Rückrundenstart

Union muss die zweite Stufe zünden

Aufsteiger Union startet in Leipzig in die schwere Bundesliga-Rückrunde und setzt im Kampf um den Klassenerhalt auch auf Zugang Malli.

Union-Trainer Urs Fischer gibt seiner Mannschaft den Weg zum Klassenerhalt in der Bundesliga vor.

Union-Trainer Urs Fischer gibt seiner Mannschaft den Weg zum Klassenerhalt in der Bundesliga vor.

Foto: Bernd Thissen / picture alliance/dpa

Berlin. Die Rückrunde in der Fußball-Bundesliga wird im Allgemeinen als schwieriger erachtet. Das hat verschiedene Gründe. Die Unbedarftheit der ersten Saisonspiele ist weg, es gilt, entweder etwas zu verteidigen oder wieder gutzumachen.

Bei Union Berlin kommt im Speziellen noch eine andere, nicht unwichtige Komponente hinzu, auch weil es für die Köpenicker die allererste Spielzeit im Fußball-Oberhaus ist: Der Überraschungseffekt ist gänzlich verschwunden.

Alle 17 Konkurrenten wissen nun, wie die Mannschaft von Urs Fischer tickt, wo ihre Stärken und Schwächen liegen. Das macht die Aufgabe Klassenerhalt trotz des Überwinterns auf dem elften Tabellenplatz mit beachtlichen 20 Zählern inklusive eines Fünf-Punkte-Polsters auf die Abstiegsregion nicht einfacher.

Union Berlin will Kraft aus der Hinrunde schöpfen

Wenn nun zum Rückrundenstart gleich das Gastspiel bei Herbstmeister RB Leipzig am Sonnabend (18.30 Uhr, Sky) wartet, zugleich das erste von drei schweren Auswärtspartien in den ersten vier Spieltagen, wird deutlich: Union muss die zweite Stufe zünden.

„Wir haben in der Vorrunde gezeigt, dass wir mithalten können. Das müssen wir in jedes Spiel mitnehmen. Ich habe auch gesagt, dass die Rückrunde aus meiner Sicht schwieriger wird. Der Druck wird höher sein als noch in der Vorrunde“, machte Trainer Fischer ungeachtet des 0:4-Debakels im Hinspiel gegen Leipzig deutlich.

Damit seine Mannschaft diesem Druck standhalten kann, setzte Fischer ab der ersten Trainingseinheit in diesem Jahr auf mehr Präzision in den Anspielen, mehr Schnelligkeit im Umschaltspiel, mehr Kreativität im Aufbau. Um vor allem letzterem gerecht zu werden, liehen die Köpenicker am Freitag Yunus Malli vom VfL Wolfsburg aus.

Union Berlin setzt auf Mallis Kreativität

Der offensive Mittelfeldspieler spielt bis Saisonende für Union, weil er in dieser Spielzeit bei den Wolfsburgern „mit meinen Einsatzzeiten unzufrieden“ gewesen ist, „deshalb möchte ich nun endlich wieder regelmäßig auf dem Platz stehen.“

Der türkische Nationalspieler (25 Einsätze) kann dem Offensivspiel des 1. FC Union ein wenig von jenem Überraschungseffekt zurückbringen, der auch in der Rückrunde so wichtig werden kann. Eventuell sogar schon in Leipzig.

Der 27 Jahre alte, in Kassel geborene Profi mit deutscher und türkischer Staatsbürgerschaft zählte 2009 zum Kader der deutschen U17-Europameister und stand mit den U21-Junioren des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) 2015 im EM-Halbfinale.

Stürmer Andersson glaubt an Union Berlin

Ungeachtet der neuen Möglichkeit im offensiven Mittelfeld musste Fischer in den vergangenen zweieinhalb Wochen die Balance finden zwischen Auffrischung und Aufbesserung. Keine leichte Aufgabe, wie der Schweizer verdeutlichte: „Wenn du versuchst, zu viele Dinge zu verbessern, die nicht so funktionieren, verlierst du die Konzentration auf die Dinge, die funktioniert haben.“

In Leipzig, das weiß man auch beim Aufsteiger, muss vieles funktionieren, um gegen die beste Mannschaft der Hinrunde nicht nur von etwas Zählbarem träumen zu dürfen. Die Aufgabe könnte zum Start nicht schwieriger sein.

Der Glaube an die eigene Mannschaft ist jedoch intakt. Dieser Glaube kann zum entscheidenden Faktor werden, um das gesteckte Ziel zu erfüllen. „Wir haben keine Stars wie große Klubs, Bayern München oder Borussia Dortmund zum Beispiel“, sagte Sebastian Andersson, mit acht Toren Unions bester Torschütze in der Bundesliga, „aber wir haben einen guten Teamgeist, wir haben niemanden im Team, der nur für sich spielt. Alle arbeiten zusammen. Das kann unser Weg sein, um in der Bundesliga zu bleiben.“

Auch die Konkurrenz rüstet auf

Doch auch in Spielerkreisen werden die zweiten 17 Saisonspiele als schwieriger angesehen. „Das wird sicher schwerer als in der Hinrunde, wobei der Überraschungseffekt schon in den letzten fünf, sechs Spielen nicht mehr vorhanden war“, ist sich Marius Bülter sicher.

Unions Offensivmann blickt dabei auch auf verstärkt auf die Konkurrenz: „Wenn man sieht, wie sich die anderen Vereine verstärken. Da sind ja auch ein paar Vereine unten drin, mit denen man nicht gerechnet hat und die finanziell nun auch nachlegen können.“

Mitaufsteiger 1. FC Köln hat sich für die Rückrunde zum Beispiel die Dienste von Schalke-Stürmer Mark Uth per Leihe gesichert. Fortuna Düsseldorf holte mit dem Polen Dawid Kownacki (für 7,5 Millionen Euro von Sampdoria Genua verpflichtet) sowie dem Ex-Unioner Steven Skrzybski (von Schalke ausgeliehen) zwei neue Offensivkräfte und Werder Bremen verstärkte seine Abwehr mir Innenverteidiger Kevin Vogt aus Hoffenheim.

Union Berlin will seiner Linie treu bleiben

„Aber wenn wir es schaffen, die Stimmung und die Qualität im Training hochzuhalten, dann werden wir es am Ende auch schaffen“, glaubt Bülter.

Das entspricht ganz den Vorstellungen seines Trainers. „Wir müssen unserer Linie treu bleiben, um am Schluss das Ziel zu erreichen. Du hast in jedem Spiel immer eine Möglichkeit. Aber du darfst nicht nur darüber sprechen, du musst es immer versuchen, es auf dem Platz zeigen“, forderte Fischer.

Am Sonnabend, im Topspiel des 18. Spieltages, bietet sich für Union in Leipzig gleich die erste Gelegenheit dafür. Und die schwerste.

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