Fussball

Berliner Derby-Geschichte: Union hat die Nase vorn

Fünf Duelle sind gespielt. Union liegt mit einem Sieg vor Hertha. Geht es nach der Serie, wäre nun wohl wieder ein Remis fällig.

Hoch das Bein! Unions Torsten Mattuschka (r.) spitzelt den Ball vor Herthas Ronny weg.

Hoch das Bein! Unions Torsten Mattuschka (r.) spitzelt den Ball vor Herthas Ronny weg.

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

Berlin. Zum sechsten Mal kommt es zum Pflichtspiel-Duell zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Union. Die bislang abgeschlossenen Derbys zeigen ein klares Muster, in den beiden Zweitliga-Jahren 2010/11 und 2012/13 gab es in jeder Saison einen Sieg und ein Unentschieden. Folglich wäre nun wieder ein Remis zu erwarten. Oder setzt sich Bundesliga-Aufsteiger Union in der Bilanz etwa ab von Hertha? So liefen die bisherigen Duelle, in denen es nach Toren 7:6 für Union steht:

September 2010: Niemeyer eröffnet in Köpenick

Die Intensität war hoch war, es wurde verbissen gekämpft. Allerdings boten Bundesliga-Absteiger Hertha und Union in der Alten Försterei nur mäßig unterhaltsame Fußballkunst. Zwar ging der Favorit in Führung. Ein Freistoß, den Nikita Rukavytsya in den Fünfmeterraum brachte, verwandelte Peter Niemeyer zum 1:0 für Hertha (2.). Darauf ruhte sich Hertha aus, bis Union-Trainer Uwe Neuhaus Santi Kolk ins Spiel schickte und dieser sechs Minuten nach seiner Einwechslung aus 20 Metern ins untere linke Eck traf (82.) – 1:1.

Februar 2011: Mattuschka trifft zum Auswärtssieg

Hertha dominierte im Olympiastadion, ließ etliche Angriffe auf die Union-Abwehr einprasseln. Doch lediglich einmal landete der Ball im Netz. Hertha-Kapitän Andre Mijatovic flankte auf Roman Hubnik, der zur Führung einköpfte (13.). Mehr zufällig gelang Union noch vor der Pause der Ausgleich, John Jairo Mosquera traf nach langem Pass von Innenverteidiger Christian Stuff per Volleyschuss (37.). Das veränderte das Spiel, Union wurde mutiger, Hertha unsicherer. In der 71. Minute trat Torsten Mattuschka zum Freistoß an, 25 Meter Entfernung, Aufsetzer, links unten. Hertha-Torwart Maikel Aerts löffelte sich den Ball irgendwie selbst ins Netz – 1:2. Die erste Stadtmeisterschaft ging an Union.

September 2012: Die große Revanche

Erneut schaute Hertha als Absteiger aus der Bundesliga in Köpenick vorbei. Diesmal gab sich der Favorit allerdings keine Blöße. Während Union sich zunächst überhaupt nicht durchsetzen konnte, traf Sandro Wagner zur Führung für die Gäste (30.). In der zweiten Hälfte drückten die Hausherren allerdings auf das Tempo, der eingewechselte Christopher Quiring besorgte den verdienten Ausgleich (69.). Dazu noch schön anzuschauen, per Flugkopfball. Doch die Entscheidung fiel erneut per Freistoß, diesmal für Hertha. Ronny drosch den Ball mit viel Kraft mitten aufs Tor, er glitt unter Union-Torwart Daniel Haas hindurch ins Netz zum 1:2 für Hertha (73.).

Februar 2013: Der doppelte Ronny

Erstmals gab es keinen klaren Favoriten. Hertha stand auf einem Aufstiegsplatz, Union kam als Vierter ins Olympiastadion und zeigte sogar Ambitionen zu mehr. Erst war es Simon Terodde, der für die Köpenicker traf (9.). Dann erhöhte Adam Nemec zu Beginn des zweiten Durchgangs sogar noch und stellte die Weichen auf den zweiten Auswärtssieg im Derby (49.). Doch dazu kam es nicht, Hertha kämpfte sich zurück in das Spiel. Nach 73 Minuten traf Adrian Ramos mit einem Kopfball und verkürzte. Hertha probierte alles, um zum Ausgleich zu kommen. Wie schon im Hinspiel traf Ronny per Freistoß, im kurzen Eck schlug der Ball ein, 2:2 (86.) – die Mitspieler feierten mit Ronny im Schnee von Charlottenburg.

November 2019: Der erste Heimsieg

Als prägend für das erste Derby in der Bundesliga bleiben wohl die Pyro-Aktionen der beiden Fanlager in Erinnerung. Die Partie in Köpenick stand vor dem Abbruch, nachdem Hertha-Anhänger Raketen auf das Feld geschossen hatten. Am Ende wollten Union-Ultras den Platz stürmen, um zu den Hertha-Fans zu gelangen. Das beherzte Einschreiten der Union-Spieler, allen voran Torhüter Rafal Gikiewicz, verhinderte allerdings Schlimmeres. Sportlich ließ Hertha, damals noch mit Ante Covic unter dem ersten Coach der Saison, viel zu wünschen übrig. Union zeigte Kampf, Leidenschaft und Siegeswillen und wurde durch das Elfmetertor von Sebastian Polter in der 87. Minute belohnt – 1:0. Es war der erste Heimsieg in der Derby-Geschichte zwischen Hertha und Union, noch dazu im brisantesten aller bisherigen Duelle.

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