Bundesliga

Union und die zitternden Sieben

Angeführt von Union befinden sich acht Teams im Kampf um den Klassenerhalt. So ist es um sie vor dem letzten Saisondrittel bestellt.

Die Profis des 1. FC Union setzen auch gegen Leverkusen auf ihren Teamgeist.

Die Profis des 1. FC Union setzen auch gegen Leverkusen auf ihren Teamgeist.

Foto: Kokenge / imago / Nordphoto

Berlin. Die Bundesliga-Saison geht langsam aber sicher in ihr letztes Drittel. Und fast die Hälfte aller Mannschaften blickt nach unten, angeführt vom 1. FC Union. Der Aufsteiger aus Köpenick hat sich nach 21 Spieltagen in eine ausgezeichnete Position gespielt, um den Kampf um den Klassenerhalt erfolgreich zu Ende bringen zu können. Bei anderen Vereinen sieht die Lage nicht ganz so rosig aus. So ist es um die Form der Klubs bestellt.

1. FC Union (11. Platz, 26 Punkte)

Aufsteiger Union hat es in der Rückrunde geschafft, vor allem die wichtigen Spiele zu gewinnen. Nach dem 2:0 gegen den FC Augsburg und dem 2:0 zuletzt bei Werder Bremen kann Union beruhigt ins Spiel gegen Bayer Leverkusen am Sonnabend (15.30 Uhr, Alte Försterei) gehen. Trainer Urs Fischer setzt dabei wieder auf Innenverteidiger Marvin Friedrich, der seine Gelb-Sperre abgesessen hat.

Mit Respekt, aber auch mit Mut soll seine Mannschaft gegen die Werkself agieren. Soll heißen: Nach vorn verteidigen und nach Ballgewinnen den Raum präzise nutzen. Nicht nur in Bremen haben sie gezeigt, dass sie diesen Spielstil beherrschen. Behalten die Köpenicker die Ruhe, steht dem Klassenerhalt nichts im Wege.

FC Augsburg (12. Platz, 26 Punkte)

Die Schwaben sind aufgeschreckt durch das 0:5 vor einer Woche in Frankfurt. Für FCA-Trainer Martin Schmidt „eine Steilvorlage, um einen neuen Reiz zu setzen.“ Der Coach hat Änderungen angekündigt, um den Vorsprung von neun Punkten auf die Abstiegsregion auch nach dem Heimspiel gegen den SC Freiburg zumindest halten zu können.

Die Winterpause hat den Augsburgern alles andere als gutgetan. Gab es bis Weihnachten fünf Siege in sieben Spielen, so startete der FCA mit nur einem Erfolg in vier Partien in die Rückrunde. Die Profis müssen den Blick schnell wieder nach unten richten, um nicht doch noch in Bedrängnis zu geraten. Gelingt ihnen dies, ist der Klassenerhalt kein Thema für Augsburg.

1. FC Köln (13. Platz, 23 Punkte)

Dass sich die Kölner zum zweiterfolgreichsten Aufsteiger dieser Saison hinter Union gemausert haben, haben sie dem Trainerwechsel Mitte November zu verdanken. Markus Gisdol, der den glücklosen Achim Beierlorzer beerbt hatte, hauchte dem zeitweiligen Tabellenletzten wieder Leben ein.

Zur Rückrunde haben sich die Kölner in der Offensive mit Mark Uth verstärkt. Der Ex-Schalker führte sich mit einem Tor und zwei Torvorlagen in den ersten drei Spielen auch gut ein. Zudem setzen die Kölner in der Abwehr auf die Dienste von Toni Leistner, der bis Saisonende von den Queens Park Rangers aus der englischen Championship (Zweite Liga) ausgeliehen wurde. Gespielt hat der Ex-Unioner jedoch noch nicht.

Zuletzt gelangen den Kölnern fünf Siege in sechs Spielen, mit ihren leidenschaftlichen Fans im Rücken soll am Sonntag gegen den FC Bayern der nächste Erfolg gelingen. Für Gisdol spricht, dass er keinen Halt vor großen Namen wie zum Beispiel Anthony Modeste macht und auch auf Nachwuchsspieler setzt. „Die Jungs bekommen viel von dem zurück, was sie auf den Weg gebracht haben. Das gibt ihnen ein gutes Gefühl“, sagte Gisdol. Und mit der Wucht der Anhänger im Rücken ist auch der Ligaverbleib realistisch.

Hertha BSC (14. Platz, 23 Punkte)

Nach der irren Woche mit dem wenig rühmlichen Abgang von Trainer Jürgen Klinsmann und der klaren Positionierung für die ambitionierten Ziele (nächste Saison Europapokalplatz, mittelfristig die Meisterschaft) steht Hertha mit dem dritten Trainer der Saison vor der Herkulesaufgabe Klassenerhalt.

Trainer Alexander Nouri sollte bei Schlusslicht SC Paderborn mit einem Sieg starten, um für ein wenig Ruhe nach den aufregenden Tagen zu sorgen. Gespannt darf man sein, wie er das bislang brach liegende Offensivspiel ankurbeln will. Der Kader ist personell jedenfalls zu gut, um nicht die Klasse zu halten, auch wenn es wohl bis zum letzten Spieltag dauern wird.

FSV Mainz 05 (15. Platz, 21 Punkte)

Bei den Rheinhessen ist man gerade dabei, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Der Vertrag mit Sportvorstand Rouven Schröder wurde vorzeitig bis 2024 verlängert. Außerdem soll mit einer neuen Geschäftsstelle am Trainingsgelände am Bruchweg der nächste Schritt in Richtung ständiges Mitglied der Bundesliga gemacht werden.

Sportlich bleibt der Klassenerhalt jedoch ein Drahtseilakt, trotz des Trainerwechsels von Sandro Schwarz zum gerade in Köln entlassenen Achim Beierlorzer im November. Der Sieg vor einer Woche bei Hertha (3:1) war ein kleiner Befreiungsschlag, dennoch agiert der FSV trotz allem Engagements zu ideenlos. So wechseln sich Siege mit Niederlagen-Serien ab. Das führt unweigerlich in Richtung Relegationsplatz.

Fortuna Düsseldorf (16. Platz, 17 Punkte)

Um den Relegationsplatz bewirbt sich auch die Fortuna. Mit dem Wechsel von Trainer Friedhelm Funkel zu Uwe Rösler Ende Januar haben die Düsseldorfer die so gern zitierte letzte Patrone im Kampf um den Klassenerhalt inzwischen abgefeuert. Und tatsächlich ist ein leichter Aufwärtstrend zu sehen.

Als Schlusslicht der Bundesliga hatte Rösler die Mannschaft übernommen und seitdem einiges verändert. Statt wie unter Funkel nur passiv zu verteidigen und auf schnelle Konter zu setzen, greift Düsseldorf den Gegner nun früher an. Auch die Umstellung auf die Dreierkette in der Defensive mit zwei Außenverteidigern, die das Offensivspiel ankurbeln, zeugt von einer mutigeren Taktik.

Doch trotz mehr Ballbesitz bleibt die Fortuna ein fragiles Gebilde, die den neuen Spielstil noch zu selten umsetzt. Nur 20 Tore erzielte die Mannschaft, kein anderes Team traf weniger. Und wie eindimensional die Torgefährlichkeit ist, zeigt ein Blick auf die Torjägerliste. Mit elf Treffer erzielte Rouwen Hennings mehr als die Hälfte der Düsseldorfer Tore. Die Abstiegsgefahr bleibt bis zum letzten Spieltag ein ständiger Begleiter.

Werder Bremen (17. Platz, 17 Punkte)

Köln hat es getan, auch Mainz, Düsseldorf, Hertha gerade eben zum zweiten Mal und sogar der große FC Bayern. Nur bei Werder Bremen wird die Arbeit mit Trainer Florian Kohfeldt trotz der rasanten Talfahrt in der Bundesliga fortgesetzt, trotz des Sturzes auf den vorletzten Tabellenplatz.

Frank Baumann, Werders Sport-Geschäftsführer, stärkte dem Coach demonstrativ den Rücken und appellierte stattdessen an die Spieler: „Der Trainer kann kein Tor schießen oder verhindern. Die Mannschaft steht jetzt in der Pflicht, ihm und auch dem Verein etwas zurückzugeben. Es bleibt dabei, dass wir daran arbeiten werden, gemeinsam mit Florian da unten wieder rauszukommen.“

Seit Mittwoch bereiten sich die Bremer in Sachsen auf das Duell bei RB Leipzig am Sonnabend vor. Von Ruhe im Umfeld ist jedoch wenig zu spüren. „Jetzt hat man noch Clemens Fritz dazu geholt, man sollte ihn das gleich alles machen lassen“, sagte der ehemalige Werder-Torwart Frank Rost. „Er ist ein guter Mann. Auch das zeigt ein wenig, dass man mit seinem Latein am Ende ist, wenn man auf solche Schachzüge zurückgreift.“ Fritz war auf Wunsch Kohfeldts mit nach Leipzig gereist. Der Ex-Nationalspieler soll dem Team mit seiner Erfahrung in Gesprächen helfen. Der zweite Abstieg aus der Bundesliga nach 1980 kommt immer näher.

SC Paderborn (18. Platz, 16 Punkte)

Aufsteiger Paderborn überraschte zwar zuletzt mit einem Punktgewinn bei Schalke 04. Doch die Mannschaft von Trainer Steffen Baumgart, der seinem mutigen Stil treu geblieben ist, ist individuell zu schwach besetzt, um den Klassenerhalt tatsächlich schaffen zu können.

Mit Blick auf die Partie gegen Hertha sagte Baumgart: „Wir müssen auf uns schauen, druckvoll auftreten und uns Chancen erspielen. Hertha hat in der Vergangenheit oft in der Dreierkette gespielt. Ich sehe keinen Grund, warum sie das ändern sollten.“ Der Wirbel um den Rücktritt von Hertha-Coach Jürgen Klinsmann spielt für den Ex-Unioner keine Rolle: „Ich kann eh nicht beeinflussen, wie der Gegner spielt.“

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