Bundesliga

Wie Trainer Fischer den 1. FC Union aufs nächste Level hievt

Tempo, Präzision, Risiko: Coach Fischer hat viele Ideen, wie er Union erstligareif machen will. Doch nicht alle sind im Team angekommen

Trainer Urs Fischer (Mitte) arbeitet beim 1. FC Union an vielen Details.

Trainer Urs Fischer (Mitte) arbeitet beim 1. FC Union an vielen Details.

Foto: Soeren Stache / dpa

Windischgarsten.  Plötzlich beorderte Urs Fischer seine Spieler zurück. „Nein“, rief der Trainer des 1. FC Union, als es nach vollbrachter Übungseinheit darum ging, die Fußballtore wieder an ihren ursprünglichen Platz zu tragen. Fischers Anweisung ließ keinen Spielraum für Zweifel. „Das machen wir“, sagte der Schweizer.

Flugs hatte er zusammen mit seinem Trainerteam das Aluminiumgehäuse auch schon hochgestemmt, derweil er seine Profis auf die Reise schickte. Auslaufen statt aufräumen.

Es war eine, wenn nicht die Szene im Trainingslager in Windischgarsten, die am besten dokumentiert, wie intensiv Fischer den Aufsteiger fit macht für seine Premierensaison in der Fußball-Bundesliga. Kleinigkeiten wie das Wegräumen von Utensilien haben da nur selten Platz.

Nie waren die Union-Profis fitter

In den meist eineinhalb Stunden vorher geht es dafür richtig zur Sache. Fischer verlangt viel von seinen Spielern. Das Zauberwort in jeder Einheit heißt: Präzision.

Was sich bereits im Kurztrainingslager in Bad Saarow angedeutet hatte, fand nun in Oberösterreich seine Bestätigung. Nie ist ein Union-Kader fitter aus dem Sommerurlaub zurückgekehrt. Selten stand bereits so früh in einer Vorbereitung so intensiv der Ball im Vordergrund.

Das hilft. Dem Trainer bei seinem Vorhaben, jeden einzelnen Spieler auf ein besseres fußballerisches Niveau zu bringen. Und damit auch der Mannschaft bei ihrem Vorhaben, im Kampf um den Klassenerhalt eine gute Rolle zu spielen.

Handlungsschnelligkeit und Präzision

Zeit spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die Zeit, den Ball zu kontrollieren, ist in der Bundesliga aufgrund des höheren Tempos um einiges geringer als noch in Liga zwei. Handlungsschnelligkeit ist gefragt. Und Präzision.

„Nur eine Berührung“, schallt es von Fischer über den Platz, als beim Versuch, einen Umschaltmoment zu kreieren, das Spielgerät nicht direkt weitergeleitet wird. Eine Verzögerung, die im Erstliga-Alltag schon ausreicht, um den Ball gleich wieder zu verlieren.

„Mehr Zug“, ruft der Trainer, als das Tempo aus der Aktion genommen wird. Wenig später und ein wenig energischer: „Warte nicht auf die Lösung.“ Agieren statt reagieren, wenn es schnell nach vorn geht, und das mit Mut – so will Fischer seine Mannschaft sehen.

Fischer fordert Risiko und Fantasie

Es ist die bewährte Taktik eines Aufsteigers, aus einer guten Defensive mit schnellen Gegenstößen zum Erfolg zu kommen. Fehlervermeidung ist das A und O, was nicht bedeutet, dass Fischer keine Fehler im Einstudieren von Spielzügen zulässt.

„Risiko ist mir lieber“, gibt er seinen Spielern auf den Weg und fordert „mehr Fantasie“. Der Torabschluss soll gesucht werden. Das erhöht selbstredend die Chance, einen Treffer zu erzielen und verhindert, bei Ballverlust plötzlich selbst in eine Kontersituation zu geraten.

Und wieder: Präzision. Auch wenn es um den Torabschluss geht. Folglich schlägt Co-Trainer Markus Hoffmann entsprechende Töne an. „Ihr müsst genau wissen, was ihr machen wollt“, rügt der Österreicher. Stürmer Sebastian Polter weiß es, auch Marcus Ingvartsen oder Marius Bülter. Bei Marcel Hartel oder Felix Kroos ist vor dem Tor noch zu viel Überlegung dabei. Schon schlägt Hoffmann strengere Töne an: „Wer das Tore nicht trifft, macht Liegestütze.“

Noch wird zu viel quer gespielt

Dann verschafft sich auch Fischer nochmal Gehör. „Drei gegen Zwei, da muss ich aufs Tor schießen.“ Und noch ein wenig lauter: „Fünf gegen Drei, da muss ich aufs Tor schießen.“ Ihm fehlt die Geradlinigkeit in den Aktionen, zu oft wird quer gespielt, zu wenig steil – und zu unpräzise.

Die Tage von Windischgarsten offenbaren, wie hart der Weg ist, um den Aufsteiger auf ein neues Level zu bringen. Zu sehen ist aber ebenso eine Mannschaft, die die Kritik annimmt und auch umsetzt. Ein langes „Jaaa“ von Fischer bestätigt den Steilpass in die Schnittstelle der Viererabwehrkette. Schon ist Torgefahr da.

Ein „sehr gut“ von Hoffmann beendet eine erfolgreich umgesetzte Kombination, beginnend mit defensiver Ballstafette, öffnendem Diagonalpass und überlegtem Torabschluss. Trainer Fischer schaut sich jenes Schauspiel von der Seitenlinie aus an. Wenig sieht man ihn zum Sammelplatz auf dem Trainingsgelände zurückgehen – in den Händen die Träger mit den Trinkflaschen der Spieler. Auslaufen statt aufräumen.