Kommentar

Die DFL muss umdenken

Die Krise um das Coronavirus ist die große Chance, dringende Kurskorrekturen vorzunehmen. Es geht um Solidarität, meint Michael Färber.

Ein Spielball liegt auf einem Podest im Stadion.

Ein Spielball liegt auf einem Podest im Stadion.

Foto: Jan Woitas / dpa

Berlin. Leere Stadien, verwaiste Trainingsplätze, Verwaltungen im Minimalbetrieb – das Coronavirus hat im Profifußball, ja in der gesamten Sportwelt, für eine noch nie dagewesene Situation gesorgt. Die Sorge vieler Macher gilt – nach der Hoffnung auf eine schnelle Eindämmung der Pandemie – vor allem der Zeit danach.

Kann die Saison zu Ende gespielt werden? Falls ja, in welcher Form? Und was ist mit den wirtschaftlichen Auswirkungen? Die Sportwelt wird nach Corona nicht mehr so sein wie vorher, das steht fest.

Gerade für den Profifußball bietet sich dadurch die einmalige Chance, eine Entwicklung aufzuhalten, die sich längst verselbstständigt hat und deren rasante Fahrt nur in einem enden konnte: Entgleisung.

Jetzt werden die Abhängigkeiten deutlich

Die Zeit für Kurskorrekturen ist gekommen. Das Wettrüsten der Ligen mit immer noch höheren Ablösesummen und immer aberwitzigeren Fernsehgeldern hat die Branche in ihre größte Krise geführt, wenn man Granden wie Karl-Heinz Rummenigge oder Hans-Joachim Watzke glauben darf.

Die Rede ist von 660, sogar mehr als 750 Millionen Euro, die die Deutsche Fußball Liga (DFL) verlieren würde, würde die Saison nicht beendet werden. Die Abhängigkeiten, in denen sich der Profifußball gesonnt hat, werden in der größten Krise abseits des Sports zur größten Gefahr für die Branche.

Klubs und Verbände müssen sich anders aufstellen

Die DFL und die Profiklubs sind aufgefordert, sich für die Zukunft so aufzustellen, dass ein temporärer Einnahme-Ausfall in welcher Höhe auch immer die Verantwortlichen nicht dazu bewegt, aus Sorge um den Fortbestand des Sports Geld vor die Gesundheit zu stellen.

Nicht zuletzt sollte sich der europäische Fußball-Verband Uefa schleunigst überlegen, wie viel Sinn es macht, einen bereits überfüllten Terminkalender mit noch mehr Wettbewerben vollstopfen, die ohnehin nur auf Gewinnmaximierung ausgelegt sind. Oder ob man den nationalen Ligen nicht doch ein wenig mehr Spielraum geben sollte, um auf Zwangslagen wie diese entsprechend reagieren zu können.

Solidarität ist das Zauberwort

Das Zauberwort heißt: Solidarität. Hauptempfänger im Milliardenspiel Profifußball sind die Profis selbst, auch die Trainer und die Sportdirektoren. Doch es sind die zahlreichen „kleinen“ Angestellten in den Klubs, vom Busfahrer bis zum Platzwart, die auf die Gehälter aus dem Spielbetrieb angewiesen sind, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Wenn Fans virtuell Bier und Bratwurst kaufen, um ihren Verein finanziell zu unterstützen, so wie es zahlreiche Anhänger von Union Berlin am Sonnabend getan haben, dann sollte es für Millionäre ein Leichtes sein, jenen im Hintergrund zu helfen, die ihnen das Profidasein erst ermöglichen.