Bundesliga

Dämpfer zum Schluss für Union

Aufsteiger Union beendet seine erste Bundesliga-Hinrunde mit einem 1:2 bei Fortuna Düsseldorf. Tor von Parensen reicht nicht.

Union-Torwart Rafal Gikiewicz (2.v.r.) und die Leere nach der Niederlage in letzter Minute in Düsseldorf.

Union-Torwart Rafal Gikiewicz (2.v.r.) und die Leere nach der Niederlage in letzter Minute in Düsseldorf.

Foto: Bernd Thissen / dpa

Berlin. Sein Blick? Desillusioniert, leer, auch ein wenig schockiert. Rafal Gikiewicz, bekannt für das Feuer in seinen Augen, seinen unbedingten Siegeswillen, war in jenem Moment am Sonntagnachmittag der wohl einsamste Mensch im Düsseldorfer Stadion.

Um den Torwart des 1. FC Union herum brach der Jubel wie eine Explosion aus, das Lager der Köpenicker schien hingegen zu implodieren. Die 90. Minute stand kurz vor der Vollendung, als Gikiewicz in der letzten wichtigen und am Ende entscheidenden Szene alles andere als gut aussah.

In der Meinung, der Distanzschuss des Düsseldorfers Erik Thommy würde aus 25 Metern vielleicht doch am Kasten vorbeifliegen, griff Gikiewicz nur halbherzig ein – und staunte nicht schlecht, als der Ball erst als Aufsetzer an den Pfosten, dann hinter die Torlinie sprang. Union verliert 1:2 (0:1) bei Fortuna Düsseldorf und beendet seine erste Hinrunde in der Bundesliga zwar mit ausgezeichneten 20 Punkten, aber auch mit zwei Niederlagen in Folge.

Union Berlin verschläft die erste Hälfte

„Ich habe den Ball zu spät gesehen, es war ein Flatterball. Wir haben hier zwei Sonntagstore kassiert“, ließ Gikiewicz später wissen. Trainer Urs Fischer gratulierte Düsseldorf zu einem „glücklichen, aber nicht ganz unverdienten Sieg“

Seiner Mannschaft attestierte der Schweizer, „die erste Hälfte komplett verschlafen“ zu haben, „wir waren überhaupt nicht im Spiel. Der Gegner war sehr aggressiv und lief unermüdlich an. Die zweite Hälfe lief so, wie wir es uns vorgestellt haben. Wir kamen nicht unverdient ins Spiel zurück, aber ein Fehler zu viel und man verliert ein Spiel, das man nicht hätte verlieren müssen. Eine Halbzeit genügt nicht, um in der ersten Liga Punkte mitzunehmen.

Union Berlin nur mit wenigen Vorstößen

Union begann konzentriert, war aufmerksam und lauffreudig. Den Düsseldorfern, denen Union-Trainer Urs Fischer eine „gute Organisation gegen den Ball“ bescheinigt hatte, sollte wenig Raum vor dem eigenen Strafraum gegönnt werden. Das gelang in der Anfangsphase wie gewollt. Für die Fortuna, die sich durch die Negativserie von sechs Spielen ohne Sieg wenig verunsichert zeigte, gab es kaum Raum.

Daraus ergaben sich zwei Dinge. Zum einen versuchten es die Düsseldorfer meist aus dem Hinterhalt – erfolglos. Torwart Rafal Gikiewicz musste nur bei einem Drehschuss von Dawid Kownacki wirklich eingreifen (20.).

Zum anderen tauchten die Berliner aber auch kaum vor dem Düsseldorfer Tor auf. Marius Bülter, für Anthony Ujah in die Startelf gerutscht (außerdem ersetzte Michael Parensen in der Abwehr Neven Subotic), traf nach sieben Minuten nur den Außenpfosten. Gut eine halbe Stunde später setzte Marcus Ingvartsen einen Kopfball zu hoch an (38.).

Union Berlin kassiert den ersten Sonntagsschuss

Dass Union quasi im Gegenzug das 0:1 kassierte, war auf die Unordnung in der eigenen Defensive zurückzuführen. Entstanden war diese durch das Fehlen Florian Hübners, der im Mittelfeld nach einem Luftduell gegen Fortunas Kapitän Oliver Fink am Boden liegen blieb.

Hübner hatte dabei den Arm Finks ins Gesicht bekommen, jedoch im Zuge der Sprung-, nicht einer Schlagbewegung. Schiedsrichter Benjamin Cortus (Röthenbach) ließ deshalb weiterspielen, und machte so den Weg frei für Rouwen Hennings.

Der 32 Jahre alte Angreifer drosch den von Fink verlängerten Ball oben links ins Eck des Union-Tores, Gikiewicz war ohne jede Chance bei diesem Treffer Marke Tor des Monats (38.). Union hatte dem nur noch einen halbherzigen Kopfballversuch von Marvin Friedrich entgegenzusetzen (45.).

Parensen mit erstem Bundesligator für Union Berlin

Für Union begann die zweite Halbzeit mit zwei Paukenschlägen. Hübner konnte nach seinem Zusammenprall mit Fink nicht mehr weiterspielen. Joshua Mees ersetzte ihn, Union stellte auf Viererkette in der Abwehr um. Und plötzlich stand es 1:1.

Nach einer Ecke von Union-Kapitän Christopher Trimmel konnte Düsseldorfs Matthias Zimmermann einen Kopfball Friedrichs zwar noch auf der Linie klären. Doch der Verteidiger bugsierte dabei den Ball direkt vor die Füße von Parensen, der aus drei Metern ungehindert zum Ausgleich einschob (48.). Es war der erste Bundesliga-Treffer für das Union-Urgestein (seit Januar 2009 im Verein) in seinem fünften Bundesliga-Einsatz.

„Unzufrieden wären wir nicht, wenn wir keine Punkte mitnehmen“, hatte Trainer Fischer noch vor dem Spiel gesagt. Was für die Hinrunde gilt, kann für das Spiel in Düsseldorf nicht gelten. Denn Union, beflügelt durch den Ausgleich, war nun klar am Drücker.

Union Berlin lässt beste Chancen ungenutzt

Torwart Steffen ließ einen Distanzschuss von Robert Andrich nach vorn prallen, Andersson verpasste, Gentner und Mees scheitern im Nachsetzen am Düsseldorfer Schlussmann (61.). Bülter aus 15 Metern (71.), dann wieder Anderson (72.) und Gentner (75.) – Union ging fahrlässig mit seinen Großchancen um.

Ein Sieg, der zweite in der Fremde, war greifbar nahe, auch weil Thommy nach verunglückter Gikiewicz-Abwehr über den Ball trat (78.) und der Union-Torhüter mit einem Riesenreflex das zweite Tor von Hennings verhinderte (83.). Dann ließ Trimmel den Düsseldorfer Thommy gewähren. Und nicht nur Gikiewicz schaute bei Union Berlin ins Leere.

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