Bundesliga

Unions Sieglos-Serie findet in Gladbach kein Ende

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Inga Böddeling
Während Gladbachs Marcus Thuram (M.) über seinen Treffer zum 0:2 jubelt, ärgern sich Unions Christopher Lenz und Co.

Während Gladbachs Marcus Thuram (M.) über seinen Treffer zum 0:2 jubelt, ärgern sich Unions Christopher Lenz und Co.

Foto: Pool / Martin Meisner/Pool via Getty Images

Union Berlin verliert mit 1:4 bei Borussia Mönchengladbach und ist als 14. nur noch vier Punkte vom Relegationsrang entfernt.

Berlin. Von diesem Duo werden sie beim 1. FC Union wohl noch ein paar Tage träumen. Marcus Thuram und Alassane Pléa. Die beiden Stürmer von Borussia Mönchengladbach waren am Sonntagnachmittag im Borussia-Park nicht nur die prägenden Spieler ihrer Mannschaft, sie waren auch hauptamtlich dafür verantwortlich, dass der Bundesliga-Aufsteiger aus Köpenick eine 1:4 (0:2)-Niederlage hinnehmen musste.

„Wenn man gegen so einen Gegner spielt, braucht man schon einen sehr, sehr guten Tag, eine Topleistung und der Gegner muss einen schlechten Tag haben“, sagte Kapitän Christopher Trimmel, der mit seiner Mannschaft in den vergangenen sechs Spielen keinen Sieg einfahren konnte. „Heute war nicht unser bester Tag und dann kommt so ein Ergebnis zustande.“ Union tat sich vor allem in der ersten Hälfte schwer, kassierte erst das 0:1 durch Florian Neuhaus (17. Minute), der den Ball mit einer gehörigen Portion Pfosten-Hilfe im Tor versenkte.

Kurz vor der Pause war es dann der besagte Thuram, der mit einem platzierten Kopfball nach einer Flanke seines kongenialen Partners Pléa zum 0:2-Pausenstand traf (41.). Der treffsichere Franzose bejubelte seinen Treffer kniend und mit gesenktem Kopf – als Botschaft zu den schwelenden Protesten gegen Polizeigewalt vor allem gegenüber dunkelhäutigen US-Bürgern.

Nach der Pause muss Fischer sein System umstellen

War es beim ersten Gegentreffer Marvin Friedrich, der den quirligen Neuhaus nicht unter Kontrolle bekam, war es beim 0:2 der eigentlich erfahrene Neven Subotic, der Thuram völlig aus den Augen verlor. „Wenn du so viele Eigenfehler produzierst, wird es am Ende auch schwer, ein Spiel zu gewinnen“, bilanzierte Trainer Urs Fischer.

Der Schweizer musste seine Startformation vom 1:1 gegen Mainz auf zwei Positionen umbauen. Für Julian Ryerson rückte Christoper Lenz nach überstandener Verletzung zurück auf seinen Stammplatz als rechter Außenverteidiger. Für den gelb-rot-gesperrten Robert Andrich durfte Grischa Prömel im defensiven Mittelfeld ran. Coach Fischer blieb seinem 3-4-3-System also treu.

Zumindest bis zur Pause. Danach sah der 54-Jährige dann doch Reaktionsbedarf, hatte sich seine Mannschaft in der ersten Hälfte doch erschreckend offensivschwach und ideenarm präsentiert. Weder die Kopfbälle von Christian Gentner (15.) und Sebastian Andersson (23.) noch Friedrichs Versuch aus kurzer Distanz (28.) brachten Gladbachs Keeper Yann Sommer wirklich in Bedrängnis. „Das hatte nichts mit ordentlich zu tun. Das war ängstlich“, sagte ein angefressener Fischer. „Da sind wir nur gewichen, hatten sehr viele Abspielfehler. Da haben wir Gladbach fast eingeladen und konnten froh sein, dass es nur 2:0 stand.“

Unions Ryerson muss schon nach vier Minuten wieder runter

Also musste sich etwas ändern. Fischer nahm den erneut schwachen Subotic runter und brachte Felix Kroos. Aus der Fünferabwehrkette wurde eine Viererkette, Kroos sollte im Mittelfeld für mehr Power nach vorn sorgen. Und Fischers Impuls wirkte. Union kam mit frischem Mut aus der Kabine, spielte plötzlich couragiert auf. „Wir wollten offensiver spielen, mehr pressen, mit fünf statt vier Spielern in der vordersten Linie“, sagte Stürmer Andersson.

Der Schwede war es dann auch, der den angestrebten Anschlusstreffer erzielte. Sturm-Kollege Marcus Ingvartsen leitete einen Trimmel-Freistoß etwas glücklich weiter Richtung Mitte, wo Andersson lauerte und aus kurzer Distanz einnickte (50.). „Nach der Pause war es so, wie es von Beginn an hätte sein sollen“, sagte Fischer, der dann aber mitansehen musste, wie sich seine Mannschaft um den gerade erst erarbeiteten Lohn brachte.

Wie schon beim 0:2 bediente Pléa seinen Landsmann Thuram, der völlig frei im Zentrum nur noch einschieben musste. „Da kommst du auf 2:1 heran und legst dir das 3:1 fast selbst wieder ins eigene Tor“, sagte Fischer, der mit Julian Ryerson noch einmal eine frische Kraft in der Abwehr bringen wollte. Für den Norweger wurde es ein kurzer, aber schmerzhafter Arbeitstag. In seinem ersten Zweikampf mit Gladbachs Neuhaus verletzte sich der Rechtsverteidiger am Knie und musste nach nur vier Minuten durch Joshua Mees ersetzt werden (64.).

Am kommenden Wochenende kommt Krisen-Klub Schalke

Trotz der zwei Rückschläge gab Union nicht auf, knüpfte an den mutigen Auftritt vor dem 1:3 an. Erst verfehlte Mees mit seinem Schuss von der Strafraumkante nur knapp das Tor (76.), dann verzog Ingvartsen aus der Distanz (79.). Die Union-Hoffnungen auf vielleicht doch noch einen Punkt zerstörte dann aber erneut Pléa. Der Franzose – ebenfalls völlig unbedrängt – verwandelte eine Flanke von Ramy Bensebaini zum 1:4-Endstand.

„Die Situation gilt es so anzunehmen, wie sie ist. Wir haben ja in der zweiten Hälfte gezeigt, dass wir es können. Wir dürfen nur nicht das Gefühl haben, dass wir die erste Halbzeit verschlafen können und mit einer guten zweiten Halbzeit ein Spiel gewinnen“, sagte Fischer, der es am kommenden Sonnabend mit krisengebeutelten Schalkern zu tun bekommt (15.30 Uhr). Union ist nach sechs sieglosen Spielen nur vier Punkte vom Relegationsrang entfernt, rutschte an diesem Spieltag auf Rang 14 ab. Alles andere als gute Voraussetzungen, um vom Klassenerhalt zu träumen.

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