Bundesliga

Union kassiert auch in Wolfsburg nur Lob

Aufsteiger Union verliert in Wolfsburg zum vierten Mal in Folge und hängt weiter im Tabellenkeller fest. Weghorst erzielt einziges Tor.

Unions Profis sind nach der Niederlage in Wolfsburg sichtlich enttäuscht.

Unions Profis sind nach der Niederlage in Wolfsburg sichtlich enttäuscht.

Foto: Cathrin Mueller / Bongarts/Getty Images

Wolfsburg. Christian Gentner nahm kein Blatt vor den Mund. „Es wird wieder Lob geben, aber das wollen wir nicht hören. Das war in Stuttgart genauso.“ Der Mittelfeldspieler des 1. FC Union weiß genau, wovon er redet. Der Abstieg der Schwaben in der vergangenen Bundesliga-Saison, den Gentner miterlebte, war begleitet von viel Anerkennung, aber wenig Punkten.

Ähnlich stellt sich die Situation der Köpenicker nach dem siebten Spieltag dar. Union liegt nach dem 0:1 (0:0) beim VfL Wolfsburg auf Relegationsplatz 16. Und natürlich gab es auch dieses Mal wieder Lob vom Gegner.

„Union hat es uns sehr schwer gemacht, unser System praktisch gespiegelt und uns über den ganzen Platz gejagt. Sie haben unser Spiel zu ihrem Spiel gemacht“, sagte Oliver Glasner, Coach der Wolfsburger. Nur Punkte gab es für die Berliner wieder keine, zum vierten Mal in Folge. Dabei hatte Fischer seine Mannschaft bestens eingestellt.

Union spielt mit Dreierkette in der Abwehr

Erstmals in dieser Saison begann Union mit einer Dreierkette in der Abwehr. Keven Schlotterbeck rückte dafür in die Startelf für Manuel Schmiedebach und positionierte sich neben Neven Subotic und Marvin Friedrich. Verstärkt wurde die Reihe in der Rückwärtsbewegung durch Kapitän Christopher Trimmel (rechts) und Christopher Lenz, der Ken Reichel ersetzte.

Offensiv gab es im 3-4-3 nur die logische Änderung: Sheraldo Becker spielte für den am Kreuzband operierten Akaki Gogia. Ganz ohne den Flügelspieler wollten die Köpenicker in Wolfsburg allerdings nicht auftreten: Alle Spieler trugen beim Warmmachen ein Shirt mit Gogias Rückennummer 7 sowie der Aufschrift „Come back stronger“ (Komm‘ stärker zurück).

Gogias Teamkollegen brauchten vor 27.012 Zuschauern jedoch gut 20 Minuten, bis sie sich mit der neuen Formation angefreundet hatten und ins Spiel kamen. Anders der Europa-League-Teilnehmer, der in der Anfangsphase untermauerte, warum er in dieser Spielzeit noch in allen drei Wettbewerben (Meisterschaft, DFB-Pokal, Europacup) ungeschlagen ist.

Union kämpft sich in die Partie

Union sah sich nach Ballverlusten schnellen VfL-Angriffen ausgesetzt. Schon nach sieben Minuten musste Torwart Rafal Gikiewicz Kopf und Kragen riskieren gegen Wout Weghorst. Drei Minuten später verfehlte Admir Mehmedi eine Hereingabe von Renato Steffen. Szenen, die Hunderte Union-Fans verpasst hatten, weil es bei der Anreise Probleme mit dem Bus gegeben hatte.

Sie verpassten auch, wie sich der Aufsteiger Schritt für Schritt in die Partie kämpfte. Keine Frage, das Fischer-Team zeigte Lauf- und Einsatzbereitschaft, so wie man es von einer spielerisch unterlegenen Mannschaft erwarten darf. Marius Bülter fasste sich nach 25 Minuten ein Herz – beginnend mit Unions erstem Torschuss konnte der Aufsteiger die Partie ausgeglichen gestalten.

Wie es gegen den VfL gehen könnte, zeigte sich immer dann, wenn schnell über die Außenbahnen gespielt wurde. Vor allem über den schnellen Becker wurde es immer wieder gefährlich, nur die Zuspiele des Niederländers in den Strafraum fanden keine Abnehmer.

Videoassistent verhindert Elfmeter gegen Union

In der Schlussphase der ersten Halbzeit hatte Union Glück, dass Williams Kopfball knapp am Tor vorbeiflog (35.) und Joao Victor einen Schlotterbeck-Querschläger durch den Union-Strafraum nicht nutzen konnte (43.).

„Wir treffen nicht immer die richtigen Entscheidungen“, mahnte Gentner an. Das traf auch auf die 53. Minute zu. Friedrich hatte Weghorst im Strafraum gehalten, Schiedsrichter Bastian Dankert hatte keine andere Wahl, als auf Elfmeter zu entscheiden.

Der VfL-Stürmer hatte sich schon den Ball zurechtgelegt, als sich der Videoassistent aus Köln meldete. Dankert überprüfte die Szene und revidierte seine Entscheidung: Weghorst hatte zuvor Hand gespielt. Nicht das erste Mal, dass Union vom Videoassistenten profitierte.

Unions Friedrich lässt Weghorst zu viel Raum

Es lief die 69. Minute, als der Unterschied zwischen einem Liga-Neuling und einem Europacup-Starter deutlich wurde. Weghorst hatte sich für einen kurzen Moment der Bewachung Friedrichs entzogen. Genug Platz für den Niederländer, um sich davonzustehlen, den Pass von Josip Brekalo zu empfangen und eiskalt an Torwart Gikiewicz vorbeizuschieben.

Union versuchte noch einmal zurückzukommen, doch Bülter (71., 80.) und Robert Andrich (90.+6) fehlten Präzision und auch ein wenig Glück. Insgesamt 14 Torschüsse wies die Statistik für Union aus, einen mehr als für den VfL.

So zog Trainer Fischer folgendes Fazit: „Aus meiner Sicht ist es ein glücklicher Sieg. Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht, waren ebenbürtig und haben viel aufgewendet. Einen Vorwurf müssen wir uns aber machen: Aus diesen Chancen musst du Kapital schlagen. Denn die Null zu halten, so weit sind wir noch nicht. Umso enttäuschender, dass wieder nichts heraussprang.“

Mehr über Union lesen Sie hier.