Kommentar

Schluss mit dem Versteckspiel, Union!

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Michael Färber
Die Profis des 1. FC Union feiern den Sieg gegen Mitaufsteiger 1. FC Köln.

Die Profis des 1. FC Union feiern den Sieg gegen Mitaufsteiger 1. FC Köln.

Foto: dpa/Reto Klar/BM Montage

Aufsteiger Union will sich den Außenseiter-Status in der Bundesliga bewahren, hat dies aber gar nicht nötig, meint Michael Färber.

Ja, ist denn heut‘ schon Weihnachten? Der Kalender widerlegt, was die Tabelle deutlich bestätigt. Wenn der 1. FC Union nur noch fünf Punkte hinter den Bayern liegt, dann muss bereits Weihnachten sein. Oder zumindest ganz in der Nähe. Dass die Bayern derzeit nur Siebter sind, lässt sich mit einem Becher Glühwein sicher schnell ausblenden.

Nüchtern betrachtet, spielt Union eine Hinrunde, von der nur kühne Optimisten geträumt haben. 19 Punkte nach 14 Spielen, als Tabellenzehnter elf Punkte vor den Abstiegsplätzen und inzwischen derer sieben vor Lokalrivale Hertha BSC – erst anhand dieser Fakten wird deutlich, wie wichtig der Sieg gegen den 1. FC Köln am Sonntag gewesen ist.

Bei all der Entwicklung, die die Mannschaft in den vergangenen Wochen genommen hat, hat das 2:0 gegen den Zweitliga-Meister und Mitaufsteiger aus Köln eine letzte Frage beantwortet: Union kann auch in der Favoritenrolle bestehen.

Union Berlin ist kein Zufallsaufsteiger

Der Grund ist nicht im Sieg an sich, sondern in der Art seines Zustandekommens zu suchen. Obwohl eine Halbzeit lang keineswegs die bessere Mannschaft, sprang im entscheidenden Moment die Führung heraus. Wer solche Spiele gewinnt, der schafft auch den Klassenerhalt.

Letztlich war der sechste Saisonerfolg ein weiteres Mosaiksteinchen für jenes Bild, das Union mehr und mehr abgibt. Die Köpenicker präsentieren sich alles andere als ein Zufallsaufsteiger, der endlich mal Erstligaluft schnuppern darf.

Das sportliche Auftreten, die Entwicklung der Mitgliederzahlen, die unaufgeregten Planungen für die Erweiterung der Alten Försterei, die soliden Finanzen – das sind die Eckdaten eines Vereins, der seit Jahren darauf hinarbeitet, nicht nur in die Bundesliga aufzusteigen, sondern ihr auch erhalten zu bleiben.

Union Berlin darf sich nicht verstecken

Union hat es also gar nicht nötig, sich in jeder Situation den Status des Außenseiters zu bewahren. Deshalb: Schluss mit dem Versteckspiel, wenn es möglich ist. So wie zum Spiel gegen Köln.

Es war Klubpräsident Dirk Zingler höchstselbst, der erst auf der Mitgliederversammlung Ende November erneut verdeutlichte, ein Verhalten der Marke Dann-steigen-wir-nach-einem-Jahr-eben-wieder-ab – und damit den Duktus eines permanenten Außenseiters – gar nicht erst zulassen zu wollen.

Wer dies jetzt mit mangelndem Respekt oder gar fehlender Demut dem Gegner gegenüber interpretiert, hat dann wohl schon ein Gläschen Glühwein zu viel intus.

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