Fussball

„Das wird Spaß machen mit 35.000 Unionern im Olympiastadion“

Carsten Wagner ist seit 17 Jahren Fan der Eisernen. Nach dem Aufstieg in die Bundesliga freut er sich besonders auf eines.

Nach Unions Aufstieg feiern die Fans auf dem Rasen. Darunter auch Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung (li.), Tobias Martin und Carsten Wagner. 

Nach Unions Aufstieg feiern die Fans auf dem Rasen. Darunter auch Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung (li.), Tobias Martin und Carsten Wagner. 

Foto: CARSTEN WAGNER

Berlin.  Viel hat Carsten Wagner in der Nacht zu Dienstag nicht geschlafen. „Es wurde ein bisschen spät“, sagt der 47 Jahre alte Union-Fan der Berliner Morgenpost an dem Tag nach dem Aufstieg der Eisernen in die erste Liga.

Wie viele andere Fans stürmte er nach dem Abpfiff den Platz im Stadion An der Alten Försterei und feierte mit Freunden und anderen Anhängern den Sieg seiner Berliner Lieblingsmannschaft.

Und ja, ein Stück Rasen hat er auch mitgenommen. Zur Krönung des Abends gab es eine Bierdusche von Felix Kroos. „Das war einfach der Wahnsinn und ich kann immer noch nicht so richtig glauben, dass es geklappt hat“, sagt er.

Sein erstes Union-Spiel sah er vor 17 Jahren, damals spielte die Mannschaft auswärts gegen Mainz 05. Ein Freund hatte Wagner mitgenommen, der damals noch in Wiesbaden lebte.

Fans bauten das Stadion in Köpenick zusammen auf

Der Verein stieg damals von der Zweiten Liga „in die unendlichen Tiefen“ ab, wie der Fan heute sagt. „Trotzdem hat mich schon damals die Fankultur beeindruckt.

Da war richtig Stimmung, es wurde gesungen und wir hatten trotz allem Spaß. Seitdem bin ich ein Unioner“, erinnert er sich.

Als er etwas später für den Beruf nach Berlin zog, trat er dem Verein bei und half beim Aufbau des Stadions An der Alten Försterei mit. Er strich Zäune, kümmerte sich um Erdarbeiten und übernahm den Wachschutz auf der Baustelle.

„Da stehst du neben Menschen auf der Baustelle, die du nicht kennst und mit denen du wahrscheinlich sonst nie in Kontakt gekommen wärst und baust gemeinsam etwas auf. Das ist der Hammer“, sagt Carsten Wagner. Er hält bis heute eine Aktie an dem Stadion.

Sechsjährige Tochter kommt mit zu den Spielen

Obwohl er als Geschäftsführer eines Wirtschaftsverlages viel arbeitet und Familie hat, besucht er fast jedes Heimspiel. Bei Auswärtsspielen ist er zwei bis drei Mal pro Saison dabei. „Trotz der Größe des Vereins ist das doch irgendwie Familie, egal, wer neben mir im Stadion steht“, sagt der Union-Anhänger.

Seit einem Jahr nimmt er seine sechsjährige Tochter mit zu den Spielen. Das würde er aber nicht in jedem Stadion in Deutschland machen, sagt er.

Die Unioner würden zwar gerne feiern, blieben dabei aber immer friedlich. Es sei eine gewisse Fankultur, die bei anderen Fußballvereinen nicht selbstverständlich sei.

„Bei uns werden Gegner nicht ausgebuht, ehemalige Spieler begrüßen wir als Fußballgott“, sagt Wagner. Doch trotzdem würden in seiner Brust zwei Herzen schlagen: Das alte, wie er sagt, für seinen Heimatverein Eintracht Frankfurt – das andere für Union.

Keine Angst vor Kommerzialisierung des Vereins

Unter seinen Kollegen und Mitarbeitern, die in ganz Deutschland verteilt sind, wüssten viele von seiner Leidenschaft für den Berliner Verein – so hätten ihm am Montag auch Eintracht-und Mönchengladbach-Fans die Daumen gedrückt.

Dass der Verein im Oberhaus seinen Haushalt von aktuell 47 Millionen Euro fast verdoppeln, gegen stärkere Gegner spielen und viel mehr mediale Aufmerksamkeit bekommen wird, sieht der Fan nicht als Gefahr für den originellen Charakter der Mannschaft.

„Eine Kommerzialisierung befürchte ich überhaupt nicht. Dafür sind der Zusammenhalt unter den Fans und die Verbundenheit mit der Mannschaft viel zu groß“, sagt Carsten Wagner.

Leistungsträger sollen gehalten werden

Über mögliche Neuzugänge für die Mannschaft hat er sich noch keine Gedanken gemacht. Aber ihm ist wichtig, dass Leistungsträger gehalten werden. Manche sind schon seit langem dabei.

„Dass Michael Parensen, der mittlerweile seit über 10 Jahren bei Union spielt, gestern kurz vor Spielende noch einmal eingewechselt wurde, fand ich großartig“, sagt der Union-Anhänger.

Für Parensen, und gewissermaßen auch für Carsten Wagner, war es der zweite Aufstieg mit den Eisernen. Letzterer freut sich schon auf ein Hauptstadt-Derby mit Hertha. „Ich glaube das wird Spaß machen mit 35.000 Unionern im Olympiastadion.“