Zweite Liga

Für Union geht es in Bochum um alles

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Unions Profis sind bereit für das Spiel in Bochum.

Unions Profis sind bereit für das Spiel in Bochum.

Foto: Matthias Kochvia www.imago-images.de / imago images / Matthias Koch

Union kann mit einem Sieg in Bochum in die Bundesliga aufsteigen – wenn Dresden gegen Paderborn mithilft. Mittendrin: zwei Ex-Unioner.

Berlin. In Berlin wären sie nur die Nummer fünf. Bundesweit sogar nur die Nummer 56. An der Einmaligkeit, die auf den 1. FC Union wartet, ändert dies allerdings gar nichts. Die Bundesliga, gelobtes Land im deutschen Fußball, für die Köpenicker lange so weit entfernt, und jetzt zum Greifen nah. Näher als jemals in der Klubhistorie.

55 Mannschaften haben vorgemacht, wie es geht, ein Teil der Bundesliga zu sein, die einen dauerhaft, andere nur temporär, darunter Hertha BSC, Tennis Borussia, Blau-Weiß 90 und Tasmania 1900. Nun also Union. Ausrufezeichen, wenn es nach den Klubverantwortlichen geht, dem Trainer und der Mannschaft, den Fans sowieso.

Doch es bleibt ein Fragezeichen, eines, dass in den letzten 90 oder mehr Saisonminuten am Sonntag (15.30 Uhr, Sky) zu beantworten gilt. In Bochum, von Herbert Grönemeyer einst als keine Weltstadt besungen, tief im Westen, beim VfL.

Union muss auf Dresden hoffen

Auf die Mannschaft von Trainer Urs Fischer wartet mehr als nur ein Spiel. Es wartet ein Duell, dass zur Legende werden kann, wegen der mehr als 5000 mitgereisten Union-Anhänger, die den letzten Auswärtsauftritt zum Heimspiel werden lassen wollen. Auch wegen der Hilfe, die dringend nötig ist, ausgerechnet vom Ost-Rivalen Dynamo Dresden, der gegen den Tabellenzweiten SC Paderborn punkten muss.

„Wenn wir unsere Aufgabe erfüllen, könnte es möglich sein“, sagt Trainer Fischer. Zurückhaltend, wie der Schweizer nun mal ist, und doch erfüllt von der Hoffnung, gleich in seiner ersten Saison bei den Köpenickern deren bereits erfolgreichste Saison noch ein Stück erfolgreicher zu machen.

„Natürlich hoffst du“, gibt Fischer zu. Und er lässt nichts unversucht, um diese Hoffnung auch zu erfüllen. Bereits am Freitagnachmittag, einen Tag früher als sonst, machte sich die rot-weiße Reisegruppe auf nach Bochum. Auch weil Fischer am Sonnabend den möglichen Relegationsgegner VfB Stuttgart im Spiel auf Schalke unter die Lupe nehmen wollte. Sicher ist sicher.

Unions kompletter Kader fiebert in Bochum mit

Der gesamte Kader wird am Sonntag in Bochum sein, um jene 18 Spieler zu unterstützen, die das bislang Unmögliche möglich machen sollen. Dabei wird es egal sein, ob Union wie zuletzt mit einer Raute im Mittelfeld antritt oder mit zwei defensiven Mittelfeldspielern.

Es wird vor allem auf den Willen ankommen, um „am Ende einer langen, intensiven und kräfteraubenden Saison“ den einen Schritt mehr zu machen, den einen Zweikampf mehr zu gewinnen oder den einen Torschuss präziser anzusetzen. Erst recht, sollte aus Dresden das Signal kommen, dass Paderborn die Tür zur Bundesliga für Union noch weiter aufgestoßen hat.

„In Bochum gewinnst du nicht einfach so“, weiß nicht nur Fischer: „Sie werden sich entsprechend von ihrem Heimpublikum verabschieden wollen. Wir müssen alles abrufen, was nötig ist.“

„Bislang ist noch nichts erreicht“

Die Voraussetzungen dafür sieht der Trainer gelegt. Die zweieinhalb freien Tage nach dem 3:0 im letzten Saison-Heimspiel gegen Magdeburg seien gut gewesen, sagte der 53-Jährige. Mit der ersten Trainingseinheit am Mittwoch-Nachmittag „war die Mannschaft bereit, sie hatte vom ersten Augenblick an die Aufgabe in Bochum im Kopf“, erklärte Fischer.

Nicht die mögliche Relegation gegen Stuttgart, die dank der desaströsen Rückrunde des Hamburger SV nur noch theoretisch von den Hanseaten verhindert werden kann. Das schon zum Mantra an der Alten Försterei erhobene Von-Spiel-zu-Spiel-denken war nie wichtiger als an diesem Sonntag im Mai.

„Bislang haben wir noch nichts erreicht“, sprach Grischa Prömel aus, was alle bei Union vor dem letzten Spieltag denken: „Wer freut sich darüber, Dritter zu werden und dann in der Relegation zu scheitern? Wir haben die einmalige Position. Man kann etwas Großes erreichen und sich im Verein unsterblich machen.“

Zwei Ex-Unioner entscheiden mit

Dass man in Paderborn ähnlich denkt, wird niemanden verwundern, auch wenn die Ostwestfalen den Sprung in die Erstklassigkeit (Aufstieg 2014) Union bereits voraus haben. „Die Jungs haben sich über die Saison etwas erarbeitet. Wir wissen um den guten Fußball, den wir spielen. Das wollen wir auch in Dresden zeigen“, sagte Paderborns Trainer Steffen Baumgart.

Mit Baumgart an der Paderborner Seitenlinie sowie Cristian Fiel an der Dresdner entscheiden also zwei ehemalige Union-Profis mit über das Schicksal der Berliner an diesem letzten Spieltag. Ein Umstand, der den Nachmittag in Bochum für den Anhang der Köpenicker noch reizvoller macht.

Fischer jedenfalls zeigt sich ein weiteres Mal beeindruckt von der Unterstützung, den seine Mannschaft erneut erfahren wird. „Das ist fantastisch und zeigt die große Wertschätzung für unsere Arbeit. Gerade in schwierigen Momenten kann uns das helfen.“ Die Möglichkeit, in Bochum etwas Einmaliges zu erleben, will man sich eben nicht entgehen lassen. Michael Färber

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