Zweite Liga

Nicht nur Union ist dem Ziel so nah

Union, der SC Paderborn oder der Hamburger SV - wer folgt dem 1. FC Köln in die Bundesliga? So ist es um die Form des Trios bestellt.

Die Profis des 1. FC Union wollen im letzten Heimspiel der Saison noch einmal mit ihren Fans feiern.

Die Profis des 1. FC Union wollen im letzten Heimspiel der Saison noch einmal mit ihren Fans feiern.

Foto: Matthias Kochvia www.imago-images.de / imago images / Matthias Koch

Berlin. Beim 1. FC Köln ist man längst im Party-Modus. Der sofortige Wiederaufstieg ist seit vergangenen Montag geschafft, sogar die Meisterschaft in der Zweiten Liga gesichert. So gibt es für die Rheinländer schon nach dem vorletzten Spieltag, nach der Partie gegen Regensburg, die 2009 erstmals überreichte Meisterschale, liebevoll auch Felge oder Radkappe genannt.

Hinter den Kölner tobt jedoch seit Wochen ein Schneckenrennen um den zweiten direkten Aufstiegsplatz . Anstatt mit großen Schritten der Bundesliga entgegenzusiegen, haben es vor allem der 1. FC Union und Mitfavorit Hamburger SV geschafft, durch etliche Punktverluste dem SC Paderborn die beste Ausgangsposition zu verschaffen.

Noch zwei Spieltage, dann steht fest, wer den Kölner in jedem Fall nach oben folgen wird. Doch wer hat die beste Form, wer die besten Nerven im verrücktesten Aufstiegsrennen der Liga-Historie? Die Morgenpost gibt Antworten.

SC Paderborn (2. Platz, 54 Punkte, 71.46 Tore)

Noch vor zwei Jahren standen die Paderborner kurz vor dem Sturz in die Regionalliga. Es wäre der dritte Abstieg in Folge für die Ostwestfalen gewesen. Nur weil 1860 München keine Lizenz für Liga drei erhalten hatte, konnte der Sturz von der Bundesliga in die Viertklassigkeit vermieden werden.

Nun klopft der Erstligist von 2014/15 erneut laut ans Tor zur deutschen Eliteliga. Und vor dem Hintergrund der vergangenen Jahre wird deutlich, dass „wir gar nichts verlieren können. Wir haben bereits jetzt eine außergewöhnlich gute Saison gespielt“, wie es Trainer Steffen Baumgart formulierte.

Mit Tempo, mit Offensivfußball stürmte die beste Rückrundenmannschaft auf einen Aufstiegsplatz, daran änderte auch der Dämpfer zuletzt in Bielefeld (0:2) nichts. jener Spaß am Fußball ist Paderborns größer Trumpf, der nun auch im Aufstiegskracher gegen den Hamburger SV stechen soll.

Trainer Baumgart: „Wir wollen aufsteigen“

Die Form stimmt, und Trainer Baumgart kann personell aus dem Vollen schöpfen. „Wir wollen unser letztes Heimspiel vor unseren Zuschauern erfolgreich gestalten. Wir wollen unseren Fußball durchsetzen und weiter nach vorn spielen. Aber wir wollen auch ganz klar als Sieger vom Platz gehen. Den Druck haben die Jungs. Was danach vielleicht passiert, ist dann eine zweite Geschichte", erklärte Baumgart.

Welche zweite Geschichte er meinte, behielt der Ex-Unioner auch nicht lange bei sich. „Jetzt mal Butter bei die Fische: Wir wollen aufsteigen, das ist einfach so. Ich kann nicht Zweiter sein zwei Spieltage vor Schluss und rumeiern“, sagte Baumgart. Gewinnt Paderborn und verliert Union gegen den 1. FC Magdeburg, ist der Aufstieg geschafft.

„Wir wollen beide Spiele gewinnen, wir können beide Spiele gewinnen. Wenn du in der Phase dastehst, wo wir stehen, dann geht es nur noch darum, wirklich den letzten Schritt zu gehen. Ob wir ihn gehen, weiß ich nicht, aber wir werden alles daran setzen und sind dementsprechend vorbereitet.“

1. FC Union (3. Platz, 53 Punkte, 49:31 Tore)

Vorbereitet sieht man sich auch bei Union. Ähnlich wie die Paderborner kann die Mannschaft von Trainer Urs Fischer mit einem Sieg gegen die abstiegsbedrohten Magdeburger am Sonntag (15.30 Uhr, Alte Försterei) Relegationsplatz drei absichern. Gelingt der Sieg im Ostderby und verliert der HSV, sind die Chancen der Hanseaten auf Rang drei bei drei Punkten Rückstand und der weitaus schlechteren Tordifferenz nur noch theoretischer Natur.

Auch Coach Fischer hat keine Personalsorgen, Innenverteidiger Florian Hübner steht nach überstandener Oberschenkelverletzung wieder bereit, Defensivmann Nicolai Rapp hat seine Rot-Sperre abgesessen. Die spielerische Form ist wieder aufsteigend, wie die beiden letzten Auftritte gegen den HSV (2:0) und auch in Darmstadt (1:2) gezeigt hatten, nur die Resultate stimmen schon seit Wochen nicht.

„Ich erwarte ein heiß umkämpftes Spiel, für beide Mannschaften geht es um sehr viel“, sagte Fischer und forderte: „Wir müssen von der ersten Minute an voll im Spiel sein. Magdeburg wird unermüdlich arbeiten.“ Und sich dabei vor allem zunächst auf die Defensive konzentrieren.

Union blickt auch nach Paderborn

Für Union bedeutet dies einmal mehr, mit mehr Ballbesitz aktiv das Spiel zu gestalten. Eine Spielweise, mit der die Köpenicker schon des Öfteren ihre Schwierigkeiten hatten. „Welche Mannschaft tut sich nicht schwer, wenn sie das Spiel machen muss und der Gegner mit zehn Mann in der eigenen Hälfte steht?“, so Fischer.

In jedem Fall wird das Vorgehen, zunächst nur auf sich zu schauen, aufgeweicht. „Ich gehe davon aus, dass wir sicher gut informiert sein werden, was auf dem anderen Platz geschieht. Man braucht das. Je nachdem, was passiert, kann man noch reagieren. Das kann von Bedeutung sein“, erklärte der Union-Trainer. Dennoch sei es in erster Linie wichtig, „dass wir unsere Aufgabe erfüllen. Wir gehen mit dem Gedanken ins Spiel, zu gewinnen.“

Hamburger SV (4. Platz, 53 Punkte, 41:38 Tore)

Einen anderen Gedanken darf es beim Hamburger SV ohnehin nicht geben. „Die Spieler wollen – müssen – zweimal gewinnen. Es ist wichtig, dass die Jungs wissen, dass wir noch ganz viel gewinnen können. Und das aus einer Konstellation, in der es viele nicht mehr erwarten“, sagte HSV-Trainer Hannes Wolf.

Die Hanseaten wirken nach sieben Spielen ohne Sieg, erst recht nach den desaströsen Auftritten bei Union und dann gegen Ingolstadt (0:3) wie ein angeschlagener Boxer direkt vor dem K.o. Der Druck, schon aus finanziellen Gründen unbedingt wieder aufsteigen zu müssen, hat den HSV in den vergangenen Wochen gelähmt. „Wir können jetzt nicht so tun, als wäre der Druck nicht da. Du musst diese Angst, die da mit Sicherheit ein bisschen mitspielt, zu Energie machen“, hofft Wolf.

Der HSV hofft auf dritten Sieg gegen Paderborn

„Wir haben ein Endspiel, aber wir haben Paderborn in dieser Saison auch schon zweimal geschlagen“, macht HSV-Sportchef Ralf Becker in Optimismus. Ob nach dem 1:0 im Hinspiel und dem 2:0 im Viertelfinale des DFB-Pokals tatsächlich Sieg Nummer drei hinzukommt, darf angesichts der aktuellen Verfassung jedoch bezweifelt werden.

Zumal mit Orel Mangala einer der zuletzt sehr wenigen Leistungsträger wegen eines Muskelfaserrisses im Oberschenkel ausfallen wird. „Da muss man als Trainer schon kurz schlucken“, sagte Wolf: „Orels Ausfall ist eine enorme Schwächung.“