Kommentar

Hertha vs. Union – Berlin kann nur noch extreme Derbys

Auch das zweite Bundesliga-Derby zwischen Hertha und Union war alles andere als ein normales Spiel, meint Michael Färber.

Berlin. Das erste Derby zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Union in der Bundesliga war ein Abend zum Vergessen. Fußballerische Magerkost, vor allem vom Favoriten in Blau-Weiß, dazu der Pyro-Irrsinn, für den in erster Linie Herthas Anhänger verantwortlich waren. Und ein Siegtreffer für Union kurz vor Schluss vom Elfmeterpunkt. Der Aufsteiger wird Stadtmeister – keine Frage, es war ein Derby der Extreme Anfang November vergangenen Jahres.

Und das Rückspiel? War erneut ein Derby der Extreme, vor allem wegen der leeren Ränge natürlich. Statt 75.000 enthusiasmierter Fans im Olympiastadion und Tausenden Anhängern in Kneipen oder im privaten Kreis verkam das noch zu Jahresbeginn erhoffte große Fußballfest zur faden Geisterveranstaltung – das Coronavirus ließ nichts anderes zu.

Extrem auch deshalb, weil in keinem der fünf Pflichtspiel-Derbys zuvor der Favorit aus Westend so deutlich überlegen gewesen ist wie bei diesem 4:0. Hertha überzeugte mit einem Tempo, das im Hinspiel nicht mal im Ansatz zu erahnen war. Und Union offenbarte Fehler, die man längst beseitigt glaubte. So entstand auch dieses extreme Resultat, mit dem vielleicht nicht jeder gerechnet haben dürfte.

Hertha überrascht mit Tempo, Union mit Fehlern

Es war auch ein Derby, in dem es um Wiedergutmachung ging. Sportlich vor allem aus Hertha-Sicht. Das ist gelungen. Und mit Blick auf die Fans bleibt festzuhalten: Ja, die aktive Fanszene hat sich an die Regeln gehalten. Wie schon vor knapp einer Woche beim Union-Heimspiel gegen den FC Bayern beachtete man auch bei diesem Derby die Abstandsregeln und blieb dem Stadion fern. Dass dies niemand gern getan hat, steht außer Frage.

Wer das Hauptstadtduell verfolgen wollte, musste sich entweder in einer Kneipe einen der raren Plätze sichern, oder sich privat vor den Fernseher setzen. Ob das Verhalten tatsächlich der Einsicht folgte, sich in Corona-Zeiten an die entsprechenden Anordnungen zu halten, oder doch eher dem Protest gegen Geisterspiele geschuldet war, ist dabei zweitrangig.

Eines muss jedoch klar sein: Als Wiedergutmachung für die unglaublichen Verfehlungen beim ersten Derby darf das Fan-Verhalten am Freitagabend nicht gewertet werden. Das gelingt nur in einer voll besetzten Arena, sei es im Olympiastadion oder in der Alten Försterei, beim hoffentlich nächsten extremen Derby um die Stadtmeisterschaft in der kommenden Saison.