Bundesliga

Union braucht Schüler-Qualitäten

Aufsteiger Union und die fünf Erkenntnisse aus den ersten fünf Spielen in der Bundesliga. Über neue Rollen und den Sieg gegen Dortmund.

Trainer Urs Fischer gibt seiner Mannschaft Anweisungen.

Trainer Urs Fischer gibt seiner Mannschaft Anweisungen.

Foto: O.Behrendtvia www.imago-images.de / imago images / Contrast

Berlin. Ein Sieg, ein Unentschieden, drei Niederlagen, Platz 14 – Bundesliga-Aufsteiger 1. FC Union liegt zwei Plätze über dem ominösen Strich, der die Abstiegszone in Richtung Zweite Liga kennzeichnet. Und damit im Soll, denn der Klassenerhalt ist das oberste Ziel, dass sich die Köpenicker für diese Saison gegeben haben. Dies sind die fünf wichtigsten Erkenntnisse nach fünf Spieltagen.

Neue Spieler

Elf Profis, eine komplette Mannschaft, hat Union im Sommer geholt. Und sich damit auch in allen Mannschaftsteilen signifikant verstärkt. Neven Subotic und Keven Schlotterbeck werteten die Innenverteidigung nicht nur quantitativ auf.

Auch Robert Andrich gibt dem defensiven Mittelfeld im Zusammenspiel mit Christian Gentner insgesamt mehr Qualität. Vom Sommermärchen des zweifachen Torschützen Marius Bülter, der vor 15 Monaten noch in der Regionalliga für den SV Rödinghausen kickte, ganz zu schweigen.

Marcus Ingvartsen und Anthony Ujah geben der Offensive eine größere Breite. Lediglich die jungen Florian Flecker und Julius Kade fallen ein wenig ab. Investitionen in die Zukunft können sie allemal sein.

Neue Rollen

Wer gut einkauft, hat entsprechende Entscheidungen beim Stammpersonal zu treffen. Die Aufstiegshelden vom Mai finden sich jedenfalls mehr und mehr auf der Bank wieder. Nicht verschwiegen werden soll dabei, dass auch Verletzungen erheblich dazu beigetragen haben.

Doch selbst dann ist eine Rückkehr in die Startelf für Profis wie Florian Hübner, Manuel Schmiedebach, selbst Grischa Prömel, Suleiman Abdullahi oder Sebastian Polter nicht selbstverständlich. Für Joshua Mees oder Akaki Gogia scheint die Jokerrolle sogar zementiert.

Kein Freifahrtsschein für die Aufstiegshelden bedeutet auch: höhere Qualität beim Training, um den Platz zurückerobern zu können – und damit auch mehr Qualität auf dem Rasen. Trainer Urs Fischer wird dies freuen.

Neue Premieren

In zehn Jahren Zweiter Liga ist für Union vieles zur Normalität geworden. Das hat sich mit dem Aufstieg geändert. Das Interesse an den Köpenickern ist sprunghaft gestiegen, dazu gab es gleich diverse Premieren in den ersten Wochen zu feiern.

Das erste Bundesliga-Spiel gegen RB Leipzig. Das erste Bundesligator durch Sebastian Andersson, erzielt beim ersten Bundesliga-Punktgewinn in Augsburg (1:1), der erste Bundesliga-Sieg, noch dazu gegen Titelkandidat Borussia Dortmund (3:1) – alles Ereignisse, die nie wiederkommen und die ersten fünf Spieltage für Union so besonders machen.

Nicht nur Unions Geschichtsschreiber profitieren davon. In Erwartung eben jener Premieren hat die Mitgliederzahl längst die Marke von 30.000 passiert. Auch wenn es wegen der begrenzten Kapazität in der Alten Försterei (22.012 Plätze) schwierig wird: Die Fans wollen teilhaben an den neuen ersten Malen.

Neue Qualitäten

Dass die Bundesliga auch nach fünf Spieltagen noch Neuland für Union ist, steht außer Frage. Trainer Fischer sieht seine Mannschaft immer noch im Lernmodus, der durchaus auch bis zum Ende der Hinrunde dauern kann.

Denn Union sieht sich neuer spielerischer Qualität gegenüber, neuem Tempo, neuem taktischen Vorausdenken. Dass die Köpenicker zum Beispiel in Leverkusen vor allem in der ersten Halbzeit kaum in die Zweikämpfe gekommen sind, hat auch damit etwas zu tun, dass die Bayer-Elf mit ihrer Ball-Sicherheit Union gar nicht erst die Möglichkeit gab, in einen Zweikampf zu kommen.

Eigene Fehler beim Spielaufbau sind auch die Folge der höheren gedanklichen Schnelligkeit beim Gegner. Dies schnell zu lernen, ist ein wichtiger Trumpf im Kampf um den Klassenerhalt. Union braucht Schüler-Qualitäten.

Neue Beachtung

Was für Medien und Öffentlichkeit gilt, gilt auch für die Konkurrenz, spätestens nach dem Sensationssieg gegen Dortmund. Die Gegner wissen längst, wozu Union in der Lage sein kann, wenn die Mannschaft das Herz in beide Hände nimmt, mit totaler Leidenschaft verteidigt und auch Raum zum Kontern bekommt.

Kein Gegner, auch nicht Eintracht Frankfurt am Freitag (20.30 Uhr, Alte Försterei), wird Union noch auf die leichte Schulter nehmen. Welch Segen die drei Punkte gegen den BVB auch gewesen sind, für die kommenden Liga-Wochen könnten sie sich als Fluch erweisen.

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