Bundesliga

Klassenerhalt? Union hat die Ruhe weg

Union kann schon zwei Spieltage vor Saisonende den Klassenerhalt perfekt machen, weil der Klub sich auf seinem Weg nicht beirren ließ.

Grischa Prömel, Torschütze Christian Gentner und Kapitän Christopher Trimmel (v.l.) feiern Gentners Treffer zum 2:0 in Köln.

Grischa Prömel, Torschütze Christian Gentner und Kapitän Christopher Trimmel (v.l.) feiern Gentners Treffer zum 2:0 in Köln.

Foto: Matthias Koch / pa / Matthias Koch/POOL via REVIERFOT

Berlin. Auf den letzten Metern seiner ersten Saison in der Fußball-Bundesliga will der 1. FC Union nichts dem Zufall überlassen. Die wochenlange Spielpause durch das Coronavirus, der Re-Start nach nur einer Woche Mannschaftstraining und die englische Wochen haben schon genug Risikofaktoren auf dem Weg zum Klassenerhalt hervorgebracht.

Bei den Köpenickern besinnt man sich vor dem ersten Matchball in Sachen Ligaverbleib auf eine Weisheit des Konfuzius: In der Ruhe liegt die Kraft. Folglich suchen Coach Urs Fischer, sein Trainerteam und die Profis vor dem Heimspiel am Dienstag gegen das Schlusslicht SC Paderborn (20.30 Uhr, Sky) genau das: Ruhe.

Nach dem Sieg beim 1. FC Köln – jenem 2:1, das Union in die Lage versetzt hat, bereits am 32. Spieltag das zweite Bundesliga-Jahr buchen zu können – ging es für den Union-Tross im Anschluss an den Rückflug nach Berlin direkt nach Bad Saarow. Dort standen am Sonntag Regeneration und Spielersatztraining auf dem Programm. Am Montag, mit dem Abschlusstraining in der Alten Försterei, ist die Vorbereitung für diesen letzten Schritt zum großen Ziel abgeschlossen.

Union Berlin behielt bei Negativserien die Nerven

Ruhe. Wenn es etwas gibt, das Union in seiner Premieren-Saison im Oberhaus des deutschen Fußballs ausgezeichnet hat, dann ist es Ruhe. Das beginnt bei Trainer Fischer, der trotz des Sieben-Punkte-Vorsprungs auf Relegationsplatz 16 sowie die Abstiegsplätze und noch neun zu vergebenen Zählern nicht müde wird zu betonen: „Es ist ja rechnerisch noch nicht klar.“

Das geht weiter über das Umfeld des Klubs, das weder bei den vier Niederlagen zu Beginn der Hinrunde noch bei der Negativserie von sieben sieglosen Spielen in der Rückrunde in irgendeiner Weise unruhig wurde. Druck, ein Ziel erreichen zu müssen, so wie ihn andere Klubs aus ihrem Umfeld erfahren, gibt es bei Union nicht.

Christian Gentner, Unions Mr. Bundesliga (406 Einsätze) und Torschütze beim Sieg in Köln, sieht dies auch in dem Neuland begründet, auf dem sich Union seit vergangenen Sommer bewegt. „Man feiert den Bundesliga-Spieltag mehr oder weniger“, hatte der 34-Jährige bereits im Winter festgestellt. Das Gefühl, endlich zur Bundesliga dazuzugehören, hat die Sorge über sportliche Talfahrten in den Hintergrund treten lassen. Davon hat Union profitiert.

Union Berlin setzt weiter auf Trainer Fischer

Gleiches gilt für die Rückendeckung des Vereins für Coach Fischer. Neun Trainerwechsel gab es in dieser Spielzeit bislang in der Bundesliga, gleich drei davon bei Hertha BSC, zuletzt in Hoffenheim, obwohl der Klub sich berechtigte Hoffnungen auf einen Platz in der Europa League machen kann.

Solche Unruhe ließ man in Köpenick nicht aufkommen. Im Gegenteil: Mit der Verlängerung des Vertrags mit Fischer Ende September 2019 setzte Union ein Zeichen in Richtung Kontinuität. Es war Unions erste Vertragsverlängerung mit einem Trainer seit knapp sechs Jahren.

Wenn Trainer Fischer zu verstehen gibt: „Bei uns ist keine Panik ausgebrochen. Wir haben konsequent und konzentriert weitergearbeitet“, dann gilt das nicht nur für das Köln-Spiel, in dem Union „nicht unverdient drei Punkte geholt“ hat (Fischer), sondern für die gesamte Spielzeit.

Union Berlin profitiert von Standardsituationen

Ruhe darf auch zu den sportlichen Qualitäten der Mannschaft gezählt werden. Das haben die gut 90 Minuten von Köln erneut gezeigt. Beide Union-Tore entsprangen ruhenden Bällen. Beide Male beteiligt: Christopher Trimmel.

Unions Kapitän ist nun mit acht Torvorlagen der beste Vorbereiter bei den Berlinern. Sein Eckball in der ersten Halbzeit brachte die Führung durch Marvin Friedrichs Kopfball. Und ein weiterer Eckball leitete den zweiten Treffer nach der Pause ein, den Marius Bülter schließlich für Gentner auflegte.

Damit haben die Köpenicker sieben ihrer letzten acht Treffer nach einem Eckball oder Freistoß erzielt. Lediglich das Führungstor durch Robert Andrich beim 1:1 gegen Schalke 04 entsprang einem mustergültig vorgetragenen Konter. Um zu belegen, wie stark der Liga-Neuling bei ruhenden Bällen ist: Insgesamt 18 der 37 erzielten Tore – also knapp die Hälfte – hatte eine Standardsituation als Ausgangspunkt.

Union Berlin bekommt die erhoffte Schützenhilfe

Dass Union der vielleicht entscheidenden Partie gegen das von Ex-Unioner Steffen Baumgart trainierte Paderborn ruhig entgegenblicken kann, ist nicht zuletzt der Schützenhilfe durch die Konkurrenz zu verdanken. Düsseldorfs Niederlage gegen Dortmund in der Nachspielzeit am Sonnabend sowie das 1:0 des FC Augsburg bei Mainz 05 haben Unions Ausgangslage entscheidend verbessert.

„Wir konnten den Leuten diesmal leider keine ganze Saison schenken“, sagte Routinier Gentner in Bezug auf die Geisterspiele, die durch das Coronavirus notwendig geworden waren, „deshalb wollen wir unbedingt in der Liga bleiben. Und in der kommenden Saison wieder in einer vollen Hütte spielen.“

Klar ist schon jetzt: Mit der Ruhe wird es bei Union vorbei sein, sollte der Klassenerhalt schon am Dienstagabend gelingen. „Es gibt keine leichten Spiele“, sagte Marcus Ingvartsen. Zugleich forderte der Offensivmann: „Zu Hause gegen Paderborn müssen wir es zu Ende bringen. Und dann werden wir auch feiern.“

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