Duell um den Aufstieg

Hamburg spürt den doppelten Druck

Union gegen Hamburg ist ein brisantes Duell. Der HSV müsste sich völlig neu orientieren, wenn er den Bundesliga-Aufstieg verpasst

Hamburgs Hee Chan Hwang (l.,) im Duell mit Ken Reichel von Union

Hamburgs Hee Chan Hwang (l.,) im Duell mit Ken Reichel von Union

Foto: Elmar Kremser/SVEN SIMON / picture alliance / SvenSimon

Berlin/Hamburg. Die Tore öffnen früher als normal, weil der Andrang so groß ist. Seit Wochen gibt es keine Tickets mehr für das Spiel zwischen dem 1. FC Union und dem Hamburger SV am Sonntag (13.30 Uhr, Sky). Ab 11.30 Uhr dürfen die Fans schon ins Stadion an der Alten Försterei, anreisen sollen sie am besten nicht mit dem Auto, riet Union, denn am Spieltag wird verstärkt nach Parksündern gefahndet in der Gegend um die Arena. Als Alternative stellte Union 500 zusätzliche Fahrradständer auf.

Das passt gut zu den Köpenickern, die sich als ein etwas anderer Klub verstehen. Ganz bodenständig und der Tradition verhaftet, vor allem am Fan orientiert. Mit dem Fahrrad in die Bundesliga also, oder zumindest zu einem Spiel, das den Weg zum großen Ziel der Köpenicker Zweitliga-Fußballer nachhaltig beeinflussen kann. „Wir wissen genau, um was es geht am Sonntag“, sagt Union-Trainer Urs Fischer. Vielleicht um eine Vorentscheidung darüber, ob die Berliner als aktueller Vierter in den danach noch drei verbleibenden Spielen noch eine Chance auf Platz zwei und den direkten Aufstieg haben.

Sportlicher und finanzieller Druck beim HSV

Seit Jahren arbeiten die Berliner darauf hin. Fast so, wie sich die Hamburger in den vergangenen Jahren in der Bundesliga Jahr für Jahr mehr dem Abstieg näherten. In der Vorsaison war es soweit, erstmals mussten die Hanseaten eine Liga nach unten. Jetzt wollen sie direkt wieder nach oben, denn sich in der Zweiten Liga länger einzurichten, würde für die Hamburger einen Abstieg in finanzielle Regionen bedeuten, die sie nicht gewohnt sind. Nicht nur sportlich hängt also viel an der Partie. „Es ist nicht neu beim HSV, dass Druck und Dampf drin sind. Wir haben es in der Hand“, so Hannes Wolf, Trainer des Zweitplatzierten, der drei Zähler vor den Berlinern liegt, aber wegen des schlechteren Torverhältnisses bei einer Niederlage hinter Union zurückfallen könnte.

Die finanziellen Weichen sind beim HSV sowohl für den Fall des Aufstiegs als auch für einen möglichen Verbleib in der Zweiten Liga weitgehend gestellt. Seit Mittwoch steht fest, dass HSV-Investor Klaus-Michael Kühne für ein weiteres Jahr vier Millionen Euro dafür zahlt, dass die Hamburger Arena Volksparkstadion heißt. Außerdem zahlt der HSV dem Milliardär eine Summe von rund sechs Millionen Euro, damit Kühne auf sämtliche noch ausstehende Rückzahlungen verzichtet. Dieser Deal lindert vorerst den Druck auf die wirtschaftliche Schieflage des Vereins.

Große Abstriche bei weiterem Zweitliga-Jahr

Auf HSV-Finanzboss Frank Wettstein warten aber noch weitere Herkulesaufgaben. So gehen die Verhandlungen um eine Verlängerung mit Hauptsponsor Emirates in die nächste Runde. Nur wenn dem HSV die Rückkehr in die Bundesliga gelingt, kann sich die Fluggesellschaft ein weiteres Engagement von jährlich sieben bis acht Millionen Euro (in der Zweiten Liga sind es 4,5 Millionen Euro) vorstellen.

Es hängen weitreichende finanzielle Folgen am Ausgang dieser Spielzeit, deren Richtung nach dem Duell an der Alten Försterei klarer sein dürfte. Wenn die Saison jetzt zu Ende wäre, würde der HSV 34,6 Millionen Euro (Union 16,4) statt bislang 20,7 Millionen (Union 13,5) aus der TV-Vermarktung einnehmen. Sollte der Klub in der Tabelle aber noch von mindestens zwei Teams überholt werden und auf einen Nichtaufstiegsplatz zurückfallen, würde diese Summe um rund 13 auf etwa 22 Millionen Euro sinken.

Den HSV drücken hohe Verbindlichkeiten

Ein Zweitligaverbleib hätte auch Auswirkungen auf die Zusammenstellung des Kaders. Im Aufstiegsfall würde mit einem Spieleretat von 40 bis 50 Millionen Euro kalkuliert werden. Ein weiteres Jahr im Fußball-Unterhaus hätte eine Reduzierung von derzeit etwas mehr als 30 auf 25 Millionen Euro zur Folge für die Hamburger, die Verbindlichkeiten von 85 Millionen Euro drücken.

Ganz anders sieht es bei den Berlinern aus. Dort bereitet man sich auf den erstmaligen Bundesligaaufstieg vor. Für das erklärte Ziel hat Union in den zurückliegenden Jahren kräftig investiert. Vor der Saison wurde der Etat von 14,6 Millionen Euro auf 16,3 Millionen Euro erhöht. Selbst wenn der Aufstieg in diesem Jahr noch nicht gelingen sollte, wäre im kommenden Sommer einer ähnlichen Etatsteigerung zu rechnen.

Union entwickelt sich finanziell gut

Außerdem rüsten sich die Köpenicker mit einem 38,1 Millionen Euro teuren, in Planung befindlichen Stadionausbau von 22.012 auf rund 37.000 Plätze für die Zukunft. Für 26 Millionen Euro entsteht zudem ein Nachwuchsleistungszentrum. Möglich sind diese Entwicklungsschritte durch gesundes Wirtschaften in den vergangenen Jahren. So konnte der Klub sein negatives Eigenkapital auf 11,5 Millionen Euro senken. Anders als beim HSV geht die finanzielle Entwicklung in die richtige Richtung.

Finanziell ist der Abstand zwischen Union und dem HSV trotzdem noch enorm. Selbst im Falle des verpassten Aufstiegs bliebe der Vorsprung der Hamburger auf die Zweitligakonkurrenten erheblich. Und das, obwohl Ausrüster Adidas seine Konditionen nach Abendblatt-Informationen dann um die Hälfte auf nur noch zwei Millionen Euro pro Jahr senken würde.

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