Bundesliga

Union-Kapitän Trimmel sorgt für Ruhe vor dem Sturm

Union-Kapitän Trimmel stellt sich vor dem Spiel gegen Frankfurt am Freitag schützend vor sein Team und sorgt für Ruhe beim Aufsteiger.

Union-Kapitän Christopher Trimmel (l.) schont weder sich noch den Gegner, hier Yussuf Poulsen von RB Leipzig.

Union-Kapitän Christopher Trimmel (l.) schont weder sich noch den Gegner, hier Yussuf Poulsen von RB Leipzig.

Foto: Jan Kuppert/SVEN SIMONvia www.imago-images.de / imago images / Sven Simon

Berlin. Christopher Trimmel, trägt eine schwarze Baseballkappe, ein schwarzes T-Shirt und schwarze Sportschuhe, als er zum Gesprächstermin erscheint. Schwarzseherisch gibt er sich aber überhaupt nicht, als er sich in einem Sessel niederlässt. Im Gegenteil.

Union, die Treter der Liga? „Naa“, sagt der 32 Jahre alte Kapitän des Aufsteigers, lehnt sich zurück und verschränkt die tätowierten Arme. „Ich finde net, dass wir eine dreckige Truppe sind.“ Der Österreicher mit leichtem Wiener Schmäh ist ein eloquenter Zeitgenosse. 45 Minuten lang erklärt er geduldig, dass die Platzverweise mitnichten zeigten, dass es in der Bundesliga einfach zu schnell zugehe für die Union-Spieler.

Immer wieder Niederlagen und Feldverweise zu erklären, scheint ihm auch nicht unangenehm zu sein. Der Kapitän hat sich sogar freiwillig für den Termin gemeldet. „Ich will ein paar Spieler schützen.“ Die Debatte um die Roten Karten war für ihn zuletzt etwas ausgeartet. Trimmel will vor dem Duell gegen Eintracht Frankfurt am Freitag (20.30 Uhr, DAZN) für Ruhe sorgen.

„Wichtig ist es, positiv zu bleiben“

Noch in Leverkusen war Trimmel direkt zu Rotsünder Polter gegangen und hatte ihm gesagt, dass die Berliner nicht wegen ihm verloren hätten. „Wir verlieren als Mannschaft“, sagt Trimmel. Das ist die Botschaft des Kapitäns.

Am stärksten, das kennt man aus Köpenick, ist Union, wenn man eine Trutzburg bilden kann und der Zusammenhalt stark ist. Dazu passt, dass die Berliner nach zwei Niederlagen zuletzt bekanntgaben, dass sich der Vertrag mit Trainer Fischer durch den Aufstieg bis 2021 verlängert hat.

Neu für den Aufsteiger ist dagegen das Gefühl, nach einem überaus erfolgreichen Zweitliga-Jahr plötzlich wieder öfter Spiele zu verlieren. „Wichtig ist es, positiv zu bleiben, die Stimmung hoch zu halten“, fordert Trimmel. Er appelliert an die Unterstützung der Ersatzspieler. „Die waren vergangene Saison die ersten, die nach Siegen gratuliert haben.“

Trimmel setzt auch auf die Fans

Trimmel baut auch auf das Publikum. Dass die Fans bei Union nie pfeifen, war ein Grund, 2014 von Rapid Wien nach Berlin zu wechseln. „Doch es war nicht immer alles häppy-päppy“, erinnert sich Trimmel an den vergangenen April, als Union den Aufstieg in Fürth fast schon verspielt zu haben schien. Der Anhang sei durchaus nicht unkritisch. „Voraussetzung ist, dass wir laufen und beißen.“

Das sieht sein Trainer genauso. Urs Fischer fordert „Einstellung, Teamgeist, Aggressivität gegen den Ball“, Dinge, die „jedes Wochenende abgerufen werden müssen“. Das war zuletzt in Leverkusen (0:2) nicht der Fall. Der Schweizer, der gegen Frankfurt neben dem gesperrten Polter weiter auf den angeschlagenen Mittelfeldspieler Grischa Prömel verzichten muss (Fischer: „Er arbeitet immer noch individuell“), hat auch ein klares Rezept gegen die eventuell aufkommende Meinung, Union sei eine Tretertruppe.

„Wir müssen uns in einigen Aktionen cleverer verhalten. Aber den Jungs zu sagen: Geht nicht mehr so aggressiv hin – das wäre ja Wahnsinn“, erklärte der Union-Coach: „Dennoch braucht es in der einen oder anderen Situation ein bisschen mehr Vorsicht, auch das Wissen, was du mit einem Foulspiel auslösen kannst.“

Trimmel will die Bundesliga genießen

Es spricht für den Trainer, dass er die Schuld nicht bei den Schiedsrichtern oder dem Videoassistenten sucht, sondern seine Profis in die Pflicht nimmt, es besser zu machen. Auch aus diesem Grund verriet Trimmel im „Morgenmagazin“ des ZDF: „Er passt perfekt zu uns. Es hat vom ersten Augenblick an funktioniert.“

Vor Saisonstart trafen Trimmel und der Mannschaftsrat sich mit Vertretern der Fanszene, um sich auf die Saison einzuschwören. Das erste Bundesligajahr der Vereinsgeschichte will Trimmel genießen und freut sich daher „mega“ auf das Freitagabendspiel gegen Frankfurt.

Und mit Flutlichtspielen hat Union durchaus positive Erfahrungen gemacht: in der Relegation gegen den VfB Stuttgart oder auch beim Sieg gegen Titelkandidat Borussia Dortmund. „Ich hoffe, dass es uns beflügelt“, sagte Fischer.

Trimmel erwartet „bombastische Stimmung“

Trimmel sieht das ähnlich: „Flutlichtspiele haben immer ein besonderes Flair.“ Der Rechtsverteidiger trifft auf Linksaußen Filip Kostic, der mit der Eintracht schon halb Europa überrannte. Sportlich werde das Spiel „eine Riesen-Herausforderung, die haben eine gute Mannschaft und geile Fans, die Stimmung wird bombastisch sein“.

Und da Zusammenhalt für den Kapitän nicht mit der Mannschaft endet, hat Trimmel Benjamin Köhler Karten besorgt. Für den ehemaligen Unioner, der auch neun Jahre bei Eintracht Frankfurt spielte, ist immer noch Platz im Stadion An der alten Försterei.

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