BUNDESLIGA

Union stößt mit Ujah in neue Dimensionen vor

| Lesedauer: 4 Minuten
Anthony Ujah (l. hier hier im Trikot des FSV Mainz im Duell mit Herthas Niklas Stark) ist der neue Stürmer beim 1. FC Union

Anthony Ujah (l. hier hier im Trikot des FSV Mainz im Duell mit Herthas Niklas Stark) ist der neue Stürmer beim 1. FC Union

Foto: Foto: Gora / dpa

Der neue Angreifer wirbelt beim Aufsteiger die Sturm-Hierarchie mit Sebastian Polter und Sebastian Andersson durcheinander

Berlin. Diese Dimensionen kannten die Fans des 1. FC Union bisher nur aus der Zeitung. 13 Millionen Euro hatte der chinesische Erstligist 2016 für Anthony Ujah an Werder Bremen überwiesen. Jenen nigerianischen Stürmer, für den Bundesliga-Aufsteiger Union die Geldbörse nun so weit aufgemacht hat wie noch nie. Von zwei Millionen Euro Ablöse berichtet die „Bild“, die die Eisernen an den FSV Mainz zahlen. Schon klar, der Marktwert ist gesunken. Aber Union übertrifft mit dieser Summe den bisherigen Höchstwert von 1,6 Millionen Euro, den die Eisernen im Januar 2017 für die Rückkehr von Sebastian Polter an den englischen Zweitligisten Queens Park Rangers in die Hand genommen hatten.

Auch wenn eine solche Summe bei der einen oder andere Erstliga-Konkurrenz in der Portokasse verortet wird: Für Union ist es ein Aufstieg in neue Dimensionen, ermöglicht durch den ungleich höher dotierten TV-Vertrag im Oberhaus sowie den neuen Hauptsponsor-Vertrag mit dem Immobilien-Unternehmen Aroundtown. Insgesamt wird der Etat von Union nach dem ersten Bundesliga-Aufstieg­ von knapp 50 Millionen Euro in Liga zwei auf über 70 Millionen Euro klettern.

Der Drei-Jahres-Vertrag von Stürmer Ujah gilt sowohl für die erste­ als auch die Zweite Liga. Und es stellen sich Fragen:


Warum wechselt Ujah zu einem Aufsteiger?

Da muss man sagen, dass das Pech von Ujah das Glück seines bisherigen Arbeitgebers war. So erzielte das FSV-Sturmtrio Jean-Philippe Mateta (21 Jahre), Robin Quaison (25) und Karim Onisiwo (27) 14 und sieben und sieben Tore. Für Ujah blieb zumeist die Jokerrolle. Bei seinen 22 Saisonsätzen wurde er 16 Mal eingewechselt. Mit Blick auf seine jüngeren Konkurrenten in Mainz wollte Ujah (28) nun zu einem Verein, bei dem er deutlich mehr Einsätze erhält.

Eine Startelf-Garantie gibt es auch bei Union nicht. Dass aber der Rekordeinkauf erstmal­ das Vertrauen von Trainer Urs Fischer genießt, darf als sicher angenommen werden.

Was erhofft sich Union von Ujah?

Als Aufsteiger werden die Köpenicker als erste Tugend auf ein kompaktes Auftreten aus einer stabilen Defensive heraus setzen. Sind Bälle in der Abwehr oder im Mittelfeld erobert, wird Union ein gutes Umschaltspiel brauchen. Rouven Schröder, Sportvorstand in Mainz, beschreibt Ujah als „athletisch, zielstrebig und abschlussstark“. Drei Qualitäten, die der Neuling gut brauchen kann, um das Ziel vom Klassenerhalt, das Union-Präsident Dirk Zingler ausgegeben hat, zu erreichen.

Beobachter in Mainz loben Ujahs besondere Laufbereitschaft, egal, ob es offensiv mit dem Ball oder defensiv gegen den Ball geht. Auch seine Joker­fähigkeiten werden herausgestellt: Wird der Angreifer eingewechselt, brauche er keine Zeit, um Betriebstemperatur zu erreichen. Er sei sofort präsent.

Ein weiteres Plus, auf das sich Union freuen kann, ist die Teamfähigkeit von Ujah. Keine Starallüren – einfach ein guter Typ.

Was bedeutet Ujah für die Platzhirsche Polter und Andersson?

Für Suleiman Abdullahi, Nigerianer wie Ujah, wird sich nichts ändern. Union hat den von Eintracht Braunschweig ausgeliehenen Stürmer gerade fest verpflichtet und mit einem Arbeitspapier bis 2022 ausgestattet. Abdullahi war es auch, der Union mit seinem Tor zum 1:1 im Relegationshinspiel beim VfB Stuttgart den Aufstiegstraum ein entscheidendes Stück näher gebracht hatte. Trainer Fischer setzt auf Abdullahis Schnelligkeit und Torgefahr.

Gespannt darf man sein, was der Neue für Sebastian Andersson und Sebastian Polter bedeutet. Der Schwede Andersson hat zwölf Tore und sechs Assists zum Aufsteig beigesteuert, er ist fußballerisch etwas besser einzuschätzen als Polter. Der ist Fanliebling und Motivator. Obwohl er durch Verletzungen gehandicapt war, hat er neun Tore erzielt. Dennoch: In der Annahme, dass Ujah gesetzt ist, wird einer der beiden in der Bundesliga deutlich weniger Spielzeit erhalten als vergangene Saison.

Die Situation würde sich ändern – auch wenn das eine oder andere Fanherz schwer würde, falls Union einen der beiden, Andersson oder Polter, abgibt. Das Transferfenster ist bis Montag, den 2. September, geöffnet. Vor Union liegt ein spannender Sommer.