Union Berlin

Union-Manager Ruhnert: „Dann muss ich den Verein verkaufen“

Unions Manager Oliver Ruhnert spricht über die Sommertransfers, Leihgeschäfte und den Kampf um die Nummer eins im Tor.

Oliver Ruhnert, der Manager von Union Berlin, ist zufrieden über die Zusammenstellung des Kaders.

Oliver Ruhnert, der Manager von Union Berlin, ist zufrieden über die Zusammenstellung des Kaders.

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin. Ein wenig schmunzeln muss Oliver Ruhnert dann doch. Natürlich habe der Geschäftsführer Profifußball des 1. FC Union Reaktionen von den Kollegen der Branche bekommen. Elf Zugänge lassen sich nur sehr schwer verheimlichen, erst recht, wenn solch klangvolle Namen wie Max Kruse oder Loris Karius darunter sind. Beschimpft hätten sie ihn, „natürlich im ironischen Sinne“, erzählt Ruhnert, „sie fanden das schon spannend und wollten wissen, wo in Berlin ich sitze“.

Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich verdienen – so in etwa lassen sich die Wochen der Sommer-Transferperiode bei Union zusammenfassen. Und Ruhnert zeigt sich zufrieden mit dem Erreichten: „Ich glaube, unter den gegebenen Umständen ist es das, was wir als Klub maximal darstellen konnten. Ob es erfolgreich ist, wird man erst in der Zukunft beurteilen können.“

Union war – im Vergleich zu vielen Konkurrenten in der Bundesliga – sehr früh in diesem Transfersommer unterwegs. Und auch noch sehr spät. Weshalb auch das Gefühl entstand, Union würde bei bestimmten Positionen in einen wahren Kaufrausch verfallen. Im Angriff zum Beispiel, wo früh Cedric Teuchert als Zugang verpflichtet wurde – um später mit Max Kruse, Taiwo Awoniyi und Joel Pohjanpalo nachzulegen.

Ruhnert sieht kein Überangebot bei Union Berlin

„Im Sturm waren wir in der Notwendigkeit, für Ersatz zu sorgen“, macht Ruhnert deutlich. Teuchert wurde verpflichtet, als bei Union noch Sebastian Andersson und Anthony Ujah fest eingeplant waren. Doch Andersson zog es zum 1. FC Köln. Und Ujah laboriert immer noch an dem als Routine geplanten Eingriff im Knie, „die einzige Problematik, die wir nicht auf dem Schirm hatten“, sagt Ruhnert.

Ohnehin sei Teuchert stets als zweite Spitze eingeplant gewesen, nie als alleiniger Stürmer, dies sei nun mit Awoniyi und Pohjanpalo, aber auch Kruse „ohne weiteres“ möglich, so Ruhnert.

Ähnlich verhält es sich auf der Torhüterposition, auf der per se nur einer spielen kann, Union mit Loris Karius, Andras Luthe, Lennart Moser und Jakob Busk aber vier Kandidaten hat. Zwei Tage nach dem Ende der Sommer-Transferperiode hat Ruhnert den Kampf um die Nummer eins im Tor als „völlig offen“ bezeichnet.

Bei Union Berlin geht es um eine neue Nummer eins

Darüber hinaus verdeutlicht er aber auch die Schwierigkeiten, jemanden wie Karius fest zu verpflichten. „Liverpool hat nicht gesagt, er muss bei uns auch spielen, ich würde das als Verantwortlicher auch nie befürworten, so etwas zu sagen. Beim ihm ist die Situation die, dass er, wenn er in Liverpool geblieben wäre, nicht Nummer eins gewesen wäre. Hier hat er die Aussicht, um die Nummer eins zu kämpfen.“

Karius und Luthe, der die ersten drei Spiele dieser Bundesliga-Saison bestritten hat, haben die besten Aussichten auf den Stammplatz zwischen den Pfosten. Mit Moser und Busk hat Union noch zwei weitere Torhüter im Kader, die sich höchstwahrscheinlich jedoch mit der Tribüne zufrieden geben müssen.

Zugleich verteidigt Ruhnert das Geschäftsmodell der Ausleihe, auch und erst recht im Fall Karius. „Wenn man sich Union und den FC Liverpool anschaut, dann kann man sich in etwa vorstellen, wie weit beide Vereine voneinander entfernt sind. Klar kann ich eine Kaufoption von Liverpool in den Vertrag schreiben lassen, aber dann muss ich den Verein verkaufen, um diese Option dann auch zu erfüllen.“

Ruhnert verteidigt Leihverträge bei Union Berlin

Unions Manager nimmt dabei auch in Kauf, dass die Kaderplanung mit Blick auf die Entwicklung einer Mannschaft nicht wirklich nachhaltig ist. „Das ist eine Sache, die du aber einplanen musst, denn wir haben nicht die Möglichkeit, die Spieler momentan zu verpflichten. Wir haben eben noch nicht den Nachwuchs, der uns wie zum Beispiel beim SC Freiburg jedes Jahr zwei, drei Spieler liefert, die du direkt reinwerfen kannst. Da ist Union auf dem Weg, aber das wird noch ein bisschen dauern.“

Das Entscheidende ist, so Ruhnert, „dass die Jungs, die da sind, sich zu hundert Prozent mit diesem Verein identifizieren.“ Dann machen für ihn Leihgeschäfte auch Sinn. „Das kann man auch für eine Saison tun. Und damit haben wir bislang sehr gute Erfahrungen gemacht.“

Union Berlin will weiter vor Zuschauern spielen

Wie groß die Identifikation des Jahrgangs 2020/21 mit Union ist, wird sich auch im Test gegen Hannover 96 (Donnerstag, 17 Uhr, Alte Försterei) zeigen. Trotz steigender Corona-Zahlen will Union erneut bis zu 4500 Zuschauer zulassen. Das folgt zwar weiter der offiziellen Infektionsschutzverordnung, stößt jedoch nicht bei allen auf Zustimmung.

Ruhnert bezieht sich auf den Virologen Dr. Jonas Schmidt-Chanasit, als er wissen lässt: „Es ist bisher kein einziger Brennpunkt nach irgendwelchen Stadionbesuchen bekannt. Deswegen hoffe ich, dass es weiter möglich bleibt“, vor Zuschauern zu spielen. Geschmunzelt hat er dabei nicht.

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