Union Berlin

Friedrich der Große macht Union sicherer

Bei Union ist Marvin Friedrich die Konstante in der Innenverteidigung. Dennoch hat der 24-Jährige diese Saison ein großes Ziel.

Marvin Friedrich (l.) hat bei Union Berlin alles unter Kontrolle.

Marvin Friedrich (l.) hat bei Union Berlin alles unter Kontrolle.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Marvin Friedrich denkt nicht nach. Nicht wenn er seinen Job beim 1. FC Union macht. Im eigenen Strafraum zum Beispiel, per Grätsche von hinten. So wie es zuletzt Robin Quaison von Mainz 05 erfahren durfte. Eine Aktion, die das enorme Selbstbewusstsein des 24 Jahre alten Innenverteidigers widerspiegelt. Selbstvertrauen, für das es einen Grund gibt.

„In dieser Szene denke ich nicht nach, da bin ich zu sehr Verteidiger und möchte mit aller Macht einen Torschuss blocken, damit der Gegner nicht allein aufs Tor gehen kann“, erzählt Friedrich. Der Abwehrspieler spricht von „Millisekunden, in denen man überhaupt nicht nachdenkt. Da habe ich alles reingeworfen. Natürlich ist es gut, dass ich den Ball getroffen habe, sonst kann es auch mal schiefgehen. Aber als Verteidiger muss ich das Tor verteidigen. Du brauchst hundertprozentige Überzeugung, weil wenn du zweifelst, kommst du zu spät.“

Friedrich ist der Dauerbrenner bei Union Berlin

Das klingt so einfach und kann doch so schwer sein. Zum Beispiel wenn man gar nicht erst auf dem Platz steht. Ein Problem, mit dem sich der gebürtige Kasseler nicht auseinandersetzen muss. Denn Friedrich spielt bei Union immer. Ein Eindruck, der durch die Statistik eindrucksvoll belegt wird.

Im Aufstiegsjahr absolvierte er alle 34 Zweitliga-Spiele plus die zwei Relegationsspiele gegen den VfB Stuttgart. Im ersten Bundesliga-Jahr stand er 31 Mal auf dem Platz, und in der aktuellen Spielzeit hat er auch alle drei Liga-Spiele bestritten. Zwei Dinge sind dabei wirklich bemerkenswert. Zum einen spielte Friedrich alle seine Spiele seit 2018 über die volle Distanz, ausnahmslos.

Dass er das Team im Testspiel gegen Zweitligist Hannover 96 (4:1, Tore durch Gogia, Bülter, Teuchert/2) als Kapitän aufs Feld führte, passt ins Bild: Friedrich geht nicht nur in den Pflichtspielen voran..

Friedrich setzt sich bei Union Berlin immer durch

Und als ob es nichts wäre, setzte er sich auch stets gegen alle Neuverpflichtungen durch, die der Fußball-Bundesligist seit seinem Aufstieg verpflichtet hat.

„Der Verein entwickelt sich weiter, die Mannschaft auch“, sagt Friedrich. Nur er selbst bleibt die Konstante in der sich verändernden sportlichen Union-Welt. Trotz Zugängen wie Neven Subotic im Vorjahr oder Robin Knoche diesen Sommer, von den Schlotterbeck-Brüdern Keven und Nico einmal ganz abgesehen. Friedrich der Große.

Dabei nimmt er die spielerische Entwicklung, die der derzeitige Union-Jahrgang eingeleitet hat, an, ohne groß darüber nachzudenken. „Letzte Saison haben wir mehr auf zweite Bälle gespielt, aber das behalten wir auch bei, weil wir es gut gemacht haben“, erklärt Friedrich. Wohl wissend, dass „wir auch Ballbesitzphasen brauchen, um den Gegner auch mal laufen zu lassen“.

Friedrich sieht Steigerung bei Union Berlin

Eine Veränderung, die der Defensivmann als normal erachtet, „weil in der Bundesliga reicht es nicht nur, gegen den Ball zu arbeiten“. Ihm entgegen kommt derzeit die taktische Grundausrichtung mit einer Dreierkette in der Abwehr. Damit, so Friedrich, „stehen wir momentan ganz gut, auch mit Schlotti. Durch die Ballbesitzphasen schalten wir uns öfter ins Spiel ein. Im Moment klappt es eigentlich ganz gut.“

Permanente Einsätze, dazu die ersten erfolgreichen Schritte in eine offensivere Fußball-Welt – die Brust könnte bei Friedrich momentan kaum breiter sein. „Wenn man in Gladbach, einem sehr starken Gegner, einen Punkt holt, dann zu Hause gegen Mainz gut spielt und verdient gewinnt, wächst natürlich das Selbstvertrauen“, sagt Friedrich.

Er sieht mehr fußballerische Qualität im aktuellen Kader, weiß jedoch auch, was noch zu tun ist. „Wir müssen es uns einfach zutrauen, den Ball haben wollen. Gerade in der Zweitliga-Saison, wo wir aufgestiegen sind, haben wir nicht den besten Fußball gespielt, das muss man schon zugeben. Aber letztes Jahr haben wir uns schon ein bisschen gesteigert. Und gerade jetzt am Anfang ist es deutlich besser geworden.“

Friedrich ist Vizekapitän von Union Berlin

Was sich der Vizekapitän für diese Saison noch vorgenommen hat? Mehr als zwei Tore in einer Saison erzielen, was bei seiner Größe von 1,92 Metern vor allem bei Standards nicht ausgeschlossen ist. „Deswegen bin ich froh, dass ich ein bisschen früher angefangen habe“, sagt Friedrich, Torschütze beim 4:0 gegen Mainz. Am besten nicht allzu sehr darüber nachdenken.

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