Bundesliga

Hoffenheim beendet Unions Serie

Die Köpenicker unterliegen der TSG mit 0:2 und verpassen damit den fünften Heimsieg in Folge.

So ging es los: Ihlas Bebou (l.) von der TSG Hoffenheim trifft zum 1:0 vorbei an Berlins Christopher Lenz (Mitte) und Hoffenheims Sargis Adamyan.

So ging es los: Ihlas Bebou (l.) von der TSG Hoffenheim trifft zum 1:0 vorbei an Berlins Christopher Lenz (Mitte) und Hoffenheims Sargis Adamyan.

Foto: dpa

Berlin. Auch für den besten Aufsteiger in dieser Bundesliga-Saison wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Das musste der 1. FC Union beim 0:2 (0:0) gegen die TSG Hoffenheim schmerzlich erfahren. „Brutal ärgerlich“, empfand Union-Routinier Christian Gentner die Niederlage, „aber ab morgen gilt’s, den Kopf wieder hoch zu nehmen!“

Union wollte unbedingt den fünften Heimsieg in Folge. Das war dem Team von Trainer Urs Fischer vor 20.350 Zuschauern in der erstmals in dieser Saison nicht ausverkauften Alten Försterei anzumerken. Der Aufsteiger legte entschlossen los: hohes Tempo, den Gegner früh störend zielstrebig in Richtung Hoffenheimer Tor, mit Anthony Ujah als zweiter Spitze neben Sebastian Andersson, Marius Bülter musste dafür auf die Bank. Und mit Neven Subotic in der Abwehr statt Michael Parensen. Union wirkte derart motiviert, dass bei eigenem Eckball Hoffenheims Andrej Kramaric an der Mittellinie völlig allein gelassen wurde. Erst das energische Eingreifen von Torwart Rafal Gikiewicz und dem Trainerteam an der Seitenlinie schärfte die Sinne für den Alleingelassenen.

Union wirkte ein Stück weit beflügelt von den Erfolgen in den vergangenen Wochen, Ujah traf den Ball nicht richtig, als Marcus Ingvartsen von der linken Seite für den Angreifer auflegte. Doch auch die Anfangsviertelstunde ist irgendwann mal vorbei.

Je länger die Partie der Tabellennachbarn vor diesem Spieltag dauerte, desto schneller verflachte die Partie. Ja, Union hatte mehr vom Spiel, war die aktivere Mannschaft. Doch was nützt Aktivität ohne die entsprechende Kreativität? Nach 24 Minuten versuchte Christopher Trimmel etwas. Anstatt einen seiner gefürchteten Freistöße aus halbrechter Position in den Strafraum segeln zu lassen, schob er den Ball steil auf Ujah, dessen Schuss im letzten Moment noch geblockt wurde.

Und Hoffenheim? Nur ein Schatten früherer Jahre, in denen die Mannschaft für begeisternden Offensivfußball stand, sicher auch verunsichert, durch die Durststrecke der vergangenen Wochen, in denen die TSG nur einen Punkt aus vier Spielen geholt hat. In dem Wissen um die Heimstärker der Köpenicker versuchten die Gäste, Union herauszulocken, um dann schnell zu kontern. Nur die Berliner taten den Kraichgauern den Gefallen nicht, sondern empfingen den Gegner nach Ballverlusten sofort wieder mit ihrem Gegenpressing. Ging es dann doch einmal schnell vor das Union-Tor, vergab Kramaric aus 14 Metern kläglich. Ihlas Bebou hatte den TSG-Stürmer mustergültig in Szene gesetzt (40.). Bezeichnend für die abnehmende Qualität der Begegnung war ein 30-Meter-Freistoß des Hoffenheimers Robert Skov, der mäßig genug war, dass Torwart Gikiewicz ihn erst im Nachfassen sichern konnte.

Lenz fälscht beim ersten Tor unglücklich ab

Nach dem Wechsel wurde es hektisch. An der Eckfahne rechts neben dem Union-Tor, dort, wo sich die Reservisten warm machten, spitzelte Christopher Lenz den Ball Sebastian Rudy vom Fuß – und wurde dafür mit einem Schubser von Rudy bedacht. Schiedsrichter Sören Storks, sonst recht großzügig mit den Gelben Karten am Dienstagabend, beließ es bei Ermahnungen.

Lenz war auch in der für das Spiel weitaus wichtigeren Szene wenige Augenblicke später beteiligt, als Unglücksrabe. Nach einem langen Ball der Hoffenheimer kommt Bebou 20 Meter vor dem Union-Tor ziemlich frei zum Schuss. Lenz, in dem Versuch, den Ball abzublocken, fälschte die Schussbahn mit seiner Wade jedoch derart ungünstig ab, dass sich der Ball in hohem Bogen über Gikiewicz hinweg zum 0:1 ins Tor senkte (56.). Irgendwie hatte es genau so kommen müssen. Der Treffer zeigte Wirkung bei den Köpenickern. Union verstärkte seine Offensivbemühungen, ohne jedoch jene spielerische Wucht zu entwickeln, die die Mannschaft in den bisherigen Heimspielen so oft ausgezeichnet hatte. Zu viel blieb Stückwerk, zu viel entsprang dem Kampf, die Aktionen zu wenig durchdacht.

Trainer Fischer reagierte und brachte mit Sebastian Polter für Ujah und Bülter für Ingvartsen zwei frische, vor allem aber wuchtige Offensivkräfte. Wenn schon spielerisch nichts geht, dann wenigstens mit der Brechstange. Christian Gentner fasste sich von der Strafraumgrenze mal ein Herz – der Ball ging weit am TSG-Tor vorbei. Und doch mobilisierten die Eingewechselten auch bei den Mitspielern frische Kräfte. Zumal Fischer in den letzten gut zehn Minuten voll auf Offensive setzte und mit Suleiman Abdullahi einen weiteren Angreifer für Verteidiger Subotic brachte, der nicht seinen besten Tag erwischt hatte. Als dann auch noch Andersson aus zwölf Metern völlig freistehend an TSG-Torwart Oliver Baumann scheiterte (84.), war die vierte Heimniederlage nach dem 0:2 durch Christoph Baumgartner (90.+1) endgültig besiegelt.