Bundesliga

Christopher Lenz ist Unions Dauerläufer

Christopher Lenz hat sich bei Union zum Stammspieler entwickelt und soll Dortmunds Sancho am Sonnabend wieder verzweifeln lassen.

Keine Angst vor großen Namen: Union Berlins Christopher Lenz (l.) im Duell mit Leipzigs Timo Werner.

Keine Angst vor großen Namen: Union Berlins Christopher Lenz (l.) im Duell mit Leipzigs Timo Werner.

Foto: Maja Hitij / Bongarts/Getty Images

Berlin. Im schlimmsten Fall sind es knapp 35 Kilometer pro Stunde – mit denen Christopher Lenz an diesem Sonnabend gegen Borussia Dortmund (15.30 Uhr, Sky) mithalten muss. So schnell ist nämlich BVB-Flügelflitzer Jadon Sancho unterwegs, wenn er zu einem seiner gefürchteten Sprints ansetzt. Dass Lenz, Außenverteidiger des 1. FC Union, da durchaus Schritt halten kann, hat der 25-Jährige schon im Hinspiel gezeigt. Als er Sancho beim 3:1-Überraschungssieg des Bundesliga-Aufsteigers gegen den Titelkandidaten gar nicht erst auf Betriebstemperatur kommen ließ.

Schließlich ist auch Lenz ein Dauerläufer. Was ihm bei den Köpenickern nicht nur den Stammplatz auf der linken Abwehrseite eingebracht hat – Lenz ist auch Unions großer Bundesliga-Gewinner. In der bisherigen Saison stand der Linksfuß in allen Partien über 90 Minuten auf dem Platz – abgesehen vom Auftritt in Leverkusen, als er nach 49 Minuten verletzt ausgewechselt werden musste und die folgende Partie gegen Frankfurt wegen Problemen mit dem Hüftbeuger verpasste. „Ich bin froh darüber, dass ich jedes Spiel gemacht hab, wenn ich fit war“, sagt Lenz. „Ich hoffe, dass es so weitergeht.“

Ausleihgeschäft nach Kiel gibt Union Berlins Lenz Selbstvertrauen

Dass so eine Fußballer-Karriere aber eben nicht immer geradeaus verläuft, weiß Lenz. Seinen Stammplatz in Unions erster Bundesliga-Elf hat er sich über einige Umwege erarbeitet. 2016 kam er nach Berlin, stand in der Hinrunde der Zweiten Liga aber nur einmal auf dem Platz. Also ging es erstmal zu Holstein Kiel, ausgeliehen, in die Dritte Liga. Doch eineinhalb Jahre an der Förde brachten Lenz zwei wichtige Dinge: Spielpraxis und Selbstvertrauen.

Als er im Sommer 2018 an die Alte Försterei zurückkehrte, saß ihm aber plötzlich Ken Reichel vor der Nase. Der 33-Jährige hatte sich den Platz als linker Außenverteidiger erarbeitet, für Lenz blieben die Reservistenrolle und elf Einsätze in der Zweiten Liga. „Manchmal musst du einfach geduldig sein“, sagt Lenz, der diese Tugend nicht unbedingt zu seinen Stärken zählen würde. „Aber du musst auch gierig bleiben. Die Situation kann sich immer ändern.“

Gespräch mit Union Berlins Trainer Fischer gibt Lenz Aufwind

Das tat sie. Mit dem Bundesliga-Aufstieg von Union begann auch Lenz‘ Weg nach oben. Getreu dem Motto: Zweite Liga, zweite Wahl. Erste Liga, erste Wahl. Gründe dafür gibt es viele. Einer ist in jedem Fall das Gespräch, das Lenz in der Bundesliga-Vorbereitung im Sommer 2019 mit Trainer Urs Fischer und Oliver Ruhnert, Unions Geschäftsführer Sport, führte. Unberechenbarer müsse er werden, sagten sie Lenz. Trotz seiner Stärken würde er oft zu schüchtern wirken, solle sich mehr zutrauen.

Ein anderer Grund ist der Systemwechsel, den Trainer Fischer nach den ersten Saisonpartien vorgenommen hat. Weg von der Viererkette, hin zur Dreierkette. Für Lenz bedeutete das mehr Freiräume im Offensivspiel. „Ich bin immer gern aktiv und muss durch die Spielweise noch mehr laufen“, sagt der Verteidiger. „Da kommst du öfter mal ins letzte Drittel und kannst einen Ball reinbringen. Oder selbst einen Abschluss machen – wie gegen Hertha, als ich den Ball an den Pfosten köpf.“

Das Derby gegen Hertha (1:0) – es war das für den gebürtigen Berliner „schönste Spiel“ der Hinrunde. Vor allem weil Lenz bei Stadtrivale Hertha ausgebildet wurde, nach 13 Jahren erst 2012 in die zweite Mannschaft von Borussia Mönchengladbach wechselte. „Ich bin vor Spielen eigentlich immer entspannt, aber vor dem Derby war ich schon aufgeregt“, sagt Lenz, der in Neukölln geboren wurde und in Marienfelde aufwuchs. „Für uns war klar: Wenn wir dieses Spiel gewinnen, machen wir uns schon teilweise unsterblich bei den Fans.“

Zufrieden gibt sich Lenz mit seiner Situation nicht

Doch trotz Stammplatz und Derbysieg würde Lenz noch nicht behaupten, dass er es geschafft hat. „Wenn ich mich jetzt darauf ausruhe, dann weiß ich, kann das auch schnell wieder anders aussehen. Das ist auch das, was der Trainer mir immer sagt“, erzählt er. Teamkollege Reichel lauert auf seine Chance. „Deswegen bin ich weiterhin ehrgeizig und will noch mehr“, sagt Lenz, der sich seit einigen Monaten vegan ernährt, um Entzündungen zu vermeiden und seinen Körper optimal auf den Leistungssport einzustellen.

Bislang funktioniert das ganz gut, abgesehen von den kleinen Hüftbeuger-Problemen ist Lenz in dieser Saison fit. Und kann am Sonnabend gegen Dortmund seinem Dauerläufer-Konto wieder einige Kilometer hinzufügen. „Mit der Leidenschaft, mit der wir spielen, haben sich schon viele Mannschaften schwer getan“, sagt Lenz. Borussia Dortmund hat das schon schmerzlich zu spüren bekommen. Ebenso Sancho. Dass ein Duell mit Union genauso wenig ein Spaziergang ist wie eines mit Lenz.

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