Bundesliga

Auf Union wartet gegen Bremen der Alltagstest

Union muss gegen Bremen beweisen, dass der Aufsteiger auch im Bundesliga-Alltag bestehen kann. Darum ist diese Aufgabe so schwierig.

Unions Robert Andrich (l.) stoppt Dortmunds Marco Reus – Zweikampfhärte, die Union auch gegen Bremen braucht.

Unions Robert Andrich (l.) stoppt Dortmunds Marco Reus – Zweikampfhärte, die Union auch gegen Bremen braucht.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Vierter Spieltag in der Fußball-Bundesliga, der 1. FC Union empfängt am Sonnabend (15.30 Uhr, Sky) Werder Bremen in der Alten Försterei. Das Stadion ist mit 22.012 Zuschauern restlos ausverkauft. Angesichts der Liga-Kracher RB Leipzig gegen Bayern München oder Borussia Dortmund gegen Bayer Leverkusen ein Erstliga-Spiel wie jedes andere auch.

Ein Duell aus dem Bundesliga-Alltag – und genau deswegen eine Herausforderung für die Berliner. Auf die Mannschaft von Trainer Urs Fischer wartet die erste Begegnung, die weder durch die äußeren Umstände noch durch den Gegner eine besondere Gefühlswelt für die Köpenicker mit sich bringt. Oder sogar emotional total überfrachtet ist.

Man kann dem entgegenhalten, dass ein viertes Spiel im Oberhaus – erst recht, nachdem man viele Jahre auf den Sprung in die Erstklassigkeit hatte warten müssen – per Definition etwas Besonderes ist. Nicht abgestritten werden kann allerdings auch, dass es im Vorfeld des Bremen-Spiels im Vergleich zu den ersten drei Begegnungen eher ruhig ist.

Erste drei Union-Spiele voller Emotionalität

Die Premiere gegen RB Leipzig (0:4) war geprägt von der Ablehnung des Geschäftsmodells, welches Unions Gegner praktiziert, 15 Minuten Stimmungsboykott und diverse Proteste in Form von Transparenten inklusive. Vom Debüt-Auftritt einmal ganz abgesehen. Emotionen pur also.

Das Auswärtsspiel beim FC Augsburg (1:1) war gekennzeichnet von der Frage, ob Union es besser kann als gegen Leipzig. Gefordert war eine Leistung, die Zweifel an der Bundesliga-Tauglichkeit wegwischt, die nach dem Leipzig-Debakel möglicherweise aufgekommen waren. Eine Auftrag, den Union bestens erfüllt hat.

Schließlich die 90 Minuten gegen Borussia Dortmund (3:1), gegen eine Spitzenmannschaft der Liga und eventuell auch Europas. Ein „Wir haben keine Chance, also nutzen wir sie“-Spiel, dazu die besondere Beziehung von Verteidiger Neven Subotic zu seinem Ex-Klub BVB. Auch diese Aufgabe wurde mit Bravour und einem Sensationssieg (3:1) gemeistert.

Union soll Leistung von Dortmund bestätigen

Es passt ins Bild, wenn Trainer Urs Fischer von seinen Spielern fordert: „Es gilt, die Leistung gegen Dortmund zu bestätigen, weil wir da viele Dinge gut gemacht haben.“

Der Schweizer spricht von „Laufbereitschaft, die musst du wieder haben. Bremen wird sicher auch mehr Ballbesitz haben als wir. Das musst du aushalten.“ Gegen den BVB lief seine Elf 126 Kilometer und erzielte damit den Saisonbestwert – in der gesamten Bundesliga.

Natürlich soll seine Mannschaft auch wieder „nach vorn verteidigen“, sich nicht hinten reindrängen lassen, „aber auch versuchen, mit dem Ball Fußball zu spielen. Das haben wir gegen Dortmund zum Teil gemacht.“ Gegen Werder könnte das schwerer werden, als vielleicht angenommen, unabhängig vom fehlenden Extra-Schub, den der Rahmen den ersten drei Spielen gegeben hatte.

Konkurrenz weiß nun, wozu Union fähig ist

Unions Auftritt gegen Dortmund hat jedem gezeigt, wozu der Aufsteiger in der Lage ist. Dass mit ihm in jedem Fall zu rechnen ist, wenn es um den Klassenerhalt geht. Von jenem eher Mitleid hervorrufenden Bild, dass die Köpenicker gegen Leipzig abgegeben hatten, spricht niemand mehr.

Auch nicht Bremens Trainer. „Mir war vorher schon klar, dass sie eine sehr gute Mannschaft sind, mit besonderen Attributen“, sagte Florian Kohfeldt. Abgesehen von der Stimmung im Stadion „ist alles sehr homogen, alle wissen, was sie tun wollen. Das überträgt sich auch auf das Drumherum.“

Soll heißen: Auch wenn es noch sehr früh in dieser Spielzeit ist, wird Union längst als eine Mannschaft, als ein Klub wahrgenommen, der durchaus in der Lage ist, die Klasse zu halten. Wegen der Qualität im Kader und – sollte diese nicht ausreichen – durch den Teamgeist auf dem Platz.

Werder mit Personalsorgen in der Abwehr

Bestandteile, die gegen Dortmund zum Erfolg führten und nun auch gegen Werder zum Erfolg führen sollen. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass Dortmund uns auf die leichte Schulter genommen hat. Dortmund war in der einen oder anderen Situation zu wenig präzise“, sagte Fischer.

Die Bremer werden spätestens nach dem Studium des Union-Sieges gegen den BVB alles daran setzen, Bälle nicht leichtfertig herzugeben. Weshalb Fischer fordert: „Wichtig ist, dass wir auf unserem Weg bleiben, unser Gesicht zeigen, das wir zeigen wollen. Wir müssen weiter versuchen zu lernen, weil ich nicht das Gefühl habe, nach dem Sieg gegen Dortmund sind wir ausgelernt.“

Helfen könnte Union die Personalmisere des Gegners. Mit Kapitän Niklas Moisander (Muskelfaserriss) fehlt Werder der fünfte mögliche Startelf-Kandidat für die Abwehr, dazu meldete sich am Freitag auch noch Antreiber Maximilian Eggestein (Rückenprobleme) ab. Unions Chancen, vor allem über die schnellen Flügelspieler Marius Bülter und Sheraldo Becker gefährlich zu werden, werden dadurch gesteigert.

Union-Profis mit Fokus auf Bremen

Fischer ist sich jedenfalls sicher, dass seine Spieler den allerersten Sieg in der Bundesliga richtig einzuordnen wissen. Die Mannschaft habe, so der Union-Trainer, „unter der Woche den Fokus behalten“ für den nächsten Gegner Werder Bremen. Eben wie vor einem ganz alltäglichen Bundesliga-Spiel.

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