Fussball

1. FC Union: Mit Volldampf zum Verfolger

Nach dem furiosen Sieg gegen Köln wollen die Köpenicker den bislang punktgleichen FC St. Pauli distanzieren.

Foto: Christophe Gateau / dpa

Berlin.  Innerhalb von wenigen Minuten wurde Urs Fischer (52) immer präziser. Zuerst sagte der Trainer des 1. FC Union vor dem Auswärtsspiel am Montag beim FC St. Pauli (20.30 Uhr): „Ziel ist es, Punkte mitzunehmen.“ Kurz darauf wurde er etwas offensiver. „Wir fahren nach Pauli, um das Spiel zu gewinnen.“ So als hätte sich Fischer in der Zwischenzeit daran erinnert, dass seine Mannschaft ja jetzt zur absoluten Spitze der Zweiten Liga gehört. Und als Spitzentrainer eines Spitzenteams kann es nun mal keine andere Zielstellung geben, als zu gewinnen.

Nun gilt St. Pauli zwar ebenso als solches, die Hamburger liegen punktgleich hinter den Berlinern auf Platz fünf, doch spricht das Momentum für Union. Während St. Pauli den Auftakt nach der Winterpause beim 1:2 gegen Darmstadt verpatzte, gewannen die Berliner das Spitzenspiel gegen Köln. Es war die Sorte von Sieg, die eine Mehrfachwirkung entfacht. Zum einen bei den Siegern selbst, die nun voller Selbstvertrauen zum nächsten Gipfeltreffen reisen. Zum anderen war er ein Ausrufezeichen Richtung Konkurrenz. Kölns Coach Markus Anfang folgerte nach der schmerzlichen Niederlage, dass Union „wohl bis zum Schluss ganz oben mitspielen wird“.

Defensive Stabilität zeichnet Fischer-Team aus

Auch wenn es offiziell niemand der Konkurrenten sagen wollte, so gab es doch eine latente Ungewissheit, was die Leistungsfähigkeit der Berliner anging. Von den 18 Spielen bis zur Weihnachtspause verlor Union zwar nur ein einziges, spielte aber auch zehn Mal Unentschieden. Mehr als jeder andere Klub in Liga zwei. Einige dieser Spiele hätten durchaus auch verloren werden können. Abgesehen von der Niederlage in Aue zeigte sich Fischers Elf in jeder Begegnung defensiv sehr stabil, wirkte offensiv aber oft ideenlos, was Zweifel daran aufkommen ließ, dass Union sich konstant an der Spitze halten kann. Zumal die Vorbehalte noch historisch unterfüttert sind. Vor zwei Jahren verpasste Union unter dem damaligen Trainer Jens Keller vor allem deshalb den Aufstieg, weil man in der Rückserie gegen die direkten Konkurrenten Stuttgart, Hannover und Braunschweig keinen einzigen Punkt holte.

Trimmel und Reichel fehlen gesperrt

Das ist unter Fischer anders. In fünf Spielen gegen Köln (2), Hamburg, Heidenheim und St. Pauli sammelte seine Mannschaft neun Zähler und blieb ungeschlagen. St. Pauli, der kommende Gegner, wurde in der Alten Försterei 4:1 besiegt. Ein so deutliches Resultat erwartet Fischer für das Rückspiel nicht. St. Pauli sei eine Mannschaft mit viel Geschwindigkeit, „sie haben Spieler mit sehr viel Speed, die immer wieder Eins-gegen-eins-Situationen provozieren“, wie er sagt.

An sich schon eine schwere Aufgabe, wird das Unterfangen allein dadurch noch ein wenig anspruchsvoller, da in Person von Ken Reichel und Christopher Trimmel beide Außenverteidiger gesperrt fehlen. Auch Sebastian Polter kann gegen St. Pauli nicht auflaufen. Unions Mittelstürmer hatte gegen Köln eine schmerzhafte Fußverletzung erlitten und wird laut Fischer definitiv nicht mitwirken können. „Sein Fuß ist leider noch sehr geschwollen, deswegen können wir noch keine genaue Diagnose stellen. Wir haben also den einen oder anderen Spieler zu ersetzen“, sagt Fischer. Sonderlich besorgt klang er dabei nicht.

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