Bundesliga

Unions Friedrich: Rückkehr nach Augsburg ohne Reue

Unions Innenverteidiger Marvin Friedrich steht im Spiel bei seinem ehemaligen Klub FC Augsburg vor einer ungewöhnlichen Premiere.

Unions Innenverteidiger Marvin Friedrich (r.) beim Versuch, Leipzigs Angreifer Yussuf Poulsen zu stoppen.

Unions Innenverteidiger Marvin Friedrich (r.) beim Versuch, Leipzigs Angreifer Yussuf Poulsen zu stoppen.

Foto: Kai Wen¡¤fugete / picture alliance / Xinhua News Agency

Berlin. Ein wenig irritiert schaut er schon drein. Die Rückkehr nach Augsburg – ein besonderes Spiel? Nahezu regungslos nimmt Marvin Friedrich die erste Auswärtspartie des 1. FC Union in der Bundesliga zur Kenntnis: „Ich muss ehrlich sagen, das ist wie jedes andere Spiel auch, nichts besonderes. Vielleicht auch, weil ich dort nie gespielt habe.“

Wenn der Aufsteiger aus Berlin am Sonnabend (15.30 Uhr, Sky) in der Arena der Schwaben antritt, wartet auf den Abwehrspieler eine ganz persönliche Premiere.

Anderthalb Jahre war er in Augsburg, mit der Empfehlung von sieben Bundesliga-Spielen für Schalke 04 und einer mit dem deutschen Nachwuchs gewonnenen U19-Europameisterschaft (2014) war der damals 20-Jährige zum FCA aufgebrochen – nur zum Einsatz kam er bei den Profis nie.

Friedrich ist froh, „bei Union zu sein“

Wertschätzung für seine Fähigkeiten als Defensivspieler erhielt Friedrich erst bei Union – und hier vor allem, seitdem Urs Fischer das Traineramt im Sommer vergangenen Jahres übernommen hatte. „Ich bin froh, bei Union zu sein“, sagt Friedrich.

Bei den Köpenickern erlebte er in der Aufstiegssaison sein erstes, richtiges Profijahr, bestritt neben allen 34 Saisonspielen auch die beiden Relegationsspiele gegen den VfB Stuttgart (2:2, 0:0) – alle über die komplette Spielzeit, als einziger Feldspieler.

Um den Stellenwert richtig einzuordnen, den Marvin Friedrich für den 1. FC Union besitzt, genügt ein kurzer Blick in die Zeit der Vorbereitung. Um keinen anderen Spieler haben sich die Köpenicker nach ihrem Aufstieg mehr bemüht als um den Innenverteidiger.

Friedrichs Vertrag bei Union läuft bis 2022

Nach wochenlangen, zähen Verhandlungen mit dem FC Augsburg waren die Modalitäten schließlich geregelt, eine Ablöse um die zwei Millionen Euro ausgehandelt und ein Vertrag bei Union bis 2022 unterschrieben.

Friedrich, der bis Ende der vergangenen Saison nur ausgeliehen war (insgesamt eineinhalb Jahre) und wegen einer vertraglich festgelegten Option für eine Million Euro zunächst wieder nach Augsburg zurück musste, war nun ein „echter“ Unioner.

An die Tage, in denen auch ein Verbleib in Augsburg nie ganz ausgeschlossen war, mag sich der heute 23-Jährige nicht so gern erinnern. Am liebsten wäre es ihm, er könne die Zeit in Augsburg komplett aus seinem Gedächtnis löschen.

Als Augsburger fühlte sich Friedrich nie

„Mir wurde immer wieder gesagt, dass ich Spieler des FC Augsburg bin“, erzählt Friedrich, was aus vertraglicher Sicht sicher richtig gewesen ist. Nur als Augsburger gefühlt hatte er sich nie. Wie auch, wenn man nur in der Regionalliga Bayern (insgesamt 26 Spiele) zum Einsatz kommt.

Nun, im Sommer, hatten sie ihm immer wieder zu verstehen gegeben, „dass ich eine super Entwicklung bei Union genommen habe“, berichtet Friedrich: „Ich hatte mich damals aber klar positioniert und den Wunsch geäußert, zu Union zu wechseln und nicht mehr für den FC Augsburg zu spielen.“

Friedrichs Trainingsleistungen bestätigen den eher unaufgeregten Umgang mit dem Ex-Klub. „Ich habe bei ihm keine Anspannung wahrgenommen. Er hat gut trainiert, so wie man sich das vorstellt“, sagt Trainer Fischer.

Friedrich hat bei Fischer keinen Freifahrtschein

Nein, Friedrich habe sich nicht „aufgewühlt präsentiert, weil jetzt dieses Spiel ansteht“, so der Coach: „Er hat sich eher mit dem beschäftigt, was gewesen war. Wahrscheinlich hatte er auch keine allzu große Zeit, sich Gedanken zu machen, was in Augsburg sein könnte.“

Das Spiel gegen RB Leipzig, das 0:4-Debakel zur Bundesliga-Premiere, hat Friedrich aufgezeigt, „dass ich noch viel lernen muss. Und durch solche Spiele wie gegen Leipzig lernt man sehr viel“. Der gebürtige Kasseler nennt Dinge wie Stellungs- oder Kopfballspiel, trotz seiner 1,92 Meter Körpergröße, die es zu verbessern gilt. Auch was die Schnelligkeit angeht, darf er gern noch ein wenig zulegen.

Am Sonnabend in Augsburg will er es besser machen, wenn ihn Trainer Fischer („Er hat keinen Freifahrtschein“) lässt. „Ich weiß, dass Augsburg eine heimstarke Mannschaft ist, wo alle elf Spieler an einem Strang ziehen. Das wird ein sehr schweres Auswärtsspiel.“

Auch schwer für ihn, als ehemaliger Augsburger? Da er als Profi „nie für Augsburg gespielt habe, wird das ganz entspannt, würde ich sagen.“ Für Friedrich wird es eine Rückkehr ohne Reue.

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