Bundesliga

Bei Union sitzt auch der zweite Anzug

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Michael Färber
Unions Offensivspieler Marcus Ingvartsen (l.) und Anthony Ujah jubeln nach Ingvartsens Führungstreffer in Leverkusen.

Unions Offensivspieler Marcus Ingvartsen (l.) und Anthony Ujah jubeln nach Ingvartsens Führungstreffer in Leverkusen.

Foto: Federico Gambarini / dpa

Union unterstreicht trotz des Ausscheidens im DFB-Pokal-Viertelfinale bei Bayer Leverkusen, welcher Trumpf ein großer Kader sein kann.

Berlin. Fußball-Trainer ändern selten ihre Startformation, wenn sie sich erst einmal für eine entschieden haben. Es sei denn, die Belastung während einer Spielzeit verlangt es, dem einen oder anderen Profi eine Pause zu geben.

Urs Fischer, der Trainer des 1. FC Union, ist da eine Ausnahme. Zumal der Schweizer auch immer wieder wissen lässt, dass ein Profi eine englische Woche schon aushalten können muss – und die Köpenicker mit Bundesliga und bislang DFB-Pokal sicher nicht überfordert sind.

Wird dann doch einmal die halbe Mannschaft ausgetauscht, so wirft das Fragen auf. So wie nach dem Viertelfinale gegen Bayer Leverkusen am Mittwochabend. Auf fünf Positionen hatte Fischer sein Team verändert, das sich trotz des 1:3 mehr als wacker geschlagen hatte. „Für uns war es logisch, das so zu machen“, sagte Fischer.

Union Berlin rotiert nicht das erste Mal

Und obwohl die Maxime des 54-Jährigen lautet, immer nur von Spiel zu Spiel zu denken, so muss er doch stets das große Ganze im Blick behalten. Das hat Fischer getan. Vor der Pokalpartie „waren es noch elf Spiele“, die seine Mannschaft vor sich hat, „das ist eine Menge für uns. Wir müssen in jedem Spiel ans Limit gehen. Das heißt auch, ein wenig zu schauen, schließlich stehen noch ganz wichtige Aufgaben an.“

Schon vor dem Zweitrundenspiel im vergangenen Herbst beim SC Freiburg (3:1) hatte Fischer rotieren lassen und gleich sechs Profis im Vergleich zum Spiel beim FC Bayern (1:2) ausgetauscht. Mit Erfolg: Dem Sprung in die nächste Pokalrunde folgte der Sieg im Derby gegen Hertha BSC (1:0).

Dass es nun in Leverkusen nicht für ein erneutes Weiterkommen reichte, lag im Platzverweis für Christopher Lenz begründet. Doch bis dahin lieferte Union dem Favoriten nicht nur einen großen Kampf, sondern war gerade in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft.

Prömel und Ujah mit Startelf-Comeback

Wenn es noch eines Beleges für die Ausgeglichenheit im Union-Jahrgang 2019/20 bedurft hätte, das Viertelfinale in Leverkusen hat ihn erbracht. „Alle, die in die Startelf gekommen sind, haben die Sache sehr gut gemacht. Man hat gesehen, dass wir in der ersten Halbzeit sehr griffig waren und sehr wenig, ja fast gar nichts zugelassen haben“, sagte etwa Marvin Friedrich.

Ob Julian Ryerson als Vertreter Christopher Trimmels auf der rechten Seite, ob Michael Parensen als Neven-Subotic-Ersatz in der Dreierabwehrkette oder Marcus Ingvartsen in der Offensive für Yunus Malli – der Qualität im Union-Spiel tat dies keinen Abbruch.

Das galt auch für Grischa Prömels Startelf-Comeback nach monatelangen Knieproblemen (Patellasehnenreizung) oder Anthony Ujahs Rückkehr nach wochenlangem Reservistendasein ohne Einsatz. Christian Gentner und Sebastian Andersson saßen draußen.

Großer Kader wird zum Trumpf für Union Berlin

„Andere Spieler bedeuten ja nicht, dass das Spiel gleich anders wird“, verdeutlichte Robert Andrich mit Blick auf die gute Organisation (defensiv) und die spielerischen Momente (offensiv) in Leverkusen.

„Die neuen Spieler, die ein bisschen frischer sind, waren auch sofort im Spiel. Für uns ist es sehr wichtig, dass kein kompletter Bruch im Spiel ist, wenn mal so viel durchgewechselt wird“, sagte Unions Mittelfeldspieler weiter.

Bei Union passt also der zweite Anzug ebenso gut wie der erste. Dass Trainer Fischer betont nicht von der zweiten Reihe spricht, sondern „für mich alle erste Reihe“ sind, kann für die letzten zehn Saisonspiele in der Bundesliga ein wichtiger Trumpf auf dem Weg zum Klassenerhalt sein.

Union-Trainer Fischer und seine Belohnungen

„Und dann geht es auf der anderen Seite auch darum zu belohnen“, erklärte Fischer. Dies hält den Teamgeist im großen 32-Mann-Kader intakt. „Die Jungs trainieren die gesamte Woche immer mit und helfen mit, damit die elf Spieler, die beginnen, erfolgreich sein können. Und wenn man sich die 70 Minuten in Leverkusen anschaut, haben es die Jungs auch wirklich toll umgesetzt.“

Nicht nur im Training wichtig zu sein, sondern wenn es darauf ankommt auch im Spiel, schafft Vertrauen und hält die Leistungsbereitschaft hoch. Zugleich kann sich keiner aus der vermeintlich gesetzten Stammelf seines Platzes sicher sein.

„Die anderen Spieler genießen ja auch alle das Vertrauen. Und dieses Vertrauen haben sie am Mittwoch zurückgezahlt“, verdeutlichte Andrich. Dies sei jedoch nicht so einfach, wie der 25-Jährige erklärte: „Du bist hintendran und musst sofort da sein in der englischen Woche. Das ist ja auch keine Entscheidung gegen jemanden, sondern für jemanden, der auch mal seine Chance bekommen muss. Doch so lange derjenige, der neu reinkommt, seine Leistung bringt und nicht rumbockt, weil er lange nicht gespielt hat, dann ist alles in Ordnung.“

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