Kommentar

Die Bundesliga sollte sich an Union gewöhnen

Union hat mit dem erfolgreichsten Jahr der Klubhistorie die Bundesliga bereichert – und wird es auch weiter tun, meint Michael Färber.

Die Union-Profis Christopher Trimmel, Marcus Ingvartsen und Michael Parensen hatten bislang viel Spaß in der Bundesliga.

Die Union-Profis Christopher Trimmel, Marcus Ingvartsen und Michael Parensen hatten bislang viel Spaß in der Bundesliga.

Foto: RHR-FOTO / Dennis Ewert / picture alliance / RHR-FOTO

Zwei Niederlagen zum Abschluss des Jahres für Union Berlin, drei Spiele ohne Sieg – da ist der bittere Beigeschmack, der trotz ausgezeichneter 20 Punkte zum Ende der allerersten Bundesliga-Hinrunde mitschwingt. Weil in den letzten drei Spielen mehr möglich gewesen wäre als nur ein Punkt, vor allem zum Abschluss in Düsseldorf.

Und weil die Rückrunde gleich drei Auswärtsspiele in den ersten vier Partien für den 1. FC Union bereithält: bei Spitzenreiter RB Leipzig, Borussia Dortmund und Werder Bremen, nur unterbrochen vom Heimspiel gegen den FC Augsburg. Der eine oder andere Punkt mehr in diesem Jahr hätte da schon gutgetan.

Union Berlin kann sein erfolgreichstes Jahr feiern

Eines hat die letzte Partie des Jahres allerdings in keiner Weise geschmälert: das herausragendste, erfolgreichste Jahr der Vereinsgeschichte. Union hat die Bundesliga bereichert, mit zuweilen leidenschaftlichem Fußball, mit begeisternden Siegen gegen Dortmund und Mönchengladbach, mit Fans, die ihr Team immer (!) unterstützen, auch in Düsseldorf.

Eingeleitet wurde alles im Mai mit einer Aufstiegsrelegation, wie sie emotionaler nicht sein konnte. Und damit meine ich nicht die Profis auf dem Platz, sondern die Menschen, die Union seit Jahren oder sogar Jahrzehnten begleiten. Diese glückseligen Gesichter wird niemand vergessen. Erst recht nicht den Feiermarathon, den es in Berlin in dieser Form nie wieder geben wird.

Union Berlin mit einer Premiere nach der anderen

Dann all die Premieren im Oberhaus: allererstes Bundesligaspiel gegen RB Leipzig, emotional völlig überfrachtet; der erste Punkt in Augsburg nach dem ersten Tor durch Sebastian Andersson, inklusive des ersten Platzverweises durch Keven Schlotterbeck; der erste Sieg gegen Dortmund; der erste Auswärtssieg in Mainz; der erste Derbysieg in der Alten Försterei gegen Hertha BSC mit Sebastian Polter als neuem Derbyhelden – nur einige Eckpunkte einer rasant verlaufenden Hinrunde.

Sie bestätigen die Entwicklung vom etablierten Zweitligisten zu einem Verein, der der Bundesliga erhalten bleiben will – solide, unaufgeregt aber immer nach vorn gerichtet. Union startet im Sommer 2020 mit dem Bau des neuen Nachwuchsleistungszentrums.

Union Berlin hat große Ziele im neuen Jahr

Zu diesem Zeitpunkt erhofft man sich auch das Planungsrecht für die Erweiterung der Alten Försterei von 22.012 auf 37.000 Plätze. Ein halbes Jahr später will Union daraus Baurecht machen.

Und mit inzwischen knapp 35.000 Mitglieder schickt sich Union an, den Lokalrivalen Hertha BSC (37.000) als mitgliederstärksten Klub nicht nur in Berlin, sondern im Osten Deutschlands abzulösen.

Diese Entwicklung nötigt Respekt ab. Und wer die Protagonisten an der Alten Försterei erlebt, stellt fest: Sie ist längst nicht abgeschlossen. Die Bundesliga sollte sich also schon mal an Union Berlin gewöhnen.

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