Bundesliga

Unions Abwehr – vom Bollwerk zur Baustelle

Union-Trainer Fischer muss seine Defensive wegen der Sperre von Subotic erneut umbauen. Die Kontinuität bleibt dabei auf der Strecke.

Union-Verteidiger Keven Schlotterbeck (r.) gilt als erster Kandidat für eine Rückkehr ins Abwehrzentrum.

Union-Verteidiger Keven Schlotterbeck (r.) gilt als erster Kandidat für eine Rückkehr ins Abwehrzentrum.

Foto: via www.imago-images.de / imago images / eu-images

Berlin. Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive Meisterschaften. Auf diesen einfachen Nenner bringen es viele Trainer, Spieler oder Klubverantwortliche im Profifußball. Der Hintergrund ist recht einfach: Wer kein Gegentor kassiert, kann ein Spiel schon mal nicht verlieren.

Die Defensive, sie war das Paradestück des 1. FC Union in der Aufstiegssaison. Nur 33 Gegentore kassierte die Mannschaft von Trainer Urs Fischer, so wenige wie kein anderes Zweitliga-Team 2018/19. Ein Grund für diese Stabilität ist auch in der Besetzung der Abwehr zu suchen. Hier konnte Fischer nahezu die komplette Saison auf ein Innenverteidiger-Duo Florian Hübner/Marvin Friedrich bauen.

Kontinuität auf dieser Position ist wichtig für die Abläufe und Automatismen, die in einer Mannschaft so schnell wie möglich greifen sollen. Weshalb Personalwechsel in diesem Bereich eher selten vorgenommen werden.

Subotics Erfahrung fehlt in Leverkusen

Es sein denn, man wird dazu gezwungen, so wie Unions Coach Fischer vor dem Spiel am Sonnabend bei Bayer Leverkusen. Weil sich Neven Subotic in der Schlussphase gegen Werder Bremen (1:2) zu zwei Fouls hinreißen ließ, die jeweils mit der Gelben Karte zu ahnden waren – und in der Summe mit einem Platzverweis.

Ausgerechnet Subotic wird den Köpenickern im schweren Gastspiel beim Champions-League-Teilnehmer nicht zur Verfügung stehen. Dabei war der deutsche Meister und DFB-Pokalsieger mit Borussia Dortmund extra verpflichtet worden, um genau in solchen Spielen wie nun in Leverkusen mit seinen Qualitäten und vor allem seiner Erfahrung Unions Hintermannschaft mehr Sicherheit zu verschaffen.

Subotic hatte sich nach seiner Knieverletzung, die er von seinem vorherigen Gastspiel beim AS Saint-Étienne mitgebracht hatte, gerade wieder in Form gebracht für die Bundesliga. Nun sorgt seine Zwangspause dafür, dass Fischer für das Abwehrzentrum erneut eine Lösung finden muss.

Schlotterbeck ist aus dem Rhythmus

Unions Innenverteidigung, das Bollwerk aus Liga zwei, bleibt damit in der Bundesliga eine Baustelle. Vier verschiedene Duos hat Fischer in den bisherigen fünf Pflichtspielen ins Rennen geschickt. Die Kombinationen Subotic und Keven Schlotterbeck wie in Augsburg (1:1) oder Subotic/Friedrich wie gegen Borussia Dortmund (3:1) und zuletzt Bremen scheiden für Leverkusen aus.

Im Erstrundenspiel des DFB-Pokals in Halberstadt (6:0) spielte Zugang Schlotterbeck neben Michael Parensen. Schlotterbeck ist auch der offensichtlichste Kandidat wenn es um einen Ersatz für Subotic geht. Nur: Der 22 Jahre alte Union-Profi hat gerade selbst erst eine Zwei-Spiele-Sperre abgesessen. Ein rüdes Einsteigen am zweiten Spieltag gegen den Augsburger Florian Niederlechner sorgte für die Zwangspause.

Trainer Fischer gibt sich wie immer zurückhaltend, wenn es um Personalien geht. „Mal schauen. Schlotterbeck hat jetzt auch zwei Wochen nicht gespielt, er ist ein bisschen aus dem Rhythmus, aber natürlich ist er eine Option.“

Parensen und Rapp mit wenig Spielpraxis

Tatsächlich hat der gebürtige Freiburger mit dem starken linken Fuß im Spielaufbau nicht nur gegen Dortmund und Bremen gefehlt. Im Freundschaftsspiel während der Länderspielpause gegen den Chemnitzer FC (3:1) kam Schlotterbeck nur zu einem 35-Minuten-Einsatz.

Gespielt hatten vornehmlich jene, die in der Bundesliga bislang überhaupt noch nicht zum Zug gekommen waren. Sie sollten ein wenig Spielpraxis sammeln. So standen gegen den Drittligisten in der Innenverteidigung Parensen und Nicolai Rapp knapp eine Stunde auf dem Platz.

Ob dies ausreichen wird, um im Duell gegen eine Spitzenmannschaft der Liga aushelfen zu können, darf bezweifelt werden, auch wenn Fischer mit Blick auf den großen Kader zu verstehen gibt: „Wir haben nicht nur Schlotterbeck, sondern zusätzlich den einen oder anderen Verteidiger.“

Hübner wartet auf sein Comeback

Was die Fragen nach Hübner aufwirft. Der Aufstiegsheld sei zwar „auf dem Weg zurück“, so Fischer. Die Heilung der Knieverletzung, erlitten gleich zum Auftakt der Sommervorbereitung, nehme „einen guten Verlauf“, sagte der Schweizer.

Doch beim Test gegen Chemnitz stand Hübner nicht einmal im Kader. Auch die Niederlage gegen Bremen musste der 28 Jahre alte Defensivmann von der Tribüne der Alten Försterei aus verfolgen. Gute Voraussetzungen für ein Comeback sehen anders aus.

So dürfte demnach alles auf eine Rückkehr von Schlotterbeck hinauslaufen, der auch bei der Bundesliga-Premiere gegen RB Leipzig (0:4) schon neben Friedrich in Unions Abwehrzentrum spielte.

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