1. FC Union

Ja, will denn keiner aufsteigen?

Nur ein Sieg in sieben Spielen für Union im verrücktesten Aufstiegsrennen. Deshalb ist der letzte Schritt in die Bundesliga so schwer.

Union-Trainer Urs Fischer rauft sich die Haare nach der Niederlage in Darmstadt

Union-Trainer Urs Fischer rauft sich die Haare nach der Niederlage in Darmstadt

Foto: Uwe Anspach / dpa

Berlin. Die Bundesliga – für die Klubs in der Zweiten Liga ist sie der Sehnsuchtsort schlechthin. Das konnte man zumindest bis jetzt denken. Das Unterhaus des deutschen Fußballs zeigt seit Wochen jedoch eine Realität, die allem widerspricht. Und das energisch.

Allein der Blick auf den 31. Spieltag genügt. Die Mannschaften, die auf den Plätzen zwei bis acht liegen, haben am Wochenende alle verloren. Alle, ohne Ausnahme. Als würde das Oberhaus eher verbotenes statt gelobtes Land sein.

Mittendrin der 1. FC Union, der mit dem 1:2 in Darmstadt die Riesenchance verpasst hat, auf Rang zwei, einem direkten Aufstiegsplatz vorzurücken. Der Laie staunt, die Experten wundern sich, und alle beschäftigt nur eine Frage: Ja, will denn keiner aufsteigen?

Union-Trainer Fischer lobt guten Auftritt

Vor diesem Hintergrund befindet sich Urs Fischer gerade nach dem Darmstadt-Spiel in einer Zwickmühle. Für Unions Trainer geht es um die Deutung der Partie am Böllenfalltor. „Vom Grundsatz her war es ein guter Auftritt, weil wir vieles richtig gemacht haben“, sagte Fischer. Über 20 Torschüsse, 567:167 Tempoläufe gegenüber dem Gegner, „also kann man der Mannschaft nicht absprechen, dass sie es versucht hat. Nur in Darmstadt hat es nicht gereicht.“

Gegen den Hamburger SV (2:0) eine Woche zuvor „hat es sich im Ergebnis niedergeschlagen, und jeder ist zufrieden“, so Fischer. Davon kann im Umfeld des Köpenicker Klubs nun nicht die Rede sein.

Fußball ist – das weiß nicht zuletzt auch Fischer – vor allem ein Ergebnissport. Stimmen die Resultate nicht, steigt die Unzufriedenheit, unabhängig davon, ob man tatsächlich die bessere Mannschaft gewesen ist.

Nur der HSV und St. Pauli schlechter als Union

„Ich verstehe die Enttäuschung, aber es geht mir zu weit, davon zu sprechen, dass die Mannschaft nicht um die Situation, um die Chance gewusst hat“, machte Fischer deutlich. Ansonsten hätten die Profis auch ihren Beruf verfehlt.

Gleichwohl kann er die Reaktionen nachvollziehen nach zuletzt nur sechs von 21 möglichen Punkten: „Das ist die Sichtweise der Fans, die ist auch korrekt. Aber mit dieser Sichtweise kann ich nicht arbeiten. Das sollte jedem wirklich klar sein.“

Der Fakt, dass Union in den sieben letzten Partien die drittschlechteste Mannschaft gewesen ist, lässt sich dennoch nicht wegdiskutieren. Nur der FC St. Pauli, im Winter ebenfalls noch Aufstiegsaspirant, mit fünf Zählern und der HSV (3) waren noch schlechter. Selbst die weiteren Verfolger Heidenheim (zehn), Regensburg (acht) und Kiel (sieben) waren kaum besser.

„Keine Mannschaft gibt sich auf“

Dies ist auch der Grund, warum Union immer noch in der glücklichen Lage ist, eine Saison, die besser verläuft als erwartet, sogar mit dem direkten Aufstieg krönen zu können. Auch wenn dem 1. FC Köln (Spiel in Fürth erst nach Redaktionsschluss) Platz eins nicht mehr zu nehmen ist.

Doch dieser Schritt scheint nicht nur für Union so außerordentlich problematisch zu sein. „Das sind die schwierigsten Situationen im Fußball, den Sack zuzumachen“, erklärte Fischer: „Diesen letzten Schritt zu machen, ist so schwer. Die Ansprüche der Fans und des Umfelds machen ihn so schwer.“

Das war schon in der vergangenen Zweitliga-Saison der Fall, in der sich das Aufstiegs- als Schneckenrennen entpuppte. „Es war schon eine Zeit lang vor dem Saisonende so, dass immer die Mannschaft, die auf dem dritten Platz stand, nicht gewinnen konnte und sich deshalb nicht absetzen konnte“, erinnert Fischer und sieht – seinem Naturell entsprechend – diesen Umstand positiv: „Das spricht für die Liga. Keine Mannschaft gibt sich auf, auch jene, für die es um nicht mehr so viel geht.“

Ex-Unioner Baumgart kann Durchmarsch schaffen

Dass sich Unions Konkurrenten im Aufstiegskampf nicht aufgeben werden, versteht sich von selbst. Paderborns Trainer Steffen Baumgart hatte schon vor der Niederlage in Bielefeld (0:2) festgestellt: „Anders als die Konkurrenz müssen wir keine Erwartungen mehr erfüllen.“

Paderborn war erst im vergangenen Sommer in die Zweite Liga zurückgekehrt. Mit Ex-Unioner Baumgart an der Seitenlinie könnte der besten Rückrundenmannschaft (29 Punkte) sogar der Durchmarsch gelingen.

Selbst beim Hamburger SV, der seit sieben Spielen auf einen Sieg wartet, herrscht Zweckoptimismus. „Wir können die Ziele immer noch erreichen. Und dafür werden wir kämpfen. Mit zwei Siegen wären wir mindestens Dritter. Die Konstellation ist da, es kann noch funktionieren“, sagte Trainer Hannes Wolf, der zumindest bis Saisonende beim HSV bleiben wird.

Union vor brisantem Ostderby gegen Magdeburg

Für Union kommt es nun darauf an, am Sonntag (13.30 Uhr, Alte Försterei) im Ostderby gegen den abstiegsbedrohten 1. FC Magdeburg wieder in die Erfolgsspur zu finden.

„Wir sind immer noch Dritter und haben die Möglichkeit, wieder etwas zu erreichen, wenn wir unser Heimspiel gegen Magdeburg gewinnen“, sagte Fischer: „Dann schauen wir mal, was auf dem anderen Platz geschehen ist.“ In Paderborn, wo der HSV zum Aufstiegsduell antritt.

An der verrücktesten Zweitliga-Saison ändert dies nichts. Oder wie es der Münchner Humorist Karl Valentin wohl umschrieben hätte: „Mögen hätt’ ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut.“

1. FC Köln:

SSV Jahn Regensburg (H) 12.5.

1. FC Magdeburg (A) 19.5.

SC Paderborn:

Hamburger SV (H) 12.5.

SG Dynamo Dresden (A) 19.5.

1. FC Union:

1. FC Magdeburg (H) 12.5.

VfL Bochum (A) 19.5.

Hamburger SV:

SC Paderborn (A) 12.5.

MSV Duisburg (H) 19.5.

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