Zweite Liga

Union verliert gegen St. Pauli in dramatischer Schlussphase

Die Eisernen drehen am Millerntor in der 86. Minute einen 2:0-Rückstand. Doch in der Nachspielzeit trifft St. Pauli per Elfmeter.

St. Paulis Alex Meier (unten) feiert sein Tor zum 2:0.

St. Paulis Alex Meier (unten) feiert sein Tor zum 2:0.

Hamburg. Fassungslos stand Trainer Urs Fischer an der Seitenlinie, den Mund für einen Moment offen, ungläubig, dass Schiedsrichter Guido Winkmann tatsächlich auf Elfmeter entschieden hatte. Aber es war so, weil Suleiman Abdullahi viel zu ungestüm hingegangen war in dieser zweiten Minute der Nachspielzeit. Alex Meier verwandelte den Strafstoß und der 1. FC Union verlor ein furioses Fußballspiel noch mit 2:3 (0:1). Durch die Niederlage erhielten die Aufstiegshoffnungen der Berliner einen Dämpfer, Union rutschte auf Platz Vier, St. Pauli ist Zweiter.

„Das ist eine ganz bittere Niederlage. Wir waren für eine Auswärtsmannschaft sehr dominant, haben uns trotz des Rückstandes wieder herangekämpft“, sagte Florian Hübner, Verteidiger des Berliner Fußball-Zweitligisten.

Union war zu Beginn die bessere Mannschaft. Das Selbstvertrauen nach dem 2:0 gegen Köln am Donnerstag war sichtbar. Felix Kroos besaß die erste Chance (4.), auch Marcel Hartel hätte kurz darauf ein frühes Tor erzielen können. Zugang Carlos Mané stand zum ersten Mal seit seinem Wechsel von Sporting Lissabon in der Startelf, sorgte auf der Außenbahn für viel Druck, hatte jedoch keine Torschussbeteiligung. Kroos hingegen schon: Als St. Paulis Torwart Robin Himmelmann bei einem Abschlag zu lange zögerte, hätte Kroos’ Block beinahe die Führung gebracht (27.). St. Pauli wirkte arg fahrig und hätte nach einem Eckball beinahe zurückgelegen. Marvin Friedrich kam im Gewühl aber nicht druckvoll genug an den Ball, Himmelmann konnte im letzten Moment auf der Linie retten (22.).

Union war vor 29.546 Zuschauern deutlich näher an der Führung und lag wenige Augenblicke später dennoch zurück. Ex-Herthaner Sami Allagui machte, was man machen sollte, wenn so rein gar nichts läuft. Er hielt aus dreißig Meter einfach drauf, erwischte den Ball perfekt und so schlug sein Schuss zum 0:1 ein. Union-Torwart Rafal Gikiewicz reckte sich vergeblich (23.).

Der Treffer, sehenswert und glücklich zugleich, änderte die komplette Statik des Spiels. Union war geschockt und obwohl St. Pauli in der Verteidigung keineswegs sicher wirkte, kamen die Berliner kaum noch zu guten Torchancen. Oft verloren sich die Offensivbemühungen bereits im Aufbau, Zuspiele waren ungenau oder der Ballführende traf die falsche Entscheidung.

Union-Trainer Fischer hatte auf die gesperrten Christopher Trimmel und Ken Reichel verzichten müssen, dafür verteidigten Julian Ryerson und Christopher Lenz auf den Außen. Vor allem Ryerson war die fehlende Spielpraxis anzumerken. Für den verletzten Sebastian Polter (mehrere Wochen Pause wegen einer Verletzung des linken Mittelfußes) stürmte Sebastian Andersson.

Als Meier das 0:2 nach einer Ecke erzielte, schien die Berliner Niederlage besiegelt (62.). Dann aber startete Union eine nicht mehr für möglich gehaltene Aufholjagd. Zuerst verkürzte Grischa Prömel aus kurzer Distanz (84.), 85 Sekunden später nutzte Abdullahi einen Abpraller, den Himmelmann nicht festhalten konnte, zum Ausgleich (85.). Abdullahi schien der Held dieses kühlen Hamburger Abends zu werden. Dann brach die Nachspielzeit an. Kroos: „Die Niederlage ist bitter nach dem Aufwand, den wir betrieben haben. Dennoch war es eine sehr gute Auswärtspartie von uns, denke ich.“

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