DFB-Pokal

Andrich erlöst Union in Verl

Bundesligist Union erreicht durch ein 1:0 in Verl das DFB-Pokal-Viertelfinale. Doch es war ein hartes Stück Arbeit für die Berliner.

Die Profis des 1. FC Union feiern in Verl ihren Torschützen Robert Andrich (2.v.r.).

Die Profis des 1. FC Union feiern in Verl ihren Torschützen Robert Andrich (2.v.r.).

Foto: Friso Gentsch / dpa

Verl. Robert Andrich brauchte nicht lange, um die passende Erklärung für den Treffer des Abends zu finden. „Eine Verlängerung wollte ich nicht unbedingt, da habe ich mir gedacht, ich haue ihn einfach rein“, sagte der Mittelfeldspieler des 1. FC Union. Fünf Minuten vor dem Ende hatte sich Andrich ein Herz gefasst, den Ball aus 16 Metern einfach aufs Tor geschossen – und in den Winkel getroffen.

Sein Tor erlöste Union im Achtelfinale des DFB-Pokals beim SC Verl. Das 1:0 (0:0) des Bundesligisten beim drei Klassen tiefer spielenden Regionalligisten bescherte den Berliner nicht nur den Viertelfinaleinzug, sondern auch noch eine Prämie von 1,4 Millionen Euro.

„Vielleicht ist der Ball ein bisschen abgerutscht, aber das war vielleicht auch besser so“, sagte Andrich, der den Auftritt des Favoriten wie folgt zusammenfasste: „Wir haben heute ein bisschen Karo einfach gespielt. Aber wir wollten unbedingt eine Runde weiterkommen.“

Union Berlin zuletzt vor 19 Jahren im Viertelfinale

Vor gut 19 Jahren hatte Union letztmalig die Runde der besten Acht erreicht und sogar das Finale erreicht. Wer damals dabei gewesen ist, wird sich beim Gastspiel in Verl an diese Zeit zumindest für einen Moment erinnert haben.

Wie damals die Tribüne der Alten Försterei folgten die Tribünen der Sportclub-Arena dem Stahlträger-/Blechdach-Prinzip. Um auf dem Spielfeld ausreichend Helligkeit am Mittwochabend zu gewährleisten, wurden zwei mobile Flutlichtanlagen organisiert. Und der Videoassistent, der erstmals im Achtelfinale zum Einsatz kam, saß aus technischen Gründen nicht im Kölner Keller, sondern in einem Lieferwagen direkt am Stadion.

Und noch am Montag luden beide Torräume eher zu einer Partie im Ruderboot ein, so hoch stand das Wasser nach heftigen Regenfällen. Die Stadt Verl hatte erst Löcher bohren müssen, damit das Wasser abfließen konnte. Entsprechend schwer zu bespielen war der Platz.

Union Berlin auf drei Positionen verändert

Es war der Regionalligist, der besser mit diesen Bedingungen zurechtkam. So entwickelte sich ein Kampfspiel, in dem Union ob seiner Favoritenrolle aufgefordert war, trotz des tiefen Bodens das Spiel zu machen. Eine Aufgabe, die die Mannschaft von Trainer Fischer vor Probleme stellte.

Nachvollziehbar, sind die Köpenicker in der Bundesliga doch eher jenes Team, das den Gegner zu Fehlern zwingt, um dann selbst schnell den Platz zu nutzen. Diese Rolle übernahm nun der SC Verl. Vor allem über den quirligen Aygün Yildirim und den wuchtigen Zlatko Janjic wurden die Gastgeber immer wieder durchaus gefährlich.

Fischer hatte seine Mannschaft auf drei Positionen verändert. Michael Parensen spielte in der Dreierabwehrkette für Neven Subotic. Und Offensiv sollten Marcus Ingvartsen und Anthony Ujah statt Marius Bülter und Yunus Malli für Schwung neben Sebastian Andersson sorgen.

Union Berlin mit zu vielen Fehlern vor der Pause

Der Plan ging in den ersten 45 Minuten nicht auf. Zu wenig Tempo, zu viele Fehler und ein Gegner, der aufopferungsvoll kämpfte. Bezeichnend war die Szene in der 25. Minute, als Andersson endlich Platz hatte, jedoch in der Mitte den freistehenden Ujah übersah und Opfer der Platzverhältnisse wurde. Statt auf das Tor drosch der Schwede den versprungenen Ball irgendwo ins Nirgendwo.

Auf der anderen Seite musste Union-Torwart Rafal Gikiewicz gegen Yildirim (11.) und Janjic (16.) eingreifen, ja sogar Kopf und Kragen riskieren, um den Ball vor Janjic zu klären (37.). Nein, ein Drei-Klassen-Unterschied war nicht zu erkennen.

Kurz nach der Pause hatten die gut 1500 mitgereisten Union-Anhänger unter den 5153 Zuschauern in der ausverkauften Arena schon den Torschrei auf den Lippen. Doch Christian Gentner schoss das Spielgerät unbedrängt aus zehn Metern über das Tor von SC-Schlussmann Robin Brüseke (47.).

Union Berlin versucht es mit der Brechstange

Wenig später brachte Fischer Bülter für Ujah (60.). Und tatsächlich belebte der Offensivmann das Spiel der Berliner ein wenig. Bülter schoss in den ersten fünf Minuten nach seiner Einwechslung dreimal auf das Verler Tor – und damit in kürzester Zeit öfter als Union in der gesamten Stunde zuvor.

Doch es blieb ein zäher Kick, der nun den typischen Charakter der Partie eines Viert- gegen einen Erstligisten annahm. Verl schwanden mehr und mehr die Kräfte, derweil Union es mit der Brechstange versuchte, jedoch nicht den richtigen Hebel fand, um Verls defensive entscheidend aufzubrechen.

Ingvartsen umspielte Torwart Brüseke, legte sich den Ball aber auch zu weit vor – Außennetz (81.). Dann kam Robert Andrich. „Verl hat uns das Leben sehr schwer gemacht. Ich glaube aber, der Sieg ist nach 90 Minuten verdient. Meine Mannschaft fand genau die richtige Einstellung für dieses Spiel und für diese Verhältnisse“, sagte Trainer Fischer.

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