Bundesliga-Relegation

Union-Kapitän Trimmel sieht sich in der Pflicht

Unions Kapitän Trimmel ist im Relegations-Rückspiel gegen Stuttgart gesperrt. Wie der Österreicher seinem Team dennoch helfen will.

Christopher Trimmel, Unions Kapitän, will bis zum Spiel am Montag alles geben.

Christopher Trimmel, Unions Kapitän, will bis zum Spiel am Montag alles geben.

Foto: Boris Streubel / Bongarts/Getty Images

Berlin. Es ist schon erstaunlich, mit welchem Pragmatismus er seine Sperre hingenommen hat. Zumindest nach außen wirkte Christopher Trimmel nicht enttäuscht, dass er im Rückspiel der Relegation zur Bundesliga nicht dabei sein wird.

„Das ist alles okay, ich habe Vertrauen in den Kader“, sagte Trimmel, lächelte dabei sogar ein wenig, „ich werde mich jetzt auch nicht in den Flieger setzen und in den Urlaub fliegen.“ Stattdessen will er – um seine Mitspieler entsprechend vorzubereiten – „bis zu diesem Spiel bestmöglich trainieren“.

Dieses Spiel, das zweite gegen den VfB Stuttgart, das wichtigste der jüngeren Vereinsgeschichte – ausgerechnet in dieser Partie muss der Kapitän des 1. FC Union von außen mitansehen, vielleicht auch mitleiden, in jedem Fall mitfiebern, wie seine Teamkollegen um den letzten Erstliga-Platz für die kommende Saison kämpfen werden.

Friedrich rückt zum Union-Kapitän auf

Dabei hätte es gerade Trimmel verdient gehabt, seine Mannschaft am Montagabend (20.30 Uhr, Eurosport-Player und im Morgenpost-Liveticker) in der Alten Försterei auf den Rasen und im besten Falle auch ins Oberhaus zu führen. In 32 Saisonspielen war er vorangegangen, ebenso beim 2:2 im Hinspiel am Donnerstag.

Nur zweimal hatte er gefehlt: am zwölften Spieltag in Regensburg (1:1), als ihm Trainer Urs Fischer nach 120 DFB-Pokalminuten bei Borussia Dortmund (2:3 n. Verl.) eine Pause gegönnt hatte, sowie am 20. Spieltag auf St. Pauli (2:3), weil er seine erste Gelbsperre absitzen musste. Doch am Donnerstag im ersten Duell mit den Schwaben „musste ich ein-, zweimal ein taktisches Foul machen, auch bei der Gelben Karte“, wie Trimmel erklärte.

Nach knapp einer Stunde wusste sich Unions Rechtsverteidiger an der Eckfahne nur mit einem Foul gegen Nicolas Gonzales zu helfen. Gelb und damit die Sperre waren die logische Folge. Da auch Felix Kroos als Vize-Kapitän wegen einer Gelbsperre fehlen wird, dürfte Innenverteidiger Marvin Friedrich, am Donnerstag Torschütze zum 2:2, als zweiter Stellvertreter zum Kapitän aufrücken.

Trimmel löste im Sommer Kroos ab

„Ich hatte es vor dem Spiel schon betont: Es wird keine Rücksicht genommen auf so etwas“, erklärte Trimmel. Das Regelwerk will es so, dass die Gelben Karten aus der regulären Saison in die Relegation mitgenommen werden. „Ich verstehe diese Regel nicht ganz, aber sie ist so, damit müssen wir klarkommen“, kommentierte Trainer Urs Fischer.

Und wieder: Pragmatismus. Er ist ohne Zweifel einer der Gründe, warum der Schweizer Fischer zu Saisonbeginn den Österreicher Trimmel zum Nachfolger von Felix Kroos als Union-Kapitän auserkoren hatte. Hinzu kommt die Professionalität, die der 32 Jahre alte Profi in jedem Training zeigt. Von seinen Qualitäten bei Ecken und Freistößen oder seinen Vorstößen auf der rechten Seite einmal abgesehen.

Dass er Union am Montag fehlen wird, steht außer Frage. „Er ist unser Kapitän“, sagte Fischer mit Nachdruck. Und wird sich bis Montag weniger mit Trimmels Fehlen, als vielmehr damit beschäftigen, wer ihn ersetzen könnte, Julian Ryerson, auch Michael Parensen oder Christopher Lenz sind Kandidaten.

Union-Profi seit 2014

Sei dem 2:0 gegen den Hamburger SV Ende April „haben wir unser Selbstvertrauen zurück. Es macht derzeit riesig Spaß, bei Union Fußball zu spielen und auch zu trainieren“, sagte Trimmel. Er muss es wissen, schließlich trägt er seit 2014 das Union-Trikot. Es sei selten, dass „wir schlecht trainieren“.

Geht es nach ihm, wird dies auch für die letzten Trainingseinheiten bis zum Montag der Fall sein. „Ich bin Kapitän dieser Mannschaft, da ist es meine Pflicht, dass ich bis zum Spiel alles gebe“, will Trimmel bis zum Schluss Verantwortung übernehmen.

Ein bisschen Wehmut, dass er nicht mehr tun kann für den letzten Schritt in Richtung Bundesliga, wird früh genug aufkommen. Spätestens mit dem Anpfiff am Montagabend.

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