammeln. Ob er in der Bundesligapartie auf Schalke am kommenden Sonntag (18 Uhr, Sky) zwischen den Pfosten stehen wird, hat ihm Trainer Urs Fischer aber noch nicht verraten. Man darf jedoch davon ausgehen, dass Karius nichts unversucht lassen wird, um so schnell wie möglich sportliche Schlagzeilen nachzulegen.

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