Union Berlin

Trotz Verbot: Fan-Gesänge bei Union-Testspiel

Dass die Fans von Union Berlin beim Freundschaftsspiel gegen Hannover gesungen haben, sorgt für Diskussionen.

Beim Freundschaftsspiel gegen Hannover waren knapp 1800 Fans von Union Berlin in der Alten Försterei.

Beim Freundschaftsspiel gegen Hannover waren knapp 1800 Fans von Union Berlin in der Alten Försterei.

Foto: Tobias Schwarz / AFP

Berlin. Wenn Nina Hagen mit krächzender Stimme fragt, wer „immer volles Rohr“ spielt und sich „nicht vom Westen kaufen“ lässt, antwortet jeder Unioner automatisch mit einem kräftigen „Eisern Union! Eisern Union!“ So natürlich auch beim Testspiel am Donnerstag gegen den Zweitligisten Hannover 96 (4:1), als die 1795 Zuschauer in der Alten Försterei nicht nur bei der Vereinshymne fleißig mitsangen. Dabei war das eigentlich verboten.

„Fan-Gesänge und Sprechchöre sind zu unterlassen“ – dieser Satz steht schon länger im Paragraph 5/Absatz 9 der Infektionsschutzverordnung des Senats Berlin zum sportlichen Wettkampfbetrieb. In der aktualisierten, seit dem 3. Oktober gültigen Fassung ist aber offenbar ein Passus gestrichen worden, der Ausnahmen davon in den Hygienekonzepten ermöglichte.

Das Gesundheitsamt habe Union vor dem Testspiel „auf die Unterlassung von Fangesängen hingewiesen“, teilte das Bezirksamt Treptow-Köpenick auf Anfrage mit: „Zur Zeit befindet sich das Bezirksamt in Prüfung, welche Verstöße gegen die gültige Infektionsschutzverordnung vorliegen. Wenn Verstöße vorliegen, werden diese entsprechend geahndet.“

Union Berlin rechnet nicht mit Sanktionen

Der Klub hatte darauf verzichtet, die Besucher vor dem Anpfiff darauf hinzuweisen. „Wir haben ja niemanden aufgefordert, hier zu singen“, sagte Unions Kommunikations-Chef Christian Arbeit auf Nachfrage des TV-Senders rbb: „Grundsätzlich kommt man langsam an die Grenzen dessen, was man noch nachvollziehen und verstehen kann.“ Man befinde sich mit dem Gesundheitsamt im stetigen Austausch und rechne nicht mit einer Sanktion, so Arbeit.

Den Verbot von Fangesängen und Sprechchören in der Verordnung hält der Klubsprecher ohnehin für realitätsfern. „Singen in geschlossenen Räumen ist bei Abstand nach wie vor erlaubt, Singen im Freien plötzlich nicht mehr“, sagte Arbeit: „Schulkinder gehen im Musikunterricht auf den Hof, wenn sie singen sollen, weil sie dann draußen sind. Hier soll man aber nicht singen.“

Die Umsetzung wurde in Berlin bislang höchst unterschiedlich gehandhabt. Beim Regionalligisten Tennis Borussia waren laut „Tagesspiegel“ regelmäßig zwei Polizisten vom örtlichen Revier im Stadion im Einsatz, um die Einhaltung der Regeln zu überwachen. Die Fangesänge bei Hertha BSC und Union fanden die Behörden bislang aber offenbar nicht beanstandenswert.

Union Berlin plant Spiel mit Präventiv-Tests

Union Berlin will seinen Fans aber nicht nur das Singen weiter erlauben, sondern möglichst auch das Abstandhalten und das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes im Stadion durch einen Präventiv-Test ersetzen. Ein entsprechender Testlauf ist bei einer Veranstaltung am 25. Oktober geplant. Ziel sei, das entsprechende Testverfahren in „die bestehende Eindämmungsverordnung zu bekommen“, erklärte Klub-Präsident Dirk Zingler, der zuletzt immer wieder betonte: „Fußball mit Abstand und Maske funktioniert nicht.“

Für seine Vorreiterrolle in Sachen alternativer Ideen bei der Zuschauerrückkehr hat Union viel Kritik einstecken müssen. Kritiker weisen auf ein nicht zu unterschätzendes Restrisiko und die Verknappung von Testkapazitäten hin. Das Verständnis für die Überlegungen dürfte angesichts deutlich steigender Corona-Fallzahlen in Deutschland und insbesondere in Berlin eher ab- als zunehmen. „Zweifel sind immer angebracht, genau wie die Bereitschaft zu einer Diskussion darüber“, sagte Arbeit in der ZDF-Reportage.

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