Kommentar

Berlin braucht gute Nerven

Endlich hat die Bundesliga wieder ein spannendes Titelrennen. Nur auf Hertha und Union wartet eine harte Saison, meint Michael Färber.

Die Meisterschale ist das Objekt der Begierde.

Die Meisterschale ist das Objekt der Begierde.

Foto: firo Sportphoto/Marcel Engelbrecht / picture alliance / augenklick/firo Sportphoto

Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Vielleicht nicht in kosmischem Sinne, mit Blick auf das Profigeschäft Fußball allerdings schon. Zehn Jahre ist es also her, dass die Bundesliga ein echtes Titelrennen erlebte. Eines, in dem mehrere Mannschaften eine Hand nach der Meisterschale ausstreckten.

Genau darauf kann der geneigte Fan auch in dieser Spielzeit wieder hoffen. Kein FC Bayern, der davon marschiert und nicht wieder einzuholen ist. Kein Borussia Dortmund, das sich schnell von der Konkurrenz absetzt und über Wochen für Langeweile an der Tabellenspitze sorgt. Dass sich die Dortmunder von den Bayern vergangene Saison noch haben abfangen lassen – geschenkt. Aber Spannung?

Hertha darf sich nicht blenden lassen

Diese Saison wird anders. Zumindest sprechen nach fünf Spieltagen alle Vorboten dafür. RB Leipzig hat unter dem neuen Trainer Julian Nagelsmann noch mal einen Gang höher geschaltet. Der Dauermeister aus München hat im direkten Duell schon zu spüren bekommen, dass das Beste in den eigenen Reihen nicht mehr gut genug sein muss für einen erneuten Titelgewinn. Leverkusen kann mit enormem Tempo aufwarten, dazu natürlich die Dortmunder, die endlich vom ersten Spieltag an ein klares Ziel vor Augen haben: die Meisterschaft – das lässt auf Spannung bis zuletzt hoffen.

Nur Berlin braucht gute Nerven. Herthas erster Saisonsieg gegen Paderborn war immens wichtig, für Trainer Ante Covic und für den Klub. Nur: Wirklich Fußball gespielt haben die Covic-Schützlinge gegen den Aufsteiger auch nicht. Es fehlt immer noch der spielerische Beleg dafür, dass es unter dem neuen Trainer endlich weiter nach vorn geht. Hertha sollte sich durch den Erfolg gegen Paderborn nicht blenden lassen. Europa-League-Ansprüche lassen sich mit solchen Leistungen jedenfalls nicht erfüllen.

Union sollte sich bestätigt fühlen

Und Union? Das Debakel gegen RB Leipzig zum Auftakt hatte schon allen beim Aufsteiger gezeigt, wie der Klassenerhalt nicht gelingen kann. Durch den viel zu zaghaften Auftritt in Leverkusen sollten sie darin bestätigt worden sein. Der Sensationssieg gegen Dortmund darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass an jenem Abend alles gepasst hat, von einer unglaublichen Energieleistung der Unioner bis hin zu einem völlig ideenlosen Spiel des BVB.

Sollten die Vorboten für die Berliner Klubs tatsächlich die Tabellenplätze 14 und 15 bereithalten, wird dies allerdings nur Union freuen.