Fußball

Reifeprüfung für Unions zweite Reihe

Die Köpenicker müssen trotz dreier Ausfälle beweisen, dass ihr Kader ausgeglichen genug für den Aufstieg ist.

Beim knappen Pokal-Aus stand Unions Christopher Lenz (l.) gegen Dortmunds Christian Pulisic seinen Mann.

Beim knappen Pokal-Aus stand Unions Christopher Lenz (l.) gegen Dortmunds Christian Pulisic seinen Mann.

Foto: Martin Meissner / picture alliance/AP Photo

Berlin.  Einen ausgeglichen stark besetzten Kader zu besitzen, zählt zu den Voraussetzungen, um sich zu einer Spitzenmannschaft zu entwickeln. Beim
1. FC Union, als Tabellendritter längst im oberen Segment der Zweiten Liga angekommen, vergeht daher auch kaum ein Gespräch, in dem nicht die Homogenität des Teamgefüges betont wird. Wie gut es um den Kader der Köpenicker tatsächlich bestellt ist, wird sich aber erst am Montagabend (20.30 Uhr, Sky) zeigen, wenn Union zum Topspiel bei Verfolger FC St. Pauli antritt.

Mit Kapitän Christopher Trimmel (fünfte Gelbe Karte) und Ken Reichel (Gelb-Rot beim 2:0 gegen Köln) fehlen der Mannschaft von Trainer Urs Fischer die beiden etatmäßigen Außenverteidiger. Sowohl Trimmel (31) als auch Reichel (32) haben bislang gezeigt, wie wichtig Erfahrung in dieser Saison ist. Beide sind aus der Startelf nicht wegzudenken – es sein denn, der Trainer wird dazu gezwungen, wie nun vor dem Spiel in Hamburg.

Mit Christopher Lenz und Julian Ryerson stehen zwei Ersatzspieler bereit, die nicht nur wegen ihres Alters in Sachen Erfahrung kaum mithalten können. Der Berliner Lenz, 24 Jahre alt, ist wie auch der Norweger Ryerson (21) eher in die Kategorie „Spieler für die Zukunft“ zu verorten. Auf St. Pauli müssen beide nun zeigen, dass es aus Sicht der Köpenicker richtig gewesen ist, sich für sie zu entscheiden.

„Auf St. Pauli habe ich bisher nur ein paar Minuten gespielt, das war bei meinem Comeback“, erinnert sich Lenz, der im Februar 2018 eine Adduktorenverletzung überstanden hatte. In der 85. Minute wurde der Linksverteidiger seinerzeit eingewechselt, die Niederlage seines damaligen Klubs Holstein Kiel konnte er aber nicht mehr verhindern. Nun soll er mithelfen, dass Union sich in der Tabelle von St. Pauli absetzt. Kein leichtes Unterfangen, wie Lenz berichtet. „Es ist nie einfach, wenn du nicht spielst. Dann bist du auch immer ein wenig unzufrieden“, erzählt Lenz.

Ersatzkräfte Lenz und Ryerson sind gegen St. Pauli gefordert

Vor diesem Hintergrund dürfte sich beim Außenverteidiger-Duo eine gute Portion Frust aufgestaut haben. Ryerson, im vergangenen Sommer vom norwegischen Zweitligisten Viking Stavanger verpflichtet, brachte es in fünf Kurzeinsätzen auf lediglich 97 Spielminuten. Der Norweger wurde geholt, um sich bei Union „weiterzuentwickeln und den Konkurrenzkampf anzukurbeln“, so Oliver Ruhnert, Unions Geschäftsführer Profifußball. Gegen Trimmel ist er derzeit jedoch chancenlos, was auch damit zu tun hat, dass Trainer Fischer den Österreicher im Sommer zum Kapitän ernannt hatte. Nichtsdestotrotz lobt Fischer stets die vorbildliche Einstellung Ryersons.

Lenz wiederum ist bereits seit 2016 an Union gebunden. Nach seinem ersten Jahr bei den Köpenickern ließ er sich jedoch in der Winterpause der Saison 2016/17 nach Kiel ausleihen, da er sich gegen den damaligen Konkurrenten Kristian Pedersen nicht durchsetzen konnte. „Ich bin froh, dass es so gelaufen ist. Die Ausleihe war perfekt. Mit Kiel habe ich in der Dritten Liga jedes Spiel gemacht und bin aufgestiegen“, berichtet Lenz, der 2018 auch die Relegation gegen den Bundesligisten VfL Wolfsburg miterlebte. „Die anderthalb Jahre haben mich reifen lassen, auch weil ich viele Spiele gemacht habe“, erzählt Lenz.

Vorigen Sommer erlebte er jedoch gleich den nächsten Rückschlag. Zwar zog es Konkurrent Pedersen auf die britische Insel zu Birmingham City, doch die somit entstandene Lücke fülle nicht etwa Lenz, sondern Ken Reichel. Und der Ex-Braunschweiger hat maßgeblichen Anteil am Aufschwung der Köpenicker in dieser Spielzeit. Während die Kollegen also fleißig punkteten, blieb für Lenz wieder nur die Bank. Dennoch verlängerte er seinen Vertrag bei Union noch vor Weihnachten bis 2021.

Natürlich nage das erneute Reservistendasein trotzdem an ihm. „Aber man kennt das Fußballgeschäft und weiß, dass immer nur elf spielen können“, sagte Lenz: „Und ich bin froh, dass wir so gut wie kein Spiel verlieren, davon profitiere ich auch. Weil wir oben dabei sind und ich Teil einer Top-Mannschaft bin.“ Außerdem habe er ja auch seinen Anteil zum Aufschwung beigetragen, wenn auch nur in fünf Einsätzen, davon allerdings auch drei über die vollen 90 Minuten (insgesamt 310 Minuten).

„Wenn ich mehr Spiele mache, ist mein Anteil am Erfolg der Mannschaft noch größer“, weiß Lenz. Er gibt sich mit Blick auf die Zukunft ehrgeizig: „Mein Ziel ist es, Stammspieler bei Union zu werden. Deshalb muss ich noch mehr Gas geben, um mehr Spielzeit zu bekommen. Und dann schauen wir mal, was die Zukunft bringt.“ Ein starker Auftritt beim FC St. Pauli dürfte ihm da ohne Zweifel helfen – ebenso wie Julian Ryerson.

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