Bundesliga

Union hat sein Ziel nach Sieg in Köln dicht vor Augen

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Michael Färber
Unions Torschütze Marvin Friedrich (l.) lässt sich von Marius Bülter feiern.

Unions Torschütze Marvin Friedrich (l.) lässt sich von Marius Bülter feiern.

Foto: Martin Meissner / AFP

Union gelingt mit dem 2:1 in Köln nicht nur der vierte Auswärtssieg, sondern auch ein Riesenschritt in Richtung zweites Erstliga-Jahr.

Berlin. Um zu begreifen, wie wichtig jemand wie Christian Gentner für eine Mannschaft sein kann, genügt die Reaktion des 34 Jahre alten Fußball-Profis nach dem Spiel beim 1. FC Köln. Anstatt nach dem Sieg bei den Rheinländern auch nur einen Ansatz von Jubel zu offenbaren, weil dieses 2:1 am Sonnabend einen, wenn nicht sogar den großen Schritt in Richtung Klassenerhalt bedeutete, blieb Gentner fast schon nüchtern sachlich.

„Ich bin lange genug dabei, ich habe schon ziemlich verrückte Sachen erlebt, deshalb fangen wir nicht an zu rechnen. Aber es schaut sehr, sehr gut aus“, sagte der Mittelfeldspieler mit der Erfahrung seiner nun 406 Erstliga-Einsätze. Viel zu rechnen gibt es nach dem ersten Erfolg nach sieben sieglosen Spielen auch nicht.

Union liegt nach dem vierten Auswärtssieg – und dank der späten Düsseldorfer Niederlage gegen Dortmund – sieben Punkte vor Relegationsplatz 16 und den beiden Abstiegsplätzen. Bei noch neun zu vergebenden Zählern wird deutlich: Gelingt der Mannschaft von Trainer Urs Fischer am Dienstag gegen das so gut wie abgestiegene Schlusslicht SC Paderborn (20.30 Uhr, Sky) der nächste Erfolg, dann ist das große Ziel Klassenerhalt erreicht.

Union Berlin stellt sein System erneut um

In der ersten Halbzeit lieferten sich beide Mannschaften einen Abnutzungskampf im Mittelfeld. Union hatte auch die erste Chance durch Marcus Ingvartsen (5.). Trainer Urs Fischer hatte die Mannschaft in einem 4-1-4-1 auflaufen lassen, Ken Reichel ersetzte links in der Vierer-Abwehrkette den angeschlagenen Christopher Lenz.

Grischa Prömel spielte für den Gelb-gesperrten Robert Andrich im defensiven Mittelfeld, in der Zentrale davor sollten Christian Gentner und Yunus Malli das Union-Spiel ankurbeln. Einzige Spitze war Sebastian Andersson.

Ein Matchplan, der „über große Teile des Spiels“ aufgegangen ist, wie Coach Fischer analysierte. „Wir hatten nach der Pause ein bisschen Mühe. Köln hat umgestellt, da brauchten wir einen Moment. Dann fand ich es wieder gut. Vielleicht hatten wir den einen oder anderen Ballverlust zu viel“, sagte der Schweizer.

Union Berlin präsentiert sich ruhig und konzentriert

Dennoch gelang es seiner Mannschaft, an die geschlossen gute Leistung vom Spiel gegen Schalke (1:1) am vergangenen Sonntag anzuknüpfen. „Über 90 Minuten haben die Jungs wirklich ein tolles Spiel gemacht. Ich hatte schon unter der Woche ein gutes Gefühl, weil die Mannschaft wirklich sehr konzentriert gearbeitet hat. Auch vor dem Spiel war sie sehr ruhig und konzentriert, wie man sich das wünscht“, freute sich Fischer.

Wenn dann noch das nötige Wettkampfglück hinzukommt, ist alles bereitet für den Meilenstein der Köpenicker zum zweiten Bundesliga-Jahr. Nach 24 Minuten hatte Union Glück, dass Torwart Rafal Gikiewicz bei einem Schuss des Kölners Rafael Czichos im Weg stand. Keven Schlotterbeck hatte einen Freistoß von Mark Uth unglücklich auf Czichos verlängert.

Nach exakt einer halben Stunde entschied Schiedsrichter Martin Petersen (Stuttgart) auf Elfmeter für Union, nahm seine Entscheidung nach Intervention des Videoassistenten und Ansicht der TV-Bilder aber wieder zurück. Gentners Flanke landete an Czichos’ Arm, da dieser jedoch angelegt war, es also keine Verbreiterung der Körperfläche gab, war die Rücknahme eine richtige Entscheidung.

Friedrich bringt Union Berlin in Führung

Sechs Minuten vor der Pause durfte Union dennoch jubeln. Nach einer Ecke von Christopher Trimmel wuchtete Innenverteidiger Marvin Friedrich einen Kopfball aus fünf Metern an Köln-Torwart Timo Horn vorbei (39.).

Nach der Pause brachte Kölns Trainer Markus Gisdol mit Anthony Modeste und Ex-Unioner Toni Leistner frisches Personal. Vor allem dank Stürmer Modeste erhöhten die Gastgeber nun ihre Angriffsbemühungen. Keven Schlotterbeck grätschte im letzten Moment den heranstürmenden Jhon Cordoba ab (58.), dann war Torwart Gikiewicz gegen Uth (59.) und Florian Kainz (61.) zur Stelle.

Union-Trainer Fischer reagierte, brachte nach gut einer Stunde Antony Ujah (für Andersson) und Felix Kroos (für Malli). Und tatsächlich konnten sich die Berliner wieder aus der Kölner Umklammerung lösen. Und nicht nur das.

Gentner zeigt seinen Wert für Union Berlin

Nach einer abgewehrten Ecke brachte Bülter den Ball an den Kölner Fünfmeterraum, wo Gentner völlig freistehend den Ball annahm und per Drehschuss mit links zum 2:0 für Union einschoss (67.). In der Schlussphase konnte Köln durch Cordoba nur noch verkürzen (90.+2).

Unions Freude über den zehnten Saisonsieg schmälert dies nicht. „Das war ein enorm wichtiger Schritt“, sagte Gentner und ist sich sicher, dass alle bei Union die Ruhe bewahren: „Wir können uns noch gedulden und am Dienstag dann den Sack zumachen. Aber es fühlt sich schon sehr, sehr gut an.“

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