Zweite Liga

Ist Unions Kader gut genug für den Aufstieg?

Union-Geschäftsführer Ruhnert fordert vom Team einen anderen Umgang mit der Situation, hält aber auch fehlende Qualität für möglich.

Unions permanente Präsenz im Aufstiegsrennen als Resultat einer bislang nicht derart gut erwarteten Saison hat Begehrlichkeiten geweckt.

Unions permanente Präsenz im Aufstiegsrennen als Resultat einer bislang nicht derart gut erwarteten Saison hat Begehrlichkeiten geweckt.

Foto: Robert Michael / dpa

Berlin. Einen Moment musste Oliver Ruhnert dann doch durchschnaufen, als er nach seinem Seelenleben nach der Nullnummer in Dresden befragt wurde. Das dritte Spiel in Folge ohne Sieg hatte doch so seine Spuren hinterlassen. Doch der Geschäftsführer Profifußball des 1. FC Union wäre nicht Politiker, wenn er sich nicht flugs aus dieser emotionalen Umklammerung befreien könnte.

Also bilanzierte Ruhnert den Auftritt des Berliner Fußball-Zweitligisten im Ostderby wie folgt: „Natürlich hätte man sich gewünscht, dass es endlich wieder die Initialzündung gibt. Wir brauchen mal wieder einen Sieg, dann werden die Jungs auch wieder selbstbewusster agieren. Dafür muss die Mannschaft jedoch mehr tun, als sie getan hat, und das ärgert mich. Das müssen wir dringend verändern, wenn wir diesen Platz behalten wollen. Insofern nehmen wir diesen Punkt lieber auf der Habenseite.“

Bei Union versucht man den Punkt als weitere Absicherung für Relegationsplatz drei anzusehen, weniger als verpasste Chance, den Hamburger SV, der am Montagabend gegen den 1. FC Magdeburg spielte, weiter unter Druck zu setzen. Die Frage, die die Mannschaft von Trainer Urs Fischer in den letzten sechs Saisonspielen beantworten muss, lautet: Wie sehr kann sie die Sehnsucht des Vereins nach der Bundesliga in Leistungen auf den Platz ummünzen?

Union-Publikum verliert die Geduld

„Ich kenne keinen im Verein, der nicht Dritter werden will“, sagte Ruhnert. Doch wie viele sind dabei, die sagen: Wir wollen Zweiter werden? Es ist ein Teufelskreis, in den sich die Profis gebracht haben. Die permanente Präsenz im Aufstiegsrennen als Resultat einer bislang nicht derart gut erwarteten Saison hat Begehrlichkeiten geweckt.

Auch und vor allem beim Publikum, dass in Heimspielen schon mal unruhig wird, wenn die Mannschaft nicht die in dieser Spielzeit gewohnten Leistungen bringt. Ein Umstand, den es in den Jahren zuvor in der Alten Försterei so nicht gegeben hat und der großen Chance geschuldet ist, den großen Traum endlich verwirklichen zu können.

Nach Wochen und Monaten des Wir-schauen-nur-auf-uns – eine in der ersten Saisonhälfte durchaus nachvollziehbare Vorgehensweise – erwarten nicht wenige etwas mehr Offensive im Umgang mit der Aufstiegschance.

Unions Ruhnert: „Das wäre gelogen“

Ein schwieriges Unterfangen, wie Ruhnert findet: „Wir sind nicht so dominant und nicht so gut besetzt, dass wir Platz zwei einfach ausrufen können. Das wäre gelogen, wenn wir das behaupten würden.“

Schließlich spricht der Union-Geschäftsführer das aus, was unter Umständen in der Welle des Erfolges übersehen worden sein könnte: „Vielleicht ist die Qualität des Kaders auch so, wie sie sich gerade darstellt.“

Mit dem, was immer noch möglich ist, nämlich der direkte Aufstieg, würde es sich Union dennoch zu leicht machen, wenn man Platz drei ausschließlich als Erfolg ansehen würde. Zumal die Historie der Relegation zwischen dem Dritten der Zweiten Liga und dem Bundesliga-16. nichts Gutes für den unterklassigen Klub verspricht.

Union muss die Leichtigkeit wiederfinden

Seit Wiedereinführung der Entscheidungsspiele im Jahr 2009 schafften es nur zwei Zweitligisten doch noch ins Oberhaus: der 1. FC Nürnberg (2009 gegen Energie Cottbus) und Fortuna Düsseldorf (2012 gegen Hertha BSC). Die übrigens acht Duelle endeten teils sehr knapp, teils deutlich, aber immer für den Erstligisten.

„In der Relegation hättest du nochmal zwei schöne Spiele“, erklärte Ruhnert, aber: „Wir kennen natürlich die Bilanz der Zweitligisten.“ Folglich redet der Geschäftsführer dem kickenden Personal kräftig ins Gewissen: „Der Umgang mit der Situation muss besser werden. Die Mannschaft muss wieder mit Leichtigkeit in die Partien gehen und nicht mit der Sorge, etwas verlieren zu können. Jedes Spiel muss für uns ein Highlight sein, so wie es das auch für die Gegner ist, die gegen uns spielen.“

Jahn Regensburg soll dies am Freitag (18.30 Uhr, Alte Försterei) gleich zu spüren bekommen.

Mehr über Union lesen Sie hier.