DFB-Pokal

Union ist Außenseiter, hat aber viel Auswärtserfahrung

Der 1. FC Union muss in der zweiten Pokalrunde in Freiburg antreten. Der Gegner scheint bezwingbar, brennt aber auf Revanche.

Den Ball immer im Blick: Unions Torhüter Rafal Gikiewicz mit Flugeinlage.

Den Ball immer im Blick: Unions Torhüter Rafal Gikiewicz mit Flugeinlage.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Große Spiele sind immer auch mit großen Gefühlen verbunden. Insofern erleben die Profis des 1. FC Union gerade sehr emotionsgeladene Tage. Der erste Auftritt in der Fußball-Bundesliga bei Bayern München am Sonnabend (1:2), das Zweitrunden-Pokalspiel am Dienstag beim SC Freiburg (18.30 Uhr/Sky) und natürlich das erste Derby mit Hertha BSC in der höchsten Spielklasse des Landes am Sonnabend (18.30 Uhr, Alte Försterei/Sky).

Die intensivsten Regungen erfährt vielleicht Torhüter Rafal Gikiewicz. In München feierte er seinen 32. Geburtstag, von Freiburg wechselte der Pole im Sommer 2018 nach Köpenick und kehrt nun erstmals dienstlich zurück an den Ort, an dem er sich als Bundesliga-Torsteher nicht etablieren konnte. Jetzt ist er ein wichtiger Grund dafür, dass Union in der Bundesliga spielt – und einen seiner zwei bisherigen Saisonsiege vor eineinhalb Wochen gegen Freiburg (2:0) feierte. „Das hat wie vier Punkte geschmeckt, nicht nur nach drei“, so Gikiewicz.

Wichtige Pokalerfahrungen in Dortmund gesammelt

Es hat den Breisgauern aber auch gezeigt, mit wem sie es zu tun haben. Union wie im ersten Duell zu unterschätzen, wird sicher nicht noch einmal vorkommen. „Der Sieg wird eher ein Nachteil sein, weil der SC Freiburg ziemlich bedient aus diesem Spiel nach Hause gegangen ist und auf Wiedergutmachung brennt“, sagt Oliver Ruhnert, der Geschäftsführer Profifußball bei Union. Aus dem Erfolg am Wochenende gegen Leipzig (2:1) und dem Vorrücken auf Rang drei der Tabelle werden die Freiburger zudem viel Schwung mitnehmen.

Die Favoritenrolle im Duell mit dem 15. der Tabelle aus Berlin ist damit eindeutig verteilt. Zumal Union im Pokal nicht gerade auf eine glorreiche Historie zurückblicken kann. Zuletzt standen die Köpenicker 2013/14 im Achtelfinale, schieden damals gegen den 1. FC Kaiserslautern daheim mit 0:3 aus. Neben dem Finaleinzug 2001 und der Achtelfinal-Teilnahme im Folgejahr stehen sonst nur Erst- und Zweitrunden-Niederlagen in der Bilanz.

Jüngst aber lieferten die Berliner in den Zweitrunden-Duellen große Leistungen ab, vor allem 2016 und 2018 jeweils auswärts bei Borussia Dortmund (2:3 n.V. und 1:4 n.E.). Union hat viel mitgenommen aus diesen Spielen, wichtige Erfahrungen gesammelt, die das Überwintern im Pokal zu mehr als einer Utopie machen. „Unser Ziel ist, in die dritte Runde einzuziehen“, sagt Ruhnert selbstbewusst. Obwohl die Auslosung den Berlinern erneut ein Auswärtsspiel beschert hat.

Freiburg muss ohne Luca Waldschmidt auskommen

Doch bei allem Frust, den Freiburg erlitten hat und nun auf dem Platz umsetzen will, konnten die Köpenicker ihrerseits Mittel finden, um dem SC zu schaden. Das lässt die Hoffnung auf eine Wiederholung des Erfolges zu. „Zumindest wissen wir, wie es geht“, sagt Stürmer Sebastian Polter. Er und sein Team werden von rund 1500 Fans in Freiburg unterstützt.

Während sich Freiburg in der ersten Runde beim Zweitliga-Absteiger Magdeburg schwer tat und erst in der Verlängerung durch einen Treffer von Luca Waldschmidt gewann, setzte sich Union mit 6:0 beim Viertligisten Germania Halberstadt. Nachdem Waldschmidt sich gegen Leipzig verletzte, fehlt den Breisgauern nun ein gefährlicher Angreifer. „Freiburg wird sicherlich umstellen“, sagt Polter. Nicht nur wegen Waldschmidt, sondern auch, „weil sie gewisse Dinge aus dem ersten Spiel mitgenommen haben“.

Obwohl das Derby gegen Hertha sicher eine weit höhere Priorität besitzt, spielt das in den Köpfen der Berliner noch keine Rolle. Erst recht nicht bei Rafal Gikiewicz. „Ich habe 13 Karten für Kumpels bestellt“, sagt der Torhüter: „Wenn ich auf den Platz gehe, bekomme ich bestimmt Beifall.“ Ein grandioses Gefühl.