Kommentar

Dieser Sieg wird die Union-Fans ärgern

Union hat gelernt, Fans nicht mehr zu brauchen. Dass der Klub sie dennoch gut gebrauchen kann, steht außer Frage, meint Michael Färber.

Union (rote Trikots) spielt in Köln vor leeren Rängen.

Union (rote Trikots) spielt in Köln vor leeren Rängen.

Foto: Alexander Scheuber / Getty Images

Berlin. Allen, die mit Union Berlin sympathisieren, wird ein Stein vom Herzen gefallen sein, als sie vom Sieg in Köln erfahren haben. Es war ein wichtiger, vielleicht der wichtigste Schritt auf dem Weg zum großen Saisonziel, dem Klassenerhalt.

Dieses 2:1 vom Sonnabendnachmittag hat gezeigt: Union hat seine Hausaufgaben gemacht. Doch damit ist nicht das Umsetzen taktischer Vorgaben gemeint. Es galt, die wohl schwerste Hausaufgabe, die es für eine Mannschaft in der Bundesliga, ja im Profifußball gibt, mit Erfolg zu lösen: die Emanzipation von den Fans.

Was sich schon beim Remis gegen Schalke 04 abgezeichnet hat, fand nun in Köln seine Fortsetzung, vielleicht sogar seine Vollendung für die Mannschaft von Trainer Urs Fischer: Union hat in den Geisterspielwochen, nötig geworden durch das Coronavirus, gelernt, die Fans nicht mehr zu brauchen. Diese Erkenntnis wird nicht alle begeistern oder sogar ärgern.

Union Berlin entwickelt sich weiter

Wer daraus nun ableitet, dass Union die Fans nicht mehr gebrauchen kann, der liegt völlig falsch. Es galt, sich der Abhängigkeit von der Unterstützung durch den Anhang zu entledigen. Zu dokumentieren, dass man in der Bundesliga auch ohne die Kraft von den Rängen in der Lage ist, sein Leistungsvermögen abzurufen.

Gedanken wie „Ohne die Fans können wir das nicht schaffen“ werden mit jedem Punktgewinn, mit jedem Sieg und jeder guten Leistung in den Corona-Wochen weiter verschwinden. Und damit auch die Angst vor großen Gegnern, oder brenzligen Situationen, zum Beispiel wenn im Kampf um den Klassenerhalt die Luft immer dünner wird. Ein wichtiger Baustein für die Entwicklung einer Mannschaft.

Fans bleiben für Union Berlin immer Gold wert

Dass Siege viel schöner und auch leichter zu erreichen sind, wenn man die Begeisterung der Menschen auf den Rängen sieht, hört und spürt, steht außer Frage. Auch Niederlagen lassen sich gerade bei Union besser ertragen, weil die Mannschaft – so lange sie alles versucht hat – trotzdem mit Jubel und Applaus verabschiedet wird.

Sich darauf verlassen zu können, wird für Union immer Gold wert sein, im Stadion und auch außerhalb.

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