Berliner Derby

4:0 - Hertha lässt Union nicht den Hauch einer Chance

Das Berliner Derby war eine klare Angelegenheit. Mit dem 4:0 revanchierte sich Hertha für die Hinspielniederlage bei Union.

Matheus Cunha (M) bejubelt sein Tor zum 3:0 mit Jordan Torunarigha (l) und Per Skjelbred.

Matheus Cunha (M) bejubelt sein Tor zum 3:0 mit Jordan Torunarigha (l) und Per Skjelbred.

Foto: dpa/Stuart Franklin

Berlin. Diesmal klappte alles, sogar der Jubel. Selbst nach dem dritten Treffer des Abends waren Herthas Profis noch betont bemüht, den empfohlenen Abstand zu wahren, dabei dürften ihre Herzen vor Genugtuung geplatzt sein. Durch das am Ende furiose und verdiente 4:0 (0:0) im Derby gegen den 1. FC Union entschieden sie das Hauptstadt-Duell am Freitagabend klar für sich und revanchierten sich so für das blamable 0:1 im Hinspiel.

Mehr noch: In der Addition beider Spiele geht die inoffizielle Stadtmeisterschaft nun nach Westend. „Wir sind natürlich happy heute. Das waren ganz wichtige Punkte im Abstiegskampf“, sagte Herthas Trainer Bruno Labbadia.

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Herthas erster Derby-Sieg im heimischen Olympiastadion, er war vor allem ein Produkt der starken Offensivabteilung: Vedad Ibisevic (51.) und Dodi Lukebakio (52.) entschieden die Partie nach der Pause binnen weniger Sekunden, ehe Matheus Cunha (61.) und Dedryck Boyata (77.) endgültig für klare Verhältnisse sorgten. Durch den zweiten Sieg im zweiten Spiel unter Trainer Bruno Labbadia klettert Hertha vorerst auf Rang zehn und scheint sich dem Abstiegsstrudel endgültig zu entziehen. Union indes kann das Thema Klassenerhalt nach der vierten Pleite in Folge längst noch nicht abhaken.

Es ging nicht nur um drei Punkte, es ging um die Ehre

Nach dem mutmachenden 3:0 gegen Hoffenheim nahm Labbadia lediglich eine Änderung vor. Spielmacher Vladimir Darida erhielt nach abgesessener Gelbsperre den Vorzug vor Maximilian Mittelstädt, dessen Position auf der linken Außenbahn von Cunha bekleidet wurde. Deutlich mehr Wechselbedarf hatte Union-Coach Urs Fischer: Statt Keven Schlotterbeck (Gelbsperre), Christopher Lenz (angeschlagen), Neven Subotic und Anthony Ujah starteten die Köpenicker mit Manuel Friedrich, Ken Reichel, Sebastian Andersson und Klub-Urgestein Michael Parensen.

Der Routinier gab dabei schon nach neun Minuten den Ton an, kassierte nach einem Foul die erste Gelbe Karte des Spiels. Teamkollege Andersson streckte wenig später Herthas Jordan Torunarigha mit moderatem Ellenbogeneinsatz nieder, und überhaupt mangelte es nicht an kleinen Geplänkeln. Wenig verwunderlich, schließlich ging es um weit mehr als drei Punkte, es ging um die Ehre.

Während auf dem Platz also zumindest ein Hauch von Derby-Hitze zu spüren war, blieb die Kulisse im Olympiastadion farblos. Rund 74.000 graue Plastiksitze bereiteten eine skurril anmutende Bühne für das Stadtduell, das ja eigentlich ein Fußballfest sein sollte, ein emotionales Tollhaus mit dem Raum, ein unvergessliches Kapitel der eigenen Klubgeschichte zu schreiben. Stattdessen sahen sich die Protagonisten nun mit steriler Testkick-Atmosphäre inmitten eines merkwürdig leblosen Beton-Monuments konfrontiert, ein Setting, das nicht gerade zu Höchstleistungen animiert.

Union ist offensiv harmlos, Fischer hat Redebedarf

Dennoch: Bemüht waren die Berliner allemal, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise. Während Union auf kompaktes Stellungsspiel und vereinzelte Nadelstiche setzte, war Hertha die spielfreudigere, die aktivere Elf – und die mit den besseren Chancen. Lukebakio (18.) und Cunha (27., 38.) scheiterten zwar an Union-Keeper Rafal Gikiewicz, was die maskierten Ersatzspieler auf der Tribüne jedoch nicht davon abhielt, ein wenig Applaus zu spenden. Eine nette Abwechslung zum sanften Prasseln des Regens auf dem Stadiondach.

Und Union? Blieb offensiv harmlos, außer einem guten Freistoß von Robert Andrich (44.) brachte der Aufsteiger nicht viel zustande. Hertha indes schaltete nach dem Seitenwechsel noch mal einen Gang hoch – und entschied die Partie in nicht mal zwei Minuten.

Das erste Ausrufezeichen setzte Routinier Ibisevic, der den Ball nach Bilderbuch-Flanke von Marvin Plattenhardt besser postiert war als Parensen und den Ball per Kopf mit dem Kopf in den Winkel wuchtete (51.). „Jeder Spieler freut sich über solche Bälle. Ich spekuliere immer auf solche Flanken“, sagte Ibisevic, der im zweiten Spiel unter Bruno Labbadia seinen zweiten Treffer feierte. „Bruno Labbadia gibt mir Selbstvertrauen, er versteht mich als Stürmer.“ Beim anschließenden Jubel schrie der Bosnier zwar seine Emotionen heraus, achtete aber – anders als zuletzt - gestenreich auf Distanz zu den Kollegen. Unmittelbar nach dem folgenden Anstoß legte Ibisevic nach, schaltete nach einem Ballgewinn am schnellsten und schickte Lukebakio steil. Der Belgier eilte auf Gikiewicz zu, umkurvte den Keeper mühelos und schob trocken ein – 2:0 (52.).

Aber: Die in dieser Saison nicht nur durch das Derby gebeutelten Berliner hatten noch nicht genug. Cunha spielte in der linken Strafraumhälfte mit drei Unionern Katz und Maus, ehe er von der Strafraumgrenze flach ins rechte Eck traf, 3:0 (61.). Den Schlusspunkt setzte schließlich Boyata, der im ersten Duell den entscheidenden Elfmeter verursacht hatte. Er traf nach einer Ecke von Plattenhardt per Kopf (77.) und feierte nach Schlusspfiff symbolisch mit dem gesamten Team vor der leeren Ostkurve.

„Jetzt gilt es aufzustehen. Wir haben ein Spiel verloren, nicht mehr und nicht weniger“, sagte Union-Coach Fischer. „Aber wir werden über die zweiten 45 Minuten reden müssen.“ Welches Berliner Team den stadtinternen Schlagabtausch besser verkraftet hat, zeigt sich schon am Mittwoch. Hertha gastiert um 18.30 Uhr in Leipzig, Union empfängt um 20.30 Uhr Mainz 05.

Hertha gegen Union - Alles Wichtige zum Berlin-Derby:

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