Hertha vs. Union

Robert Andrich – keiner verkörpert Union besser

Unions Robert Andrich überzeugt mit seiner Laufstärke und stets unbequemer Spielweise. Attribute, die auch im Derby gebraucht werden.

Unions Robert Andrich (2.v.r.) ist auch gegen Hertha wieder mit seinem Einsatz und seiner Übersicht gefragt.

Unions Robert Andrich (2.v.r.) ist auch gegen Hertha wieder mit seinem Einsatz und seiner Übersicht gefragt.

Foto: age fotostock / pa / Juergen Schwarz

Berlin. Die Frage, ob er denn nun Bundesligaspieler ist, kann er längst ruhigeren Gewissens beantworten. Noch zu Saisonbeginn, nach den ersten zwei Spielen des 1. FC Union im Fußball-Oberhaus, war nur der Umstand, dass er jeweils 90 Minuten gegen Leipzig (0:4) und in Augsburg (1:1) gespielt hatte, ausschlaggebend für sein „ich würde schon sagen, ich bin Bundesligaspieler“.

Denn vor dem Duell bei Hertha BSC, dem zweiten Hauptstadtderby am Freitagabend (20.30 Uhr, DAZN) im Olympiastadion, steht fest: Der Mittelfeldspieler ist aus der Elf von Trainer Urs Fischer nicht mehr wegzudenken. Zugleich verkörpert der gebürtige Potsdamer wie kaum ein anderer im aktuellen Union-Jahrgang die Saison der Köpenicker.

Ähnlich wie der Verein, der zehn Profijahre in der Zweiten Liga bis zur Erfüllung seines Bundesliga-Traums benötigte, gelang auch Andrich erst recht spät der Sprung in die Eliteliga. Bei seinem Wechsel von Heidenheim nach Köpenick war er schon fast 25 Jahre alt. Ähnlich wie Union fand sich auch Andrich innerhalb recht kurzer Zeit im Oberhaus zurecht. Und: Er verkörpert die Spielweise der Berliner, die sie bislang so gut durch ihr Premierenjahr geführt hat.

Andrich stabilisiert Union Berlin

Dass er weit davon entfernt ist, in den „Ich habe es geschafft“-Modus zu wechseln, spricht für ihn. Jedes Spiel betrachtet er als Herausforderung. Das ist schon der Tatsache geschuldet, dass es eben zumeist gegen gestandene Erstligaspieler geht. Ein erlauchter Kreis, dem Andrich selbst so schnell wie möglich angehören möchte.

Der Weg, den er dazu eingeschlagen hat, ist jedenfalls der richtige. Zwei wichtige Eigenschaften sind es, die ihm dabei enorm helfen. Zum einen ist er weit davon entfernt, ein Selbstdarsteller zu sein. Er muss nicht „unbedingt so im Mittelpunkt stehen“, ließ er einst wissen. Das komme schon von ganz allein, „wenn man seine Leistungen bringt und mit der Mannschaft Erfolg hat“.

Bislang 30 Punkte in 26 Spielen dürfen ohne Zweifel als Erfolg angesehen werden, erst recht für einen kompletten Liga-Neuling wie Union. Andrichs Anteil daran lässt sich wie folgt in Zahlen ablesen: 25 Einsätze, alle von Beginn an, nur drei endeten vorzeitig. Andrich gelang es, seine Spielweise, die schon gern mal als phlegmatisch bezeichnet wird, ruhig statt behäbig, ausgleichend statt gleichgültig wirken zu lassen.

Andrich ist laufstärkster Profi bei Union Berlin

Wer ihm nun fehlende Aggressivität unterstellt, wird ebenfalls schnell eines Besseren belehrt. Andrich ist mit 56 Foulspielen der unbequemste Spieler der gesamten Bundesliga. Neun Gelbe Karten sind klubintern Spitze, ligaweit liegt er hinter dem Paderborner Klaus Gjasula (13) und Düsseldorfs Kaan Ayhan auf Rang drei.

Herausragend ist seine Laufleistung, mit der er nicht nur für defensive Stabilität sorgt, sondern auch anzutreiben weiß. 291,0 Kilometer stehen für Andrich zu Buche – gegen Hertha werden ohne Zweifel einige hinzukommen. Seine große Stärke ist, die Herausforderungen anzunehmen. Pragmatisch, ganz im Sinne von Trainer Fischer.

Seine Aufgabe umschrieb er mal wie folgt: „Die Mannschaft so weit wie möglich zusammenhalten.“ Das wird gegen Herthas neue Offensivkraft mit Matheus Cunha oder auch Krzysztof Piatek auch dringend nötig sein, soll ein weiterer Schritt in Richtung Klassenerhalt getan werden.

Andrich wartet noch auf ein Bundesliga-Tor für Union Berlin

Dass er auch gern im Zentrum oder gar hinter den Spitzen spielen würde und auch könnte, belegen seine drei Tore im DFB-Pokal, die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass Union erstmals seit der Saison 2000/01 wieder im Viertelfinale stand. Auf seinen ersten Treffer in der Bundesliga wartet er noch. Das Derby gegen Hertha BSC wäre sicher kein schlechter Zeitpunkt dafür.

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